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Frankfurt Main-Metropole zeigt sich als Gewinner der Finanzkrise

23.06.2009 ·  Die europäische Versicherungsbranche wird nach den Beschlüssen der EU-Staats- und Regierungschefs mehr denn je auf Frankfurt blicken. Mit der Aufwertung von Ceiops und der Ansiedlung eines neuen „Europäischen Rates für Systemrisiken“ handelt es sich um Folgen der Finanzkrise, von denen Frankfurt profitieren wird.

Von Manfred Köhler
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Natürlich freut sich Wolfram Wrabetz. Der Chef der Helvetia-Versicherung in Frankfurt hatte als Versicherungsbeauftragter der Landesregierung ein halbes Jahr lang dafür gekämpft, dass eine kleine EU-Behörde im Westhafen, die sich um die Aufsicht über die Unternehmen seiner Branche in ganz Europa kümmert, am Main bleibt. Nun wird sie sogar ausgebaut. Beschäftigt das Büro, dessen Name mit Comitee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors nicht viel einprägsamer ist als seine Abkürzung Ceiops, derzeit gerade gut ein Dutzend Fachleute, so dürften es Wrabetz zufolge in den nächsten zwei bis drei Jahren wenigstens hundert werden. Die europäische Versicherungsbranche wird nach den Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in der vergangenen Woche zur Stärkung dieser wie auch anderer Behörden mehr denn je auf Frankfurt blicken, so viel ist gewiss.

Der Ruf der Main-Metropole als Krisengewinner dürfte sich damit verfestigen. Ohnedies hatte sich nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 die Ansicht ausgebreitet, dass andere Finanzplätze mit schwächerer Regulierung stärker unter der Krise leiden. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, hatte im April gemeint, die Stadt am Main könne namentlich im Dauerwettbewerb mit London und New York Punkte machen. Tatsächlich sind spektakuläre Bankpleiten wie in diesen Metropolen in Frankfurt bisher ausgeblieben.

Frühwarnsystem

Mit der Aufwertung von Ceiops und der Ansiedlung eines neuen „Europäischen Rates für Systemrisiken“ an der Europäischen Zentralbank handelt es sich nun ganz eindeutig um Folgen der Finanzkrise, von denen Frankfurt profitieren wird. Denn ohne die Zuspitzung an den Märkten wäre es kaum so schnell dazu gekommen, dass die Nationalstaaten in einem solch heiklen Punkt wie der Aufsicht über Unternehmen der Finanzindustrie Kompetenzen an Europa abgetreten hätten. Ceiops, 2004 gegründet, wäre womöglich auf lange Sicht ein kleines Büro ohne großartige Kompetenzen geblieben. Zuletzt hatten sich die Mitarbeiter mit der Erarbeitung neuer Finanzmarktregeln namens Solvency II befasst. Auch solche Grundlagenarbeit hat ihren Wert, ist aber doch von dem operativen Geschäft einer richtigen Aufsichtsbehörde, die Einsicht in die Bücher nimmt und notfalls sogar Vorstände abberufen kann, weit entfernt.

Nun aber werden Ceiops wie auch die Schwesterbehörden für die Aufsicht über die Banken und über den Wertpapiersektor, die ihren Sitz in London und Paris haben, ausgebaut. Die eigentliche Aufsicht bleibt zwar auch weiterhin den Nationalstaaten vorbehalten – doch die europäischen Behörden sollen sicherstellen, dass die Finanzmarktregeln der EU überall einheitlich angewandt werden. Dazu werden sie zwischen den nationalen Aufsichtsbehörden vermitteln. Der „Europäische Rat für Systemrisiken“ bei der Europäischen Zentralbank wiederum soll in Zusammenarbeit mit diesen drei Behörden als Frühwarnsystem dienen.

Widerstand aus Großbritannien

Wrabetz resümierte, von den vier europäischen Einrichtungen, die sich um die Finanzbranche kümmern sollten, hätten mithin künftig zwei ihren Sitz in Frankfurt. „Ich bin sehr glücklich über diese Entwicklung.“ Auch Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance and Management, sprach von einer guten Nachricht für Frankfurt. Solche Behörden seien eine notwendige, wenn auch noch keine hinreichende Bedingung, um den Finanzplatz weiterzuentwickeln.

Wrabetz sprach sich dafür aus, dass Ceiops auch bei einer Aufstockung der Beschäftigtenzahl im Westhafen-Tower bleiben solle. Das Gebäude sei längst zum Markenzeichen der Behörde geworden. Er habe in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche über die Zukunft der Institution geführt, namentlich mit Jörg Asmussen (SPD), Staatssekretär des Bundesfinanzministers. Gerade in Großbritannien habe es Widerstand dagegen gegeben, dass Frankfurt Sitz von zwei europäischen Institutionen sei.

Nationale Bankenaufsicht

Dass Frankfurt ausgerechnet eine Behörde für die Aufsicht über Versicherungen erhält, war 2004 verwundert registriert worden. Am Finanzplatz hatte man auf die europäische Bankenaufsicht gehofft. Zunächst hatte es im Verhältnis zwischen der Main-Metropole und Ceiops geknirscht; die Behörde war im Mertonviertel und damit an der Peripherie untergebracht, was für Kritik gesorgt hatte. Der Umzug in den Westhafen-Tower galt dann aber als Verbesserung. Wrabetz sagte gestern, inzwischen wollten die Mitarbeiter nicht mehr aus Frankfurt weg.

Noch größer wäre in Frankfurt freilich die Freude, würde in der Stadt endlich die nationale Bankenaufsicht konzentriert; die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist bisher auf Frankfurt und Bonn verteilt. Gefordert hat die Zusammenführung in Frankfurt noch jeder Wirtschaftspolitiker in Hessen. Dass Frankfurt auch in dieser Hinsicht ein Krisengewinner sein könnte – dafür allerdings fehlt es bisher an jedem Anhaltspunkt.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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