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Fraport-Kommunikationschef Weirich Halb Hofnarr, halb Spin-Doctor

10.03.2010 ·  Dieter Weirich ist stets ein Grenzgänger zwischen Politik und Medien gewesen. Nun geht der frühere Dregger-Referent als Kommunikationschef des Flughafenbetreibers Fraport in den Ruhestand.

Von Peter Lückemeier und Helmut Schwan
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Man freut sich immer, ihn zu treffen, denn der Mann steckt voller Geschichten. Es sind vor allem Schnurren aus dem politischen Leben, das Personal trägt große Namen wie Alfred Dregger, Helmut Kohl, Roland Koch. Nicht selten sind es Anekdoten, die seine Gesprächspartner zum Lachen bringen – Dieter Weirich erzählt gut, er schöpft aus einem fabelhaften Gedächtnis und dem sicheren Blick für die Schwächen der Menschheit. Vor allem für die hochkomischen Seiten der Eitelkeit hat er ein hellwaches Sensorium, obwohl – oder weil – auch er selbst von dieser Schwäche nicht ganz frei ist.

Dieter Weirich hat auch deshalb so viel zu erzählen, weil er in drei Sphären heimisch ist, der Politik, den Medien und in den letzten Jahren der Wirtschaft. Begonnen hat der im Landkreis Heilbronn geborene Schwabe als Volontär bei der „Pforzheimer Zeitung“, bald wurde er Ressortleiter für Sport und Vermischtes beim „Hanauer Anzeiger“ und stieß dabei immer öfter auf einen konservativen Politiker aus Fulda, der damals dabei war, die hessische CDU aus ihrer Diaspora herauszuführen. Der Mann hieß Alfred Dregger, Dieter Weirich wurde sein persönlicher Referent und dann ein langjähriger Wegbegleiter.

Erst Landtag, dann Bundestag

Weirich zog in den Landtag ein, wo er wie später als Abgeordneter im Deutschen Bundestag die Medien zu seinem Thema machte. 1989 war es dann umgekehrt, da wechselte der Politiker wieder zu den Medien, Weirich wurde Intendant der Deutschen Welle, des Hörfunksenders, der das Bild Deutschlands im Ausland prägen soll; hier führte Weirich das Fernsehen und das Onlineangebot ein. Ohne Gegenstimme wiedergewählt, geriet er nach dem Regierungswechsel vor allem mit dem SPD-Kulturbeauftragten im Kanzleramt Naumann überkreuz, 2001 erklärte der Intendant seinen vorzeitigen Rücktritt.

Dass er nach einer Übergangszeit als freier Medienberater zunächst als Außenstehender den Flughafenbetreiber beriet, wird sicherlich nicht ohne eine kleine Hilfe seines politischen Freundes Roland Koch vonstattengegangen sein. Falsch war das aber nicht, denn Weirich brachte das Standing eines Exintendanten, die Fähigkeit zu strategischem Weitblick und die Unabhängigkeit mit, die dazu gehört, den Chefs zu widersprechen. Und er ging systematisch vor. Weirich hat zunächst die „Medienresonanz“ des Flughafenbetreibers messen lassen. Als er vor sechs Jahren die Aufgabe des Kommunikationschefs übernahm, lag dieser Wert im unteren Drittel aller M-Dax-Unternehmen. Inzwischen rangiert die Reputation der Fraport AG unter den ersten fünf.

„Man muss auch Glück haben“

Was natürlich nicht monokausal am Wirken des Kommunikationsverantwortlichen liegt, aber auch nicht nichts mit ihm zu tun haben kann. Weirich sagt, man müsse in einer solchen Position auch Glück haben. Wie er das „auch“ betont, lässt ahnen, dass er seinen Anteil am Aufstieg als nicht zu gering erachtet. Aber er räumt ein, dass nach dem Desaster um das Engagement am Flughafen in Manila, das mit mehr als 300 Millionen Euro Verlust abgeschrieben werden musste, ein im Krisenmanagement erfahrener Kommunikator auf offene Ohren im Vorstand stieß.

Mit dem Aufschwung des Unternehmens verblassten die Narben aus dem philippinischen Abenteuer. Der Ausbau des Kerngeschäfts in Frankfurt, die neue Landebahn, beherrschte wieder die öffentliche Wahrnehmung. Weirich, der die Romantiker seiner schwäbischen Heimat schätzt, empfahl im Unternehmen „sprachliche Abrüstung“, auf allen Ebenen und ganzheitlich. „Gegner“ des Ausbaus gab es nicht mehr, nur noch „kritische Partner“ – die neue Semantik sollte vom Geschäftsbericht über Werbebroschüren bis hin zu den Pressemitteilungen und Interviews alles durchziehen, was nach außen drang. Der Kommunikationschef zeigte die Menschen, die hinter dem Ausbauprojekt stehen. In der preisgekrönten Anzeigenkampagne stellte er den Ministerpräsidenten neben einen Taxifahrer und den Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzenden neben eine Hausfrau, gemeinsam für das Vorhaben werbend.

Streit versachlichen geholfen

Was Flughafenskeptiker in Internetforen als Weirichs PR-Tricks beargwöhnten, hat tatsächlich geholfen, den die Region seit Jahrzehnten spaltenden Streit über Segen und Fluch des Flughafens zu versachlichen. Schon im Erörterungstermin in der Stadthalle Offenbach perlten Krawallversuche an dem mitunter als langweilig empfundenen Schlagabtausch auf gehobenem technischen und juristischen Niveau ab.

Wie stark diese Bemühungen dazu beigetragen haben, die nach den traumatischen Erfahrungen aus Zeiten der Startbahn West befürchteten Gewaltexzesse zu verhindern, vermag niemand zu sagen. Weirich will nicht spekulieren, er setzt auf Zahlen. In der Region befürworteten inzwischen 65 Prozent den Ausbau des Flughafens, auch wenn es weiterhin eine schweigende Mehrheit sei. Und er setzt auf die Erfahrung, dass der Protest abklingen werde, wenn die neue Landebahn erst einmal in Betrieb genommen sei.

Am kommenden Montag wird Dieter Weirich mit „großem Bahnhof“ verabschiedet, seine Nachfolge ist auf Referentenebene geregelt worden. Schade. Eine markante Persönlichkeit wie ihn – halb Hofnarr, halb Spin-Doctor, erfahren, schlitzohrig, fleißig und eigenständig – wird man vermissen.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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