02.03.2007 · Die Bauarbeiten für das Airrail Center am Frankfurter Flughafen haben offiziell begonnen - der Grundstein wurde nun gelegt. Ende 2009 soll das 660-Millionen-Euro-Bauwerk vollständig bezugsfertig sein.
Von Jochen RemmertSo wie zur Zeit noch manches Flugzeug wegen zu geringer Start- und Landekapazitäten einige Schleifen fliegen muss, bevor es in Frankfurt landen darf, hat auch das Projekt „Airrail Center“ auf dem ICE-Bahnhof am Flughafen manche Verzögerung hinter sich. Mehr als acht Jahre nach dem Beginn der Planungen ist nun jedoch mit dem Bau des 660 Meter langen, 35 Meter hohen und 660 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes begonnen worden
Rund 500 Gäste aus Wirtschaft und Politik kamen auf dem Dach des Bahnhofs zusammen, um dort den Grundstein zu legen – zu den Gästen gehörten der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel und die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU), dabei auch Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender und Manfred Schölch, scheidender stellvertretender Vorstandschef des Flughafenbetreibers. Schölch trägt auf Fraport-Seite die Verantwortung für die Entwicklung des Projekts; Partner des Flughafenbetreibers ist dabei die IVG Immobilien- und Projektentwicklungsgesellschaft.
Airrail Center als Baustein der Airport City
Schölch wertete das Airrail Center im Gespräch vor der Grundsteinlegung als Beleg dafür, dass Durchhaltevermögen und der Glaube an ein Vorhaben zum Erfolg führten. Zwei frühere Konsortialpartner hatten diesen Glauben im Verlauf der acht Jahre verloren, jedenfalls sind Adler Real Estate sowie Bilfinger und Berger ausgestiegen. Welche zusätzlichen Kosten die Verzögerungen verursacht haben, wollte die IVG gestern aber nicht verraten.
Fraport ist erst 2005 als Konsortialpartner der IVG zur Seite gesprungen. Der Flughafenbetreiber hält seither 18 Prozent, die IVG 82 Prozent des Konsortiums. Die Investitionen finanziert dabei alleine die Immobiliengesellschaft. Fraport hat das 70.000 Quadratmetern große Grundstück beigesteuert, das die Betreibergesellschaft Anfang der neunziger Jahre der Stadt Frankfurt abgekauft hat – damals für 10,50 Mark je Quadratmeter. Zunächst, so erinnerte sich Schölch, habe man daran gedacht, auf dem Grundstück einen kostengünstigen Parkplatz für Ferienreisende einzurichten. Als dann aber die Entscheidungen für den Bau einer ICE-Strecke gefallen seien, habe man schnell erkannt, dass mit dem Grundstück zwischen Autobahn und Bundesstraße sehr viel mehr möglich sein würde als zunächst gedacht. Schölch sieht im Airrail Center einen weiteren Baustein der Airport City, einer Stadt auf dem Flughafengelände, die – was das Angebot an exklusiven Büroadressen, Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie angeht – einer gewöhnlichen Stadt in nichts nachstehen soll.
IVG-Vorstand Andreas Barth, dessen Unternehmen eigenen Angaben zufolge ein Immobilienvermögen von 18 Milliarden Euro betreut, hob gestern hervor, dass das Airrail Center aufgrund seiner Größenordnung eine herausragende Rolle unter den Vorhaben seines Hauses spiele. Die derzeit laufenden Projekte haben insgesamt ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Schölch wie Barth werteten eine Vermietungsquote von mehr als 50 Prozent zum jetzigen Zeitpunkt als Beleg für die Attraktivität des Airrail Centers.
KPMG wird einziehen
Das Konsortium hat mit der Hilton-Kette, die zwei Hotels unterschiedlicher Klasse im Center betreiben will, und der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG zwei große Mieter akquirieren können. Ein weiterer Vertrag bestehe bereits mit dem Metropolitan Medical Center, sagte Jens Dörrie, Geschäftsführer der Airrail Center Frankfurt Verwaltungsgesellschaft. Geplant sei ein Fachärztezentrum, ein Beauty- und Wellnesscenter, ein Logis ambulanter Patienten in den Hotels sei denkbar.
Neun Stockwerke wird das Gebäude haben, wenn es Ende 2009 vollendet sein wird. Schon ein Jahr früher sollen die Hotels an der Ostseite bezugsfertig sein. Am anderen Ende der 660-Meter-Baus wird die KPMG einziehen. Alles in allem wird der Komplex eine vermietbare Fläche von 140.000 Quadratmetern haben, 34.000 davon werden die Hilton-Hotels belegen, 93.000 Büros, knapp 6000 Quadratmeter der Einzelhandel, 7000 Quadratmeter sollen auf Lagerräume entfallen, dazu kommen 600 Parkplätze; große bepflanzte Atrien sollen Entspannung ermöglichen.
Center-Manager Dörrie verspricht sich besonders von der Werbung in China für das Airrail Center Erfolge. Das Interesse chinesischer Firmen an einer Dependance in Rhein-Main sei ohnedies stark, und man müsse nicht einmal in Peking länger erklären, wo das zu mietende Objekt liege, weil auch dort der Frankfurter Flughafen ein Begriff sei.