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Veröffentlicht: 10.05.2015, 18:01 Uhr

Fraport-Chef Stefan Schulte „Wir haben die höchsten Lärmentgelte in Europa“

Die Entscheidung für ein drittes Terminal am Frankfurter Flughafen ist gefallen. Der Flughafen soll so wachsen können, ohne viel lauter zu werden, sagt Fraport-Chef Stefan Schulte im Interview.

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© Wolfgang Eilmes Mehr Passagiere heißt nicht mehr Lärm: Fraport-Chef Stefan Schulte im F.A.Z.-Gespräch

Terminal 3 wird gebaut. Ausbaukritiker auch in Regierungsparteien äußern öfter, dass die Frage der Finanzierung und der Rentabilität ungeklärt sei. Können Sie die Finanzierung kurz erläutern?

Jochen Remmert Folgen:

Ja. Das Gesamtvolumen des Projekts Ausbau Süd in der ersten Baustufe liegt bei 2,5 bis drei Milliarden Euro. Rund 500 Millionen sind schon investiert, bezahlt. Es bleiben zwei bis 2,5 Milliarden Euro. Darin enthalten sind ein Risikopuffer sowie eine Inflationsvorsorge. Wir investieren im Moment in Frankfurt jedes Jahr knapp 300 Millionen Euro in Instandhaltung, Erweiterungen und kleine Projekte. Der Geldzufluss, also der Cash-Flow des Unternehmens, ist größer als diese knapp 300 Millionen. Deshalb hatten wir im vergangenen Jahr einen Free-Cash-Flow vor Dividenden von 270 Millionen. Wir gehen davon aus, dass sich das Ergebnis in den nächsten Jahren verbessern wird. Zugleich wollen wir bei den Investitionen sehr zurückhaltend bleiben. Daraus ergibt sich, dass der Free-Cash-Flow, also der frei verfügbare Geldzufluss, weiter wachsen wird.

Und aus dem wollen Sie das Terminal dann vor allem finanzieren?

Ja. Hätten wir zum Beispiel rund 300 Millionen Euro, dann sind wir in sieben Jahren bei 2,1 Milliarden Euro. Den Rest zu den 2,5 Milliarden Euro für das Terminal müssten wir dann fremdfinanzieren.

Wann wird sich erweisen, ob das Investment Terminal 3 rentabel war?

Es gibt Berechnungen. Einen Flughafen können sie allerdings nie auf einzelne Assets reduzieren. Infrastrukturprojekte wie dieses können sie nur über viele Jahre rechnen. Wir sprechen da über einen Zeitraum von sicherlich zehn Jahren.

Sie wollen für dieses Projekt nicht auf einen Generalunternehmer zurückgreifen. Wie wollen Sie trotzdem sicherstellen, dass das Projekt im Budget und im Zeitplan zu realisieren ist?

Wir haben da viel Erfahrung, das Projekt wird gekapselt. Das heißt, wir separieren die Organisation, die sich heute schon um Terminal 3 kümmert. Diese spezielle Terminal-3-Mannschaft wird dann direkt an den Finanz-Vorstand, Dr. Matthias Zieschang, berichten.

Welche Fluggesellschaften werden in das neue Terminal ziehen, die Lufthansa wird es nicht sein?

Entscheiden wird sich das ohnehin erst kurz vor der Inbetriebnahme. Ich gehe aber nach heutigem Stand davon aus, dass die Lufthansa im Terminal 1 bleiben wird. Die Star Alliance, zu der auch die Lufthansa gehört, wird schon wegen der Umsteigebeziehung Terminal 1 und Terminal 2 nutzen. Andere Fluggesellschaften sehen wir dann eher im neuen Terminal 3.

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Zu lang dürfen die Wege aber für keinen der Umsteigepassagiere werden. Andernfalls kommt er nicht wieder.

Richtig. Deshalb erarbeiten wir ein Umsteigekonzept, das genau das berücksichtigt. Das Ziel ist es, die Wege für die Passagiere so kurz wie möglich zu halten.

Wie bekommen Sie die anderem Airlines in den Süden des Flughafens?

Wir haben das Terminal 3 in enger Zusammenarbeit auch mit den Fluggesellschaften entwickelt, die nicht der Star Alliance angehören. Wir haben natürlich ebenso eng mit der Lufthansa zusammengearbeitet. Wer am Ende reingeht, ist aber noch offen. Ich bin aber sicher, dass der Bau so schön und attraktiv sein wird, dass es ein sehr großes Interesse geben wird. Es sind ganz andere Räume, ganz andere Prozessmöglichkeiten da. Und wir haben dann auch wieder mehr Gebäudepositionen.

Die Passagierzahlen steigen, die Zahlen der Flugbewegungen nicht, im Gegenteil. Das wird auf Dauer nicht reichen?

Wir erwarten, dass die Bewegungszahlen sehr viel langsamer wachsen werden als die Passagierzahlen. Wie genau sich das entwickelt, hängt von den Airline-Strategien ab.

Gut, aber irgendwann werden auch die Bewegungen wieder zunehmen.

Wahrscheinlich. Ausgeschlossen ist aber auch nicht ein Szenario, in dem die Bewegungen sehr langsam steigen. Nämlich dann, wenn die Fluggesellschaften weiter kleinere durch größere Flugzeuge ersetzen. Wenn ein Airbus 319 durch einen Airbus 321 ersetzt wird oder eine Boeing 777 durch eine Boeing 747/800 oder durch einen Airbus A380. Da gibt es noch viele Möglichkeiten. Das hängt von der Entwicklung des Marktes, von den Airline-Strategien und auch von der Entwicklung des Netzes ab. Natürlich gibt es Ziele, die können sie nicht sinnvoll mit einem größeren Flugzeug anfliegen.

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