05.02.2010 · Die bisher in Kelsterbach ansässige Ferienfluggesellschaft Condor konzentriert sich bei der Suche nach einem neuen Unternehmenssitz auf das Areal Gateway Gardens, das direkt am Frankfurter Flughafen liegt.
Von Jochen Remmert und Rainer SchulzeDie bisher in Kelsterbach ansässige Ferienfluggesellschaft Condor konzentriert sich bei der Suche nach einem neuen Unternehmenssitz auf das Areal Gateway Gardens, das direkt am Frankfurter Flughafen liegt. Zwar ist die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen, zumal dabei auch noch der Mutterkonzern, die Thomas Cook AG, und schließlich die Thomas Cook Group mit Sitz in London eine „gewisse Rolle spielen“, wie es heißt. Die Anforderungen aber, die die Fluggesellschaft an die Infrastruktur des Standorts und die logistische Anbindung der neuen Zentrale stellt, werden von Gateway Gardens optimal erfüllt.
Für Condor ist die Zeit entscheidend, die der Transport einer Crew bis zum Gate und zurück zur Zentrale dauert. „Jede Minute von der Basis zum Gate zählt“, sagt ein Sprecher. Daher kommt kein Standort in Frage, der weiter vom Flughafen entfernt oder weniger verkehrsgünstig liegt als der bisherige in Kelsterbach.
Die Stadt Frankfurt verhandelt seit Wochen mit der Ferienfluggesellschaft über einen Umzug. Condor will sich dem Vernehmen nach zwischen zwei der Autobahn 3 zugewandten Grundstücken auf Gateway Gardens entscheiden, um dort ein Bürogebäude für 500 Mitarbeiter sowie ein Schulungszentrum zu errichten. Die Stadt lockt Condor mit einer vereinfachten Abfertigung der Crew, die gemeinsam mit Zoll und Bundespolizei vorbereitet wird. So könnte eine Zollstation in das Gebäude integriert werden, damit die Mitarbeiter über einen neuen Tunnel das Rollfeld erreichen können.
„Qualitätsvolle“ Entwürfe ausgearbeitet
Zwei Projektentwickler-Konsortien buhlen zurzeit noch um das Unternehmen. Während Fraport gemeinsam mit dem Immobilienentwickler Lang & Cie. auf einem schon erworbenen Grundstück bauen möchte, favorisieren die Projektentwickler OFB und Groß & Partner ein benachbartes Baufeld, das noch der Gateway Gardens-Grundstücksgesellschaft gehört. Beide Parteien haben schon detaillierte und, wie es heißt, „qualitätsvolle“ Entwürfe ausgearbeitet, um Condor an sich zu binden.
OFB und Groß sollen im Vorteil sein, da auf dem kleineren Fraport-Grundstück eine Befreiung vom Bebauungsplan nötig wäre. Eine Grünfläche müsste überbaut werden, für die an anderer Stelle eine Ausgleichsfläche nötig wäre. In der Regel sind solche Befreiungen keine großen Hindernisse, sie gehören zum normalen Verwaltungshandeln. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) soll jedoch einer solchen Befreiung skeptisch gegenüberstehen.
Von Streitkräften aufgegebenes Wohnquartier
Sowohl Groß als auch Fraport und die OFB sind an der Gateway Gardens Grundstücksgesellschaft beteiligt, die sich mit der Stadt zusammengetan hat, um das von den amerikanischen Streitkräften aufgegebene Wohnquartier in einen Gewerbestandort umzuwandeln – bisher mit mäßigem Erfolg. Bis auf ein Hotel, ein Werk des Unternehmen LSG Sky Chefs und die Niederlassung von Imtech ist das Gelände noch unbebaut. Die Projektentwickler wollen vom Bau des Bürogebäudes und des Schulungszentrums profitieren.
Dass sich die Kontrahenten gegenseitig den Kunden abspenstig zu machen versuchen, stößt bei der Stadt auf Kritik. „Es kann nicht sein, dass sie sich auf Kosten der Stadt gegenseitig blockieren“, sagt Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel. Die Blockade könne dazu führen, dass ein Kunde abspringe. Für die Stadt sei die Hauptsache, dass sich Condor in Gateway Gardens und damit als Steuerzahler auf der Frankfurter Gemarkung niederlasse. Ihm sei „völlig egal“, wer das Gebäude errichtet, sagt Gangel.
Viel Lob für Wirtschaftsdezernent
Wer zum Zuge kommt, wird am Schluss vom Gesamtpaket abhängen, das Condor geboten wird. In jüngster Zeit hat offenbar der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Condor als neuen Anrainer in Gateway Gardens und für Frankfurt zu gewinnen. „Toller Einsatz, ein Wirtschaftsdezernent, wie man ihn sich wünscht“, heißt es bei Condor, genauer werden die Airliner nicht.
Was die Gewerbesteuer betrifft, kann Frank keine Zugeständnisse „à la Eschborn“ machen, wie er selbst sagt. Er könne nur dabei helfen, den „Topstandort“ Gateway Gardens, beispielsweise was die Straßenführung betrifft, soweit den Bedürfnissen von Condor anzupassen, dass Zeit- und Logistikvorteile die höheren Gewerbesteuersätze aufwiegen.
Ein Condor-Standort in Gateway Gardens könnte nach Ansicht Franks auch den Nukleus für ein Zentrum der Deutschland-Dependancen anderer Airlines bilden, in Nachbarschaft zur Lufthansa-Cateringtochter LSG Sky Chefs und den Logistikforschern des House of Logistics und Mobility. Ob sich genug Interessenten dafür fänden, ist zwar noch offen. Tatsächlich sind aber Dutzende Niederlassungen von internationalen Fluggesellschaften im Frankfurter Raum angesiedelt, von denen nicht wenige an einem direkt am Flughafen gelegenen Standort Interesse haben könnten. Eine Entscheidung von Condor für Gateway Gardens könnte diese Idee gewiss noch beflügeln.