Daß gespart werden muß, um für weniger ertragreiche Zeiten gerüstet zu sein - darüber sind Konzernleitung und Belegschaft im Fraport-Konzern nicht grundsätzlich uneins. Über das Wie aber schon. Beide Parteien wissen: Ungeachtet aller Rekordzahlen steht die Frankfurter Flughafenbetreibergesellschaft unter Druck, weil die Fluggesellschaften, allen voran Hauptkunde Lufthansa, vehement deutlich niedrigere Gebühren fordern und zum nächsten Jahr auch durchsetzen werden. Ärgerlich ist aus Sicht des Betriebsrates aber vor allem, daß die Unternehmensleitung die einfachen Tätigkeiten der Bodenverkehrsdienste wie beispielsweise das Verstauen der Koffer im Bauch der Flugzeuge verstärkt von den Kräften der Personal-Service-Agentur "Rhein-Main Zeitarbeit" erledigen lassen will - zum dort üblichen Tarif von weniger als sieben Euro je Stunde. Die bislang üblichen Entgelte liegen bei mehr als neun Euro.
Genau genommen ist die Arbeitnehmervertretung nicht so sehr über den Plan selbst so verstimmt. Vor allem ärgert man sich, daß man nicht offen darüber geredet habe, wie Betriebsratschef Peter Wichtel erläutert. Hätte die Arbeitgeberseite gesagt, man müsse bei den Bodenverkehrsdiensten billiger werden und habe eine Idee, hätte sich die Personalvertretung zwar ganz gewiß auch nicht über den konkreten Plan gefreut, aber man hätte doch einem Dialog nicht verschlossen. So aber habe man davon nur "durch die Hintertüre" erfahren, sagt Wichtel.
Deshalb wollte der Betriebsrat zunächst einmal auch nicht über das vom Fraport-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Bender jüngst vorgestellte Sparprogramm reden. In der nächsten Woche sind gleichwohl Gespräche angesetzt.
Fraport hat sich bereits vor anderthalb Jahren dazu entschlossen, an den Hartz-Reformen mit einer Personal-Service-Agentur mitzuwirken, wie Personalchef Michael Müller sagt. Diese Einrichtungen sollen schwer vermittelbare Arbeitslose in den regulären Arbeitsmarkt integrieren. Gemeinsam mit dem Wisser-Konzern habe man sich erfolgreich darum beworben, 100 Arbeitssuchende zu qualifizieren und einzusetzen - mit Billigung der Gewerkschaft, wie Müller herovhebt. Die Zusammenarbeit mit dem Wisser-Konzern will man nun unter dem Namen "Rhein-Main-Zeitarbeit" in eine feste Form gießen. Wisser hat die Gesellschaft den Angaben zufolge bereits gegründet, Fraport soll hinzustoßen.
Aus Müllers Sicht besteht kein Zweifel daran, daß die Stundenlöhne, die derzeit bei Fraport für die einfachen Arbeiten bei den Bodenverkehrsdiensten gezahlt würden, "nicht konkurrenzfähig sind". "Wir müssen das in den Griff kriegen - billiger werden", sagt er und räumt ein, daß die Befürchtungen des Betriebsrates insofern nicht ganz unbegründet seien. Die EU dringe auf eine weitere Liberalisierung der Dienstleistungen. Das werde unter Umständen schon bald für mehr Konkurrenz auf dem Frankfurter Flughafen sorgen. Dagegen müsse man sich rechtzeitig wappnen. Zugleich betont Müller, daß es den Beschäftigten jener neuen Zeitarbeitsfirma möglich sein solle, sich zu qualifizieren und in einer anderen Fraport-Tochter, etwa in der konzerneigenen "Airport Personal Service", in höhere Entgeltgruppen vorzustoßen.
Ideen, die Mitarbeiter flexibler einzusetzen und dadurch Geld zu sparen, verschließt sich auch Betriebsratschef Wichtel nicht. Die Überlegung bei der Fraport-Unternehmensleitung, Mitarbeiter eines solchen Tochterunternehmens - je nach saisonalem Verkehrsaufkommen - bei Fraport oder bei Wisser einzusetzen, ist aus seiner Sicht zwar auch nicht erfreulich, sei aber unter Umständen noch hinzunehmen, vorausgesetzt, es würden nicht lediglich jene "Niedriglöhne" gezahlt.
Von der Unternehmensleitung erwartet Wichtel vor allem eine genaue Information darüber, wie sich das geplante Wachstum auf die Konzernmutter und die Töchter verteilt. Die Sparanstrengungen alleine auf die Schultern der Beschäftigten zu laden, zugunsten des Aktienkurses, sei nicht akzeptabel, zumal die Mitarbeiter durchaus zu Zugeständnissen bereit seien, so Wichtel.
Diesen Eindruck hat auch Personalchef Müller bei den von der Konzernleitung angesetzten Dialogveranstaltungen zum Sparprogramm, bei denen jeweils 100 bis 120 Mitarbeiter mit Vertretern der Konzernspitze diskutieren, bisher gewonnen. Die bisherigen Gespräche waren, wie Müller sagt, "sehr erfolgreich". Jochen Remmert

