Home
http://www.faz.net/-gzj-6m72a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurt Das Comeback der Innenstadt

 ·  Viele internationale Marken-Anbieter drängen nach Frankfurt – doch dort sind Einzelhandelsflächen knapp.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Geschäftswelt in Frankfurt ist wieder in Ordnung. Viel hat sich in den vergangenen beiden Jahren getan, nicht zuletzt dank der Eröffnung des Einkaufszentrums „My Zeil“ mitten in der Stadt. In Folge wurde die Zeil runderneuert, Geschäfte wie Esprit haben sich herausgeputzt oder sind, wie das Karstadt-Haus an der Zeil, gerade dabei.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe neuer Namen. Hollister, Apple, Boss, Tommy Hilfiger, Cos, Hackett London, Jimmy Choo – das alles sind attraktive Geschäfte, die in jüngster Zeit an Zeil, Freßgass’ und Goethestraße hinzugekommen sind. Sie haben die Attraktivität der Innenstadt deutlich erhöht. „Früher war Köln unsere Einkaufsstadt“, sagt ein Geschäftsmann mit Wohnsitz in Limburg. „Inzwischen fahren wir wieder nach Frankfurt.“

Trendmarke Abercrombie & Fitch will kommen

Manchmal hat die Bankenstadt sogar die Nase vorn. Vor zwei Jahren standen junge Leute aus ganz Deutschland vor dem ersten deutschen Hollister-Laden Schlange. Zara eröffnete in diesem Frühjahr am Rathenauplatz einen ersten deutschen Home-Store. Auch H&M feierte mit seinem Heimtextil-Sortiment in einer Zeil-Filiale Deutschland-Premiere.

Und es geht weiter. Viele Projekte wie das Goethe Plaza oder ein umfangreicher Umbau am Roßmarkt sind in Planung. Dass am Goetheplatz die amerikanische Trendmarke Abercrombie & Fitch einen sogenannten Flagship-Store eröffnen wird, gilt in gut informierten Kreisen als sicher. Ebenso, dass das japanische Modeunternehmen Muji, bekannt für sein minimalistisches Design, nach Frankfurt kommt. In Japan hat Muji Kultstatus. Weiter für das ehemalige Woolworth-Haus gehandelt wird die amerikanische Kette Forever 21. Sicher ist indes: Anfang September eröffnet die amerikanische Modekette Urban Outfitters ihr drittes deutsches Geschäft im ehemaligen Cri-Cri-Haus.

Vertreter der Immobilienbranche sprechen von einer „erfreulichen Entwicklung“

Die Namen zeigen, dass vor allem internationale Young-Fashion-Marken auf Expansionskurs sind. Junge Leute kennen sie längst aus dem Internet. Über Facebook und Youtube wird der Hype kräftig angeheizt. Das gehört mit zum System, Gleiches gilt für laute Musik und knackige Jungs, die in Badehose und Flipflops an der Eingangstür stehen.

Vertreter der Immobilienbranche sprechen von einer „erfreulichen Entwicklung“. Mehr als 130 Anfragen etwa verzeichnet CB Richard Ellis für die Frankfurter Innenstadt; unter den Interessenten sind viele renommierte internationale Anbieter, die noch nicht in Deutschland vertreten sind. Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf – das sind die „big Six“, Städte mit großen Einzugsgebieten, die üppige Umsätze versprechen.

Selbst in Krisenzeiten hätten deutsche Verbraucher noch wacker ihr Geld in die Geschäfte getragen

In keinem anderen europäischen Land gebe es so viele attraktive Einzelhandels-Standorte wie in Deutschland, sagt Karsten Burbach, bei CB Richard Ellis verantwortlich für das Geschäft mit Einzelhandelsflächen. „In Großbritannien geht man gegebenenfalls nur nach London.“ Hinzu kommt: Die Wirtschaft läuft. Selbst in Krisenzeiten hätten deutsche Verbraucher noch wacker ihr Geld in die Geschäfte getragen, meint Carsten Denkler von Jones Lang LaSalle. „Das wird international stark zur Kenntnis genommen.“

Dies bestätigen aktuelle Zahlen des Maklerunternehmens für den Vermietungsmarkt in deutschen Städten im ersten Halbjahr. Danach ist der Anteil internationaler Handelskonzepte an den Neuvermietungen in 1-A-Lagen mit 57 Prozent so hoch wie nie zuvor. Viele „Newcomer“ hätten den Sprung auf den deutschen Markt geschafft, heißt es. Im Metropolenvergleich verbuchte Berlin gemessen an der Fläche (36 Prozent) und der Anzahl der Vermietungen (43 Prozent) mit weitem Abstand den höchsten Anteil. Auf Frankfurt entfallen dagegen nur sechs Prozent der vermieteten Quadratmeter.

Main-Tanus-Zentrum als Konkurrent

Den Vorsprung von Berlin erklärt Doris von Muschwitz, Leiterin der Einzelhandelsvermietung bei Jones Lang LaSalle, mit dem deutlich besseren Flächenangebot in der Hauptstadt. In Städten wie Frankfurt und München seien neue Flächen dagegen sehr knapp, es gebe kaum Wechsel. Nach wie vor gehöre Frankfurt mit seiner „extrem hohen Kaufkraft“ und seinem internationalen Publikum eindeutig zu den Top-Standorten. „Hier wird sehr gutes Geld verdient.“

Das ist auch im Main-Taunus-Zentrum, kurz MTZ, dem mit demnächst 4500 Gratis-Parkplätzen und 170 Geschäften stärksten Konkurrenten der Frankfurter Innenstadt, der Fall. Gerade noch hatte der Einzelhandel in der City mit Apple und Hollister einen Vorsprung. Wenn das MTZ im November 70 neue Geschäfte eröffnet, unter diesen auch die beiden Magneten aus Amerika, ist es mit diesem Bonus wieder vorbei.

Eine Stadt brauche auch preiswerte Nischen

„Es bleibt ein hartes Rennen“, sagt Joachim Stoll, Inhaber eines Ledergeschäftes und Sprecher des Einzelhandelsverbandes Frankfurt. Er versteht solche Konkurrenz als Ansporn. „Jede Stadt muss sich ständig neu erfinden und weiterentwickeln.“ Stoll bedauert, dass Projektentwickler Ardi Goldman mit dem Umbau der Diamantenbörse in ein Wohn- und Geschäftshaus wegen Einsprüchen aus der Nachbarschaft gescheitert ist. „Damit wäre ein Investitionsstau aufgelöst worden.“ Eine Stadt brauche auch preiswerte Nischen.

Grundsätzlich sieht der Geschäftsmann ein Defizit an größeren Flächenangeboten in der Stadt. „Der Frankfurter Sport-Scheck ist der kleinste in Deutschland. Eigentlich müsste er doppelt so groß sein.“ Auch hält er den geplanten neuen Standort des Outdoor-Filialisten Globetrotter am Ostbahnhof für zu weit draußen. „Der hätte an das Ende der Ostzeil gehört.“ Insofern ist in der Frankfurter Geschäftswelt wohl doch nicht alles in Ordnung.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1964, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Geben und nehmen

Von Matthias Alexander

Wer immer nach der Landtagswahl im September Finanzminister wird, steht mit Blick auf den kommunalen Finanzausgleich vor einer undankbaren Aufgabe. Schon bis Ende 2015 muss ein neues Modell gefunden sein. Mehr

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --