Home
http://www.faz.net/-gzj-osg6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Flughafen-Ausbau Börse reagiert unaufgeregt auf Verzögerung

25.05.2004 ·  Unaufgeregt hat die Börse auf die Nachricht reagiert, daß sich Bau der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens verzögern werde. Die Aktie verbucht nur leichte Verluste. Erst 2009 müsse die Landebahn stehen, meinen Analysten.

Von Thorsten Winter
Artikel Lesermeinungen (0)

Die Aktie der Fraport AG hat zuerst mit verstärkten Verlusten auf die Nachricht reagiert, der Ausbau des Frankfurter Flughafens werde sich um mindestens zwei Jahre verzögern und die neue Landebahn nicht vor 2009 fertig. Doch im Laufe des Handels beruhigte sich der Kurs wieder etwas. Auch Analysten, die den Frankfurter Flughafenbetreiber und dessen Aktie beachten, äußerten sich unaufgeregt. Der Grund: „An der Börse wird schon seit geraumer Zeit über Verzögerungen diskutiert“, sagte Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank dieser Zeitung.

Aus Sicht des Analysten geht es weniger um die Frage, ob sich der Ausbau verzögere. Viel wichtiger sei die genaue Prognose zum Abschluß des Planungsverfahrens. Daraus ergebe sich der mögliche Zeitpunkt der Inbetriebnahme der geplanten Landebahn. Falls Flugzeuge tatsächlich erst 2009 auf der neuen Piste landen könnten, wäre dies kein Beinbruch. Denn Fraport habe bis dahin noch ausreichende Kapazitäten für das erwartete Passagieraufkommen. „Aber dann muß die Landebahn stehen, weil andernfalls das Wachstum des Flughafens gefährdet wäre“, hob Weinreich hervor.

„Spätestens 2010 muß die Landebahn stehen“

Sein Kollege Stefan Kick beurteilt die Lage ähnlich. „Wenn sich der Bau der Landebahn um zwei Jahre verzögert, wäre dies nicht schlimm.“ Der Analyst der ING BHF-Bank kann einer solchen Perspektive sogar etwas Gutes abgewinnen. Durch die Verzögerung fielen fällige Abschreibungen eben später an. Folglich profitierte der Gewinn von Fraport in den Jahren 2007 und 2008, erläuterte Kick. Aber: Spätestens 2010 gingen die Kapazitäten an Frankfurter Flughafen erwartungsgemäß zur Neige, und dann müsse die Landebahn zur Verfügung stehen. Andernfalls könnte die Lufthansa als Hauptkunde vermehrt Flüge nach München verlegen, und diese wieder nach Frankfurt zurückzuholen, wäre sehr schwierig, meint Kick.

Weniger einig ist sich die Analystenschar bei der Bewertung der Fraport-Aktie. Der ING-Analyst empfiehlt ebenso wie Helaba Trust, das Papier zu halten. Die Landesbank Rheinland-Pfalz hat den Titel dagegen zuletzt auf „Underperformer“ herabgestuft. Sie erwartet, daß sich die Aktie schwächer entwickelt als der MDax, in dem sie notiert. HVB-Analyst Weinreich empfiehlt das Papier zum Kauf. Denn Fraport habe zuletzt gute Zahlen zu Passagieraufkommen und Umsatz geliefert. Die Fraport-Aktie hat sich binnen Jahresfrist um gut 20 Prozent verteuert, aber schlechter entwickelt als der MDax: Der Index steht derzeit 47 Prozent höher als vor einem Jahr.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr