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Flüchtlingsprogramm „Ina“ : Humor hilft beim schweren Start in ein neues Leben

Läuft rund: Zwei Ina-Teilnehmer reparieren ein Rad. Bild: Wolfgang Eilmes

Viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, hatten in ihrer Heimat einen Beruf. Jetzt müssen sie wieder bei null anfangen. Das Programm „Ina“ der Handwerkskammer hilft ihnen dabei.

          Elf Männer aus Afghanistan und einer aus Pakistan sitzen in einem gelb gestrichenen Raum des Berufsbildungs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer. Von links scheint die Sonne durch große Seitenfenster, vorne steht Deutschlehrerin Margit Bierwirth vor einer grünen Tafel. „Zwei Rezepte gegen Husten aus Afghanistan“ steht darauf geschrieben. Ein aufgeschnittener Granatapfel liegt auf einem Beistelltisch. Mit den Kernen der Frucht, bestreut und beträufelt mit Salz und Zitrone, lindern die Menschen in Afghanistan Erkältungsbeschwerden.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Es ist wichtig, auch im Ausland etwas zu erkennen, was man von zu Hause kennt“, sagt Bierwirth. Sprich, die Beschäftigung mit dem bekannten Gegenstand hilft offensichtlich beim Erlernen der Sprache. Doch jetzt steht eine lokale Spezialität auf der Speisekarte: Bestellen im Restaurant ist die nächste Übung. „Hallo, guten Tag, was möchten Sie?“ „Hallo, guten Tag, ich möchte ein Schnitzel mit Grüner Soße, Bratkartoffeln und Salat.“ Kellner-Darsteller Sadat Masud ist zum Scherzen aufgelegt. „Oh, Sie haben großen Hunger.“ Auch was den Preis betrifft, bleibt Masud locker. 20Euro sind zu viel? Na gut, dann geht das Gericht für 15Euro raus. „Sie können die Preise nicht machen, wie Sie lustig sind“, sagt Bierwirth, die den Unterricht zupackend und unprätentiös leitet. „War nur ein Spaß“, antwortet Masud.

          „Wir können nicht gut Deutsch sprechen, aber wir alle brauchen es“

          Immerhin, ein bisschen Humor ist also auch erlaubt in diesem Deutschkurs, in dem sich die Männer durch die Tücken der deutschen Sprache kämpfen und so mancher ein wenig müde aus den Fenstern blinzelt. Der Kurs ist Teil des Handwerkskammer-Programms „Ina – Integration durch duale Bildung“. Das Projekt dient der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, das Geld dafür wurde bei der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ gesammelt, die ein Rekord-Spendenaufkommen von fast 670000 Euro erbrachte.

          Fragt man die Männer, die im Alter zwischen 20 und 35Jahren sind, wie ihnen das seit dem 1. März laufende Programm gefällt, fallen die Antworten einhellig positiv aus. Die deutsche Sprache zu lernen sei für sie sehr wichtig. „Wir können nicht gut Deutsch sprechen, aber wir alle brauchen es“, sagt Aria Rahman. Arbeit hätten sie in ihrem Herkunftsland oder den Ländern, durch die sie bei ihrer Flucht gekommen seien, schon gehabt: Männer- und Handwerkerarbeit. Deswegen seien die Teilnehmer auch mäßig begeistert gewesen, als sie zu Beginn des Projekts zunächst einmal Puppenköpfen Frisuren hätten schneiden sollen, sagt Said Bousfia, Flüchtlingskoordinator der Handwerkskammer.

          Das Programm ist so aufgebaut, dass die Teilnehmer drei Wochen lang einen Praxisteil absolvieren, dann folgen zwei Wochen Deutschunterricht. Außer dem Einblick in den Beruf des Friseurs haben die Männer auch schon Metallbearbeitung und den Alltag eines Zweiradmechanikers kennengelernt. Es folgt eine Station in der Schweißerwerkstatt, außerdem werden die Teilnehmer an die Technik eines Motorrades herangeführt. Dann geht es schon ins Praktikum. Neun Monate dauert das Programm, das drei Gruppen durchlaufen werden. Parallel zur Ausbildung erkundigen sich die Vertreter der Handwerkskammer, welcher Arbeitgeber Bedarf für welchen Teilnehmer hat.

          Die Möglichkeit auf Arbeit

          „Wir überprüfen in den Praxiskursen die handwerklichen Fähigkeiten“, sagt Koordinator Bousfia. Und bei Aufgaben wie der, Puppenköpfe zu frisieren, gehe es auch darum, zu sehen, wie jemand sich schlage, der etwas tun solle, was ihm zunächst nicht gefalle. Am Ende seien die Männer doch noch auf ihre Kosten gekommen – sie hätten sich die Haare gefärbt und die Fingernägel lackiert.

          Das klingt lustig, doch vereinzelt ist es für die erwachsenen Männer sicher schwer, wieder bei null anzufangen. Ahmad Shoaib Sadiqi stellt ein Modell auf den Tisch, einen Autokran, etwa 40 Zentimeter lang. Er hat das Fahrzeug für seine beiden Kinder gebaut, komplett aus Karton, aus Sachen für den Flohmarkt, wie er sagt. Sadiqi nimmt das selbstgebaute Steuerelement und drückt auf die Knöpfe, die er aus Kugelschreiberminen gebastelt hat. Das Fahrzeug fährt links und rechts vier Stützen aus. Dann richtet er, auch elektrisch, den Kran auf und fährt ihn aus. An den Haken hängt er zwei Wegwerf-Pappbecher und zieht sie hoch. Zwei Leuchtdioden blinken, fahren kann der Kran auch.

          Der Mann, der dieses kleine Kunstwerk aus Müll zusammengebaut hat, war in Afghanistan Bauingenieur, wie er sagt. Jetzt lernt er Rezepte für Hustensaft auf Deutsch und wechselt Fahrradreifen. Er ist stolz auf seinen Kran. Gleichzeitig wirkt er bedrückt. Es ist, als wolle er zeigen, dass er mehr kann. Sadiqi weicht der Frage aus, wie es ihm in dieser Situation geht. Er sagt nur: „Ich möchte die Möglichkeit haben, zu arbeiten.“

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