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Hilfe zur Selbsthilfe : Flüchtlinge als Unternehmer

Zusammenspiel: Mitglieder des interkulturellen Musiker-Projekts Bridges aus Frankfurt im dortigen Social Impact Lab Bild: Cornelia Sick

Flüchtlinge erscheinen in der öffentlichen Diskussion vor allem als Hilfsbedürftige. Die KfW-Stiftung und die gemeinnützige Social Impact GmbH verfolgen dagegen einen unternehmerischen Ansatz. Mit Erfolg.

          Wer dieses Konzert am Sonntag Abend erleben will, muss sich sputen. Nur noch Restkarten gibt es für den Auftritt des Orchesters und des Chors von Bridges. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein besonderes Projekt. Bridges will sinnbildlich Brücken bauen zwischen Musikern, die nach Deutschland geflüchtet sind, und heimischen Frauen und Männern, die ein Instrument spielen können oder singen – nach dem Motto: „Musik verbindet“. 50Musikerinnen und Musiker umfasst das Orchester, 20Mitglieder zählt der Chor, wie Anke Meyer und Johanna-Leonore Dahlhoff berichten.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die freischaffende Musikerin und die Kulturmanagerin leiten das Bridges-Projekt. Seit 2016 haben sie hundert Musiker aus Iran und Irak, Afghanistan und Syrien zusammengebracht – also aus Asylzugangs-Staaten, wie es im Behördendeutsch heißt. Nun nimmt Bridges am Programm „Ankommer“ teil. Dahinter stehen die Stiftung der Förderbank KfW und die gemeinnützige Gesellschaft Social Impact. Mit „Ankommer“ fördern sie Initiativen, die Flüchtlinge befähigen sollen, ihr Leben selbständig zu gestalten. Dazu zählen Coaching, Fachberatung und Arbeitsplätze in einem Social Impact Lab wie jenem an der Falkstraße in Frankfurt-Bockenheim. So verfolgen sie laut Bernd Siegfried, Geschäftsführer der KfW-Stiftung, einen unternehmerischen Ansatz.

          321 Arbeitsplätze, 89 Lehrstellen

          Drei Förderrunden liegen bereits hinter ihnen, wie Norbert Kunz, der Chef von Social Impact, gestern sagte. Im ersten Jahrgang seien 14 Teams betreut worden, im zweiten 15, der laufende dritte Jahrgang umfasse zehn Gruppen. Bisher seien aus 20 Projekten von Deutschen und Partnern mit ausländischen Wurzeln junge Firmen entstanden, wie er erläuterte. Alles in allem seien 321 Arbeitsplätze, 89 Lehrstellen und 400 Weiterbildungsplätze entstanden. Angesichts dessen sprach Kunz von „wahnsinnig hohen“ Zahlen und einem großen Erfolg – auch im Vergleich zu anderen Vorhaben, die Menschen zur Karriere als Unternehmer ermuntern wollten. Nur sechs Initiativen seien auf dem Weg zur Firmengründung gescheitert. Schon in den Anfängen ist laut Kunz ein Frankfurter Projekt steckengeblieben, das hätte gefördert werden sollen. Die Initiatoren hätten den Zeitaufwand unterschätzt und aufgegeben. Das sei schade – nicht zuletzt, weil es um Handwerk hätte gehen sollen.

          Die von „Ankommer“ geförderte Initiative Codedoor aus Frankfurt bildet Flüchtlinge zu gefragten IT-Fachkräften aus, andere haben ein interkulturelles Café eingerichtet, machen Migranten fit für die Gastronomie oder kümmern sich um die Ausbildung von Mediatoren. Dies ist das Ziel von „Resolute“, einer Initiative der Geschwister Helen und Sebastian Winter aus Berlin. Die in Amerika ausgebildete Juristin hat in den Vereinigten Staaten das Konzept der Mediation, das dort an Hochschulen gelehrt werde, und seine Vorzüge kennengelernt. „Resolute“ ziele auf Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften, die Streitigkeiten unter anderen Migranten im jeweiligen Asylheim schlichten. Günstig sei, dass viele Migranten Schlichter aus der Heimat gewohnt seien, in Gestalt der Dorfältesten. Anders als gegenüber einem Richter verhandelten die Streitparteien hier auf Augenhöhe.

          „Etwa 300.000 Euro einzusparen“

          Ein Nebeneffekt dieser Form der Mediation sei, dass der Staat viel Geld spare, wenn die Polizei seltener in Asylheimen die Streithähne zur Räson bringen müsse. „Wenn die Zahl der Einsätze um nur ein Prozent sinke, würden etwa 300.000 Euro eingespart“, hat Sebastian Winter für Berlin ausgerechnet, wie er im Social Impact Lab erläuterte. Zudem will „Resolute“ Migranten helfen, sich der auf der Flucht erlittenen Traumata bewusst zu werden und sie ansprechen zu können. „Mental Health Awareness“ nenne sich das.

          Bridges will Musikern ermöglichen, von ihrem Beruf zu leben. Mustafa Kakour ist einer von ihnen. Der Syrer kam im Juli 2015 nach Deutschland. In seiner Heimat hatte er Musikpädagogik studiert und an einer Musikschule unterrichtet. Von Bridges hat er durch einen Freund erfahren, der im Radio von dem Projekt gehört hatte. „Die suchen Profi-Musiker“, lautete die Botschaft. Seit zwei Monaten ist Bridges bei „Ankommer“. Drei Musiker kommen mittlerweile ohne Geld vom Jobcenter aus, andere benötigen die Unterstützung nur noch als Zusatzeinkünfte.

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