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Flughafen : Fraport kauft Caltex-Gelände

  • Aktualisiert am

Die Fraport AG wird das 84 Hektar große Gelände der ehemaligen Caltex-Raffinerie zwischen Kelsterbach und Raunheim kaufen. Das bestätigten am Donnerstag sowohl die Flughafen-Betreibergesellschaft als auch die Caltex GmbH, die aber keine Angaben über den Kaufpreis machten.

          Die Fraport AG wird das 84 Hektar große Gelände der ehemaligen Caltex-Raffinerie zwischen Kelsterbach und Raunheim kaufen. Das bestätigten am Donnerstag sowohl die Flughafen-Betreibergesellschaft als auch die Caltex GmbH, die aber keine Angaben über den Kaufpreis machten. Dazu sei Stillschweigen vereinbart worden. Dem Geschäft muß nun noch der Aufsichtsrat der Fraport zustimmen.

          Das Unternehmen kündigte an, die Entwicklung des Geländes zu einem Gewerbegebiet voranzutreiben: "Wir wollen unser Wissen aus der Entwicklung der Cargo City Süd nutzen", sagte Fraport-Pressesprecher Klaus Busch. Durchaus positiv hat Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) den Verkauf aufgenommen: Fraport sei fähig, die Entwicklung des Geländes zu forcieren. Kritik übte er allerdings an der Informationspolitik der Caltex. Er hätte von einem langjährigen Vertragspartner erwartet, früher über die Gespräche mit Fraport unterrichtet zu werden, sagte Jühe.

          Fraport: Platz in Cargo City Süd langsam knapp

          Busch trat Vermutungen entgegen, mit dem Kauf wolle Fraport ein mögliches Hindernis für den Bau einer neuen Landebahn im Nordwesten des Flughafens aus dem Weg räumen. Den Ausschlag für den Kauf habe die Überlegung gegeben, ein seit mehr als zehn Jahren brachliegendes Gelände für die Entwicklung des Flughafens zu nutzen. Das Caltex-Areal biete Entfaltungsmöglichkeiten, während in der Cargo City Süd "der Platz langsam knapp wird". Von der Erschließung des früheren Raffinerie-Standorts durch Fraport profitierten auch die Städte Kelsterbach und Raunheim - durch künftig zu erwartende Gewerbesteuereinnahmen. Als "angenehmen Nebeneffekt" bezeichnete es Busch, daß man als Eigentümer die Bebauung so steuern könne, daß Konflikte mit dem Betrieb einer Nordwest-Landebahn vermieden würden.

          Nach Angaben des Caltex-Geschäftsführers Paul Neßhöver steht die Entscheidung für den Verkauf im Zusammenhang mit der Diskussion um einen Ausbau des Flughafens. Wegen der ungewissen Entwicklung sei es nicht gelungen, das Gelände in Abschnitten an Investoren zu verkaufen. Auch nach Einschätzung des Raunheimer Bürgermeisters Jühe finden sich derzeit fast ausschließlich in der Logistikbranche Unternehmen, mit denen sich ein solches Areal vermarkten läßt. Aus dieser Sicht sei der Kauf des Gebiets durch Fraport sinnvoll und biete die Chance für eine zügige Entwicklung. Jühe verwies am Donnerstag auf den bestehenden Bebauungsplan: Gegen diesen hatte Fraport ein Normenkontrollverfahren angestrengt, war damit aber vor Gericht gescheitert. Der Plan gebe auch Fraport vor, wie das Gelände entwickelt werden solle. Keinen Sinn habe es für den Flughafenbetreiber, es ungenutzt liegen zu lassen.

          Die Erschließung des Geländes sei möglicherweise mit der Fraport schneller zu erreichen als mit der Caltex, heißt es in der Stellungnahme des Kelsterbacher Bürgermeisters Erhard Engisch (SPD). Er gehe davon aus, daß Fraport die im Bebauungsplan vorgegebenen Nutzungsmöglichkeiten wahrnehme: "Der Erwerb einer Grünfläche zum Preis einer hochwertigen Gewerbefläche wäre den Aktionären kaum zu vermitteln." Dagegen fürchtet Enno Siehr (SPD), Landrat des Kreises Groß-Gerau, Fraport könne auf eine "weniger hochwertige" Nutzung des Geländes setzen.

          Areal liegt seit 1991 brach

          Öl ist auf dem Areal nur gut 20 Jahre lang verarbeitet worden. 1960 war Caltex nach Raunheim gezogen, der Nachbarschaft zum Chemiegiganten Hoechst wegen. Anfang der sechziger Jahre nahm die Raffinerie ihren Betrieb auf. Mehr als 600 Menschen verdienten zu Spitzenzeiten dort ihr Geld. Nach zwei Jahrzehnten aber nahte das Ende: Hoechst war nicht mehr auf die nahe gelegene Raffinerie angewiesen, nachdem Ölprodukte durch Pipelines aus entfernten Werken nach Frankfurt gepumpt werden konnten. 1985 begann der schrittweise Abbau der Anlage, seit 1991 liegt das Areal brach.

          Die Grünen im Landtag glauben der FraportAG nach eigenem Bekunden nicht, daß sie sich beim Kauf des Caltex-Geländes vom Wunsch nach Entwicklung und Vermarktung des Areals habe leiten lassen. Fraport meine vielmehr, auf diesem Weg ein Hindernis für die Nordwestbahn beseitigen zu können, sagte Fraktionsgeschäftsführer Frank Kaufmann. Daß die Flughafengesellschaft nicht an der Errichtung des seit Jahren dort geplanten Güterverteil- und Dienstleistungszentrums interessiert sei, sieht der Grünen-Flughafenexperte schon dadurch als belegt an, daß Fraport bis zur letzten Instanz verbissen gegen den Bebauungsplan für das Gebiet gekämpft habe. Nachdem dieser nun gerichtlich bestätigt worden sei, habe der Flughafenbetreiber den Weg des Grundstückskaufs gewählt, um wenigstens seine Realisierung zu verhindern. Doch werde damit, wie Kaufmann äußerte, "die Nordwestbahn nicht realistischer". Der Grünen-Politiker forderte die Mitglieder der Landesregierung im Aufsichtsrat der Fraport AG dazu auf, dem Erwerb des Caltex-Geländes nicht zuzustimmen. (hm./a.k.)

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