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Folge der Finanzkrise Fondsgesellschaften bauen nach hohen Abflüssen um

16.08.2009 ·  Investmentfonds haben in der Finanzkrise besonders gelitten – sowohl die Werte als auch das Ansehen. Die großen Fondsgesellschaften sind nun in Aufruhr, bauen Stellen ab und sortieren sich neu.

Von Tim Kanning
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Ein Branchen-Insider fasst es so zusammen: „In 14 Tagen haben wir alles Kapital verloren, was wir über das Jahr eingesammelt hatten.“ Der Ausspruch zeigt nur zu deutlich, mit welcher Wucht die Finanzkrise im vergangenen Herbst die Fondsgesellschaften getroffen hat. Nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers zogen die ersten Anleger ihr Geld ab, die Garantiezusage von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Spareinlagen – und eben nicht für Investmentfonds – hat der Branche einen weiteren Schlag versetzt. Insgesamt zogen die Privatkunden 2008 fast 28 Milliarden Euro aus den Publikumsfonds.

Und beendet ist der Aderlass noch nicht. Zwar meldet der Bundesverband Investment und Asset Management schon erste Erholungserscheinungen, doch viele große Fondsgesellschaften verzeichnen zumindest bei den Wertpapierfonds auch im ersten Halbjahr 2009 weitere Abflüsse; wobei Immobilienfonds schon wieder ganz gut laufen. Bei der Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka, zogen die Kunden 2,9 Milliarden Euro ab, bei Allianz Global Investors 2,4 Milliarden, und auch die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, verlor in den ersten sechs Monaten des Jahres noch einmal 820 Millionen Euro aus Wertpapierfonds.

Dekabank: Zweimal 175 Stellen weniger

Und so ist eine Branche zum Sparen gezwungen, in der in den vergangenen Jahren alles auf Wachstum stand. Die Dekabank hat 175 ihrer 3900 Stellen bereits gestrichen, bis 2011 sollen weitere 175 Stellen wegfallen, wie ein Sprecher sagte. Bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS wurde nach eigenen Angaben fast jede zehnte der 550 Stellen in Frankfurt gestrichen.

Auch bei Allianz Global Investors stehen viele Stellen zur Disposition. Denn neben der mauen Geschäftslage im Privatkundengeschäft beschäftigt die Fonds-Tochter der Allianz derzeit die Integration der Cominvest, die die Commerzbank als Teil des Kaufpreises für die Dresdner Bank an den Versicherungskonzern übertragen hat. Von den 550 Mitarbeitern der gelben Fondsgesellschaft sollen nach Angaben eines Sprechers nur 260 in die Allianz Global Investors und ihre Töchter übernommen werden. Sie sind bereits umgezogen, aus dem Castor-Hochhaus an der Messe zur neuen Mutter ins Bahnhofsviertel. Wie viele der eigenen Mitarbeiter gehen müssen, stehe noch nicht fest, sagte der Sprecher. Aber es sollten wohl weniger als 100 sein.

Voll auf Kontrolle

Die Deutsche Bank hat bei ihrer Fondstochter DWS mit Sitz an der Mainzer Landstraße ganz neue Saiten aufgezogen. Nachdem das Unternehmen über Jahre der Star unter den deutschen Fondsgesellschaften war, mit stetigem Wachstum im Fondsvolumen seit 2002, brach es im Jahr 2008 um ein Fünftel ein auf 121,7 Milliarden Euro. Wie in der ganzen Branche schnitten vor allem Geldmarkt- und Rentenfonds schlechter ab als erwartet. In Folge setzt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nun voll auf Kontrolle und entsandte gleich vier aktive Führungskräfte aus seinem Haus in den Aufsichtsrat der Fondstochter. An der Spitze des Kontrollgremiums sitzt inzwischen der Deutsche-Bank-Risikovorstand Hugo Bänziger, der im Mai Kevin Parker abgelöst hat.

In dem Wechsel von Parker, der in New York saß, zu Bänziger zeigt sich auch diezweite große Neuerung bei der DWS: Frankfurt ist wieder klares Zentrum des Unternehmens. Nachdem über Jahre die Expansion in alle Welt betrieben wurde und jeweils ein Regionalchef für Asien, Amerika und Europa zuständig war, sitzen inzwischen alle Führungskräfte mit Verantwortung für das weltweite Geschäft an der Mainzer Landstraße. Seit Juli steuert Ingo Gefeke den Vertrieb in aller Welt von hier aus, Axel Schwarzer soll Kundenbeziehungen mit strategischen Vertriebspartnern ausbauen.

DWS wächst dank Indexfonds-Tochter

Und noch ein Novum hat die DWS eingeführt. Neben dem Führungspersonal hat sie auch Fonds, die früher für ausländische Kunden auch in dem jeweiligen Land verwaltet wurden, nach Frankfurt verlegt. Die Fondsmanager in der Zentrale verwalten inzwischen 5,5 Milliarden Euro, die amerikanische Privatkunden in Fonds der DWS investiert haben, hinzu kommen 1,5 Milliarden Euro aus Asien, wie ein Sprecher des Hauses sagte. Die DWS ist die einzige der großen vier, die nach Angaben des Branchenverbands in den Wertpapierfonds im ersten Halbjahr Netto-Mittelzuflüsse verzeichnen konnte. Der Zuwachs von 2,8 Milliarden Euro ist aber komplett auf die Tochtergesellschaft DB X-Trackers zurückzuführen, die sich auf so genannte Exchange Traded Funds spezialisiert hat.

Solche börsengehandelten Indexfonds gehören zu den Fondsklassen, die weiter gut angenommen werden. Ebenso wie Immobilienfonds. Hier sind vor allem die Union Investment mit 17,9 Prozent Marktanteil und die Dekabank mit 14,3 Prozent stark vertreten. Rüdiger Ginsberg, Vorstandschef der Union Investment, sieht daher auch keinen Grund, in seinem Haus infolge der Krise Stellen abzubauen. Im Gegenteil: In der Immobiliensparte seien in den vergangenen 12 Monaten 33 neue Mitarbeiter eingestellt worden.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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