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Fluss-Kreuzfahrten Im Whirlpool über Main und Rhein

31.03.2011 ·  Der Markt der Fluss-Kreuzfahrten wächst rasant. Die Arosa Flussschiff GmbH aus Rostock will nun mehr Kunden im kaufkraftstarken Rhein-Main-Gebiet gewinnen. Und tauft deshalb heute ihr neuestes Schiff in Frankfurt.

Von Manfred Köhler, Frankfurt
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An der Zeremonie wird nicht gespart. „15:00 Beginn der Feierlichkeiten, 16:30 Taufe der Arosa Brava, 17:30 Ende der Tauffeier“, heißt es in der Einladung zum Frankfurter Untermainkai, wo heute ein neues Schiff für Flusskreuzfahrten offiziell in Betrieb gehen soll. „Kleidungsempfehlung: Business“, wird den Gästen geraten, und die Einladung verspricht Schampus. Nichts soll billig wirken, wenn die Arosa Flussschiff GmbH den neuesten Zugang zu ihrer Flotte in der Mainmetropole präsentiert. Denn das Rostocker Unternehmen hat mit Bedacht Frankfurt als Ort für die Taufe des neunten Schiffs seiner Flotte gewählt. Man hat sich im höheren Preissegment positioniert – die Schiffe haben nach Unternehmensangaben allesamt viereinhalb Sterne – und hofft auf zusätzlichen Zuspruch aus einer der kaufkräftigsten Regionen Deutschlands.

Mit bis zu 22 Kilometern in der Stunde soll das von der Neptun-Werft in Rostock-Warnemünde gebaute, 135 Meter lange Schiff über die Flüsse fahren, und wenn den Gästen der Blick aufs Ufer zu langweilig wird, können sie ins Fitness-Center gehen, sich in den Whirlpool setzen oder eine Massage buchen. Die 99 Kabinen zu füllen, dürfte nicht schwer werden. Der Markt der Flusskreuzfahrten wächst seit Jahren. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands erzielten die heimischen Veranstalter im Jahr 2000 gerade einmal 188 Millionen Euro Umsatz, im vergangenen Jahr waren es schon 472 Millionen. Die Zahl der Passagiere stieg unterdessen von 187.000 auf 433.000. Selbst die Wirtschaftskrise verpasste der Aufwärtsentwicklung nur einen kurzen Dämpfer.

Main als Route nicht so wichtig wie Rhein

Am beliebtesten sind bei der manchmal betuchten, fast immer aber betagten Kundschaft Reisen auf dem Rhein und der Donau. In Rüdesheim legen inzwischen dermaßen viele Schiffe an, dass am Ufer der Platz knapp wird. 2009 wurden dort 1559 Hotelschiffe gezählt, von denen die meisten über Nacht blieben. An einem Tag im Juli vergangenen Jahres wurden elf Schiffe gleichzeitig erwartet; auf dem Rhein vor Rüdesheim ist deshalb, anders als auf Straßen, inzwischen auch das Parken in der zweiten Reihe zulässig.

In Frankfurt kann von einer solchen Überlastung allerdings noch keineswegs die Rede sein. Der Main ist als Route nicht annähernd so wichtig wie der Rhein. Wer im Vergleichsportal www.kreuzfahrten.de nach Reisen im Mai auf dem Main sucht, bekommt 13 Angebote, wer den Rhein wählt, dem werden 62 genannt. Immerhin haben auch andere Veranstalter schon Frankfurt als Start- und Zielort entdeckt, so führen Reisen des Anbieters Phoenix über Mainz nach Basel und zurück, Vista Reisen bietet Touren bis Koblenz und retour an. Manchmal ist Frankfurt auch Zwischenstation, zum Beispiel auf einer fünfzehntägigen Reise von Dertour, die in Budapest beginnt und in Amsterdam endet. Arosa will Frankfurt, zu einem zweiten „Basishafen“ für Rheintouren machen, wie es etwas hochtrabend heißt, neben Köln. Auf fünf- bis achttägigen Reisen von Frankfurt aus soll es den Main und Rhein flussabwärts gehen, zur Bundesgartenschau nach Koblenz oder bis zur Mosel, und den Rhein flussaufwärts bis Straßburg. Später wird man vielleicht auch einmal mainaufwärts fahren, Richtung Würzburg.

Durchschnittspreis gesunken

Die Marke Arosa war vom Jahr 2000 an von der Seetours entwickelt worden und gehörte von 2003 an der Deutschen Seerederei, bevor die Arosa Flussschiff GmbH vor zwei Jahren von ihren beiden Geschäftsführern und einem Finanzinvestor übernommen wurde. Begonnen wurde einst mit zwei Flussschiffen und einem Hochseeschiff, das 2004 zur ersten Aida wurde. Die heutige GmbH beschränkt sich auf Fluss-Kreuzfahrten. Sie gibt ihren Umsatz für 2009 mit 51 Millionen Euro an; für 2010 wurden noch keine Zahlen veröffentlicht. Zuletzt wurden in rascher Folge drei Schiffe in Betrieb genommen, im Juli 2009, März 2010 und eben jetzt mit der Taufe in Frankfurt. Es scheint allerdings, dass der Markt der Fluss-Kreuzfahrten inzwischen heiß gelaufen ist. In der Fachpresse wird von Preisschlachten berichtet, selbst Discounter bieten solche Reisen an.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands sank der Durchschnittspreis einer Buchung von 2007 bis 2010 von 1180 auf 1090 Euro; dafür bekam man jeweils gut sieben Tage. Zwei Anbieter mussten 2009 Insolvenz anmelden. Dafür kündigte TUI im vergangenen Jahr an, das Geschäft mit Flusskreuzfahrten auszubauen.

Menschen im Ruhestand haben wenigstens Geld

Denn der Markt ist trotz allem interessant. Dass es vor allem Menschen im Ruhestand sind, die sich für eine Reise auf Flüssen in Deutschland oder seinen Nachbarländern entscheiden, ist den Veranstaltern nur recht: Die haben wenigstens Geld. Und die Zielgruppe wird, dank der demographischen Entwicklung, immer größer. Fachleute erwarten allerdings einen Konzentrationsprozess in der Branche – und weiterhin größere Schiffe. Wie anderswo auch sind geringere Kosten der Grund: Egal wie groß, jedes Schiff braucht nur einen Kapitän.

Sonst allerdings darf am Personal nicht gespart werden. Die Arosa Brava, die heute Frankfurt das seltene Ereignis einer Schiffstaufe beschert, wirbt mit bordeigenen Entertainern und Gastkünstlern. Und auf einem Schwesterschiff können sich Fahrgäste sogar von einem Personal Trainer piesacken lassen.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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