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Fraport Eine Krisenbilanz und einige Baustellen zur Premiere

03.03.2010 ·  Für seine erste Bilanzvorlage als Vorstandsvorsitzender der Fraport AG hat sich Stefan Schulte ganz sicher bessere Zahlen gewünscht. Doch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch den Frankfurter Flughafen heftig gebeutelt.

Von Jochen Remmert, Frankfurt
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Für seine erste Bilanzvorlage als Vorstandsvorsitzender der Fraport AG hat sich Stefan Schulte ganz sicher bessere Zahlen gewünscht. Doch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch den Frankfurter Flughafen als eines der weltweit bedeutenden Drehkreuze und dessen Betreiber heftig gebeutelt.

Der wesentlich freundlichere Auftakt des laufenden Jahres lässt Schulte zwar schon wieder mit ein bis zwei Prozent mehr Passagieren im laufenden Jahr rechnen. Doch das Zahlenwerk des vergangenen Jahres, das er am Mittwoch in Frankfurt vorlegte, kann ihn nicht zufriedenstellen: das Konzernergebnis um gut 20 Prozent auf 157,3 Millionen gefallen, der Umsatz um sechs Prozent auf 1,97 Milliarden Euro, mit 51 Millionen Fluggästen 4,7 Prozent weniger Passagiere, ein Schwund in gleicher Höhe bei den Flugbewegungen, ein Zehntel weniger Luftfracht. Schulte wird es nur wenig getröstet haben, dass auch sein Vorgänger Wilhelm Bender bei seiner letzten Bilanz schon krisengeprägte Zahlen hatte vorlegen müssen.

Aufregung und Verärgerung

Trotzdem hat Schulte, verglichen mit seinen Auftritten als zweiter Mann hinter Bender, deutlich an Souveränität gewonnen. Die Zahlen der Krise verkaufte er gewohnt sachlich, aber ohne die fast an Unwilligkeit grenzende Vorsicht vergangener Jahre, die ihm den Ruf eingetragen hat, ein spröder Zahlenmensch zu sein. Das soll Geschichte sein und ein Satz wie „das beste an der Bilanz für 2009 ist der Ausblick auf 2010“ kommt ihm inzwischen authentisch über die Lippen.

Gelegentlich allerdings sorgt die neue Unbefangenheit für Aufregung und sogar Verärgerung. So etwa als Schulte jüngst öffentlich Überlegungen zur Zahl künftig möglicherweise in Frankfurt zulässiger Nachtflüge anstellte und dabei auf die Zahl zehn kam. Das versetzte das Management der von einem Nachtflugverbot massiv betroffenen Lufthansa Cargo AG in Rage, fordern die Lufthanseaten doch mehr als das Doppelte für 2020. Zuvor war die Fraport-Spitze, die das Verbot selbst zusammen mit dem Ausbau beantragt hatte, an diesem Punkt aus guten Gründen sehr wortkarg gewesen.

Produktivität soll um zehn Prozent gesteigert werden

Überhaupt gilt das Verhältnis zum Systempartner, Hauptkunden und Anteilseigner Lufthansa seit einigen Monaten als zunehmend belastet. Zwar war auch schon zu Benders Zeiten die Klage zu hören, dass bei Fraport der Servicegedanke nur Rudiment sei und Fluglinien sich eher als Antragsteller fühlten. Inzwischen aber hat etwa Schultes mindestens als forsch empfundene Begründung höherer Flughafenentgelte mit Milliarden-Investitionen in den Ausbau im Lufthansa-Management für nachhaltige Verstimmung gesorgt, die auch nach der Einigung auf eine schrittweise Steigerung dieser Flughafenentgelte nicht verschwunden ist.

Man zahle nun mehr, um eine Landebahn zu finanzieren, die man selbst nicht brauche, die aber Fraport nutze, um Easyjet und andere Konkurrenzlinien nach Frankfurt zu locken, entfuhr es jüngst einem zornigen Lufthansa-Manager. Das mag auch, aber nicht nur etwas damit zu tun haben, dass im Kranich-Konzern derzeit massive Sparprogramme für Nervosität sorgen. Bei der Lufthansa ist jedenfalls allenthalben die Klage zu hören, dass es Fraport gar nicht interessiere, dass die Fluggesellschaften die Krise sehr viel heftiger zu spüren bekämen als Flughafenbetreiber. Nach einer harmonischen Systempartnerschaft klingt das nicht.

Auch innerhalb des eigenen Hauses hat Schulte Baustellen dieser Art eröffnet: Das Programm Fitness@Fraport 2011 soll die Produktivität um zehn Prozent steigern. Schon an sich ein anspruchvolles Ziel. Zusammen mit der Forderung nach Lohnzurückhaltung ist das nach Ansicht von Fraport-Konzernbetriebsratschef Edgar Stejskal kaum noch vermitteln, wenn man gleichzeitig den Aktionären, trotz rückläufiger Zahlen, eine Dividende von 1,15 Euro zusichert. Anders der Lufthansa-Vorstand: Angesichts der Lasten der Krise und einem Minus von 112 Millionen für 2009, schlägt er der Lufthansa AG vor, für das abgelaufene Jahr auf eine Dividende zu verzichten.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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