Home
http://www.faz.net/-gzj-6mo0t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Geschäfts-Bericht Die Suche nach kreativen Lösungen

09.09.2011 ·  Die Zeilgalerie öffnet sich für Trendsetter. Porsche-Design zieht in die Innenstadt. Und in der Buchhandlung Carolus können Leser jetzt auch Lotto spielen. Das Neueste aus dem Frankfurter Geschäftsleben.

Von Petra Kirchhoff
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Der erste Frankfurter Laden von Urban Outfitters hat das Traditionsgeschäft Cri-Cri am Frankfurter Roßmarkt beerbt und zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Doch es gibt noch andere Veränderungen im Einzelhandel am Main, die einen Blick lohnen. Wir sagen wieder, welches dies sind:

Lottoschein im Buchladen

Bei Carolus kauft der Frankfurter für gewöhnlich seine Bibel. Seit gut zwei Wochen kann er in der zum Theologie-Verlag Herder gehörenden Buchhandlung am Liebfrauenberg auch Lotto spielen. Carolus ist jetzt – die Werbung im Schaufenster ist nicht zu übersehen – eine von rund 2000 Lotto-Verkaufsstellen in Hessen. Das scheint für ein traditionsreiches Haus wie Carolus etwas befremdlich. Ist die Not so groß? Das nicht, meint Geschäftsführerin Karin Lademann. „Wir sind fleißig und sparsam, und wir haben eine treue Kundschaft.“ Gleichwohl habe es der stationäre Buchhandel schwer, und das Zusatzgeschäft helfe. Partner der Lotto-Gesellschaft Hessen bekommen Provision. „Lotto ist nach unserer Auffassung nichts Ehrenrühriges“, sagt Lademann. Mit den Einnahmen würden auch kulturelle Einrichtungen gefördert. Zudem sei die Schnittstelle sehr groß. „Wir haben viele ältere Kunden, und von denen spielt ein Großteil Lotto.“ Das Lottogeschäft sei angelaufen, wie erwartet. Bisher habe es nur wenige kritische Stimmen gegeben. Nach Angaben von Lotto Hessen sind im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Euro aus den Spielerlösen der Denkmalpflege in Hessen zugute gekommen.

Concept Store in Zeilgalerie

Die Zeilgalerie überrascht einmal wieder mit einem neuen Mieter. Nach dem Zuzug von Souvenir Frankfurt, Andenkenladen und Plattform für Kreative, der bisher im Bahnhofsviertel zuhause war, steigt den Galeristen nun ein sogenannter Sankthorst Concept Store aufs Dach. Rund 500 Quadratmeter plus Terrasse mietet die Berliner Agentur für Kommunikation Smack in der obersten Etage an. Bisher war dort die Gagos-Bar. Einen „Hotspot für lifestyle- und trendbewusste Frankfurter“ mit einer Mischung aus Mode (G-Star, Dr. Denim, 5Preview, Native, Urbanears), Musik, Design, und Catering kündigen die neuen Mieter an. Man wolle Menschen ansprechen, die besonderer Trends und Marken suchten und nicht nur Mainstream. Die Berliner haben sich viel vorgenommen. Eine neue Ära des „District vor Contemporary Lifestyle“ wollen sie am 29. September – das ist der Tag der Eröffnung – in Frankfurt einläuten und in diesem Sinne auch die Gesamtkommunikation für die Zeilgalerie übernehmen. Das Einkaufszentrum wird zurzeit umgebaut und will sich neu aufstellen. Insgesamt wolle man kreativer werden mit einem Angebot für junge Leute, die das auf der Zeil ergänze, sagt eine Sprecherin der IFM Immobilien AG, Eignerin der Galerie. Ganz in diesem Sinn verfolge man auch einen neuen Mietermix. Aktuell stünden knapp 30 Prozent der Fläche (11 220 Quadratmeter) leer. Die größten Mieter sind Benetton und H&M.

Porsche-Design an Freßgass’

Dass es von Porsche nicht nur schnelle Autos sondern auch andere Dinge gibt, weiß man spätestens seit dem Erfolg der Porsche-Brille. Nun kommt ein neuer Laden nach Frankfurt, der die ganze Programmpalette der Luxusmarke zeigen wird: Damen- und Herrenmode, Uhren, Reisetaschen, Sonnenbrillen, Schuhe und Sportartikel. Am 24. September eröffnet der Porsche Design Store an der Freßgass’ 41, dort wo bisher die Frankfurter Sparkasse eine Filiale hatte. Auf rund 150 Quadratmetern verwirklicht die mehrheitlich zum Autobauer Porsche AG gehörende Porsche Design Group hier erstmals in Europa ihr neues Ladenkonzept „mit viel Raum zum Verweilen und zum Erleben der Marke“, wie es heißt. Leichtigkeit und Frische sollen den „Lifestyle der Luxusmarke“ unterstreichen. Porsche setzt nach eigenen Angaben auf ein funktionelles, zeitloses und puristisches Design. Alle Produkte der 1972 von Ferdinand Alexander Porsche gegründeten Marke werden in Zell am See entworfen. Porsche hat bereits ein Geschäft am Frankfurter Flughafen. Weltweit sind es 120 eigene und Franchise-Niederlassungen, davon sechs in Deutschland. Bis 2015 will das Unternehmen sein Filialnetz mehr als verdoppeln.

Wellensteyn mit vollem Programm

Sein Markenzeichen ist ein weißes achtspitziges Kreuz auf rotem Grund, das ein bisschen an das Schweizer Nationalwappen erinnert. Es schmückt jedoch modische Funktionsjacken der Marke Wellensteyn, die in Hamburg entworfen und in China produziert werden. Bisher gibt es Wellensteyn-Jacken – die Preise beginnen bei 80 Euro und gehen hinauf bis auf 800 Euro – in Frankfurt bei Kaufhof, Peek & Cloppenburg sowie Appelrath Cüpper; Shop-in-Shop mit einem kleinen Ausschnitt. Anfang Oktober wird das Label seinen ersten eigenen Laden am Roßmarkt eröffnen, dort, wo vor kurzem der italienische Herrenausstatter Pal Zileri ausgezogen ist. Auf drei Etagen (320 Quadratmeter) zeigt Vertriebspartner Marco Adamczewski dann das volle Programm an Jacken für Männer, Frauen und Kinder. Mehr als 500 verschiedene Modelle hat Wellenstyn im Programm. Die Marke geht zurück auf den Hamburger Schweißdrahthändler Adolf Wuttke, der schon in den Vierziger Jahren robuste Arbeitskleidung für Nautiker und Werftarbeiter herstellte.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr