25.04.2009 · Der Wille zum Körperstählen scheint ungebrochen. Fitnessstudios verzeichnen trotz Krise stolze Mitgliederzuwächse. Auch das neue Flaggschiff von Fitness First an der Zeil in Frankfurt.
Von Tim KanningEin Schwimmbad hoch über der Zeil, ein persönlicher Trainer zum Joggen am Main, die Sauna gleich um die Ecke vom Büro – das sind offenbar Angebote, auf die viele in Frankfurt gewartet haben. Bereitst 3000 Kunden verzeichnet das Studio Fitness First, das erst vor wenigen Wochen in der obersten Etage des neuen Einkaufszentrums an der Zeil eröffnet hat, nach Angaben eines Sprechers. Schon vor der Eröffnung habe es 1500 Anmeldungen gegeben. Seinerzeit hatte der Deutschland-Chef der internationalen Kette, Stefan Tilk, die Marke 3000 als obere Kapazitätsgrenze angegeben. Inzwischen will sich der Sprecher nicht so festlegen. Aber Fitness First sei bereits so weit, dass sich der Club lohne.
Das neue Studio an der Zeil spiegelt den Trend wider, die Mitgliederzahlen deutscher Fitnessanlagen steigen und steigen, 2008 lag sie laut des Branchenverbands DSSV bei knapp 5,9 Millionen (siehe Grafik). Im Fitnessmarkt gilt dabei das gleiche wie für viele Märkte hierzulande: Der Kunde will entweder teuer oder billig. Dazwischen ist nur erfolgreich, wer sich eine Nische sucht – Yogaclubs zum Beispiel oder Pilates-Studios, wie Nils Gronau sagt, Fitness-Experte bei der Unternehmensberatung Deloitte. Seiner gerade vorgelegten Studie zufolge wird ein Viertel des Fitnessmarkts schon von Discountern bedient, zwölf Prozent gingen an die Premiumstudios – und beide Seiten gewönnen immer mehr Marktanteil.
McFit stark im Aufwind
Diese Zweiteilung wird auch in der Wirtschaftskrise bestehen bleiben, wie Gronau meint. Studien über den amerikanischen Markt hätten gezeigt, dass die Bereitschaft, für Fitness Geld auszugeben nur bedingt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhänge. Wer jetzt höhere Preise zahle, werde das auch in Zukunft tun. Schwieriger werde es nur für die Anbieter im Mittelfeld, da deren Kunden schneller zur billigeren Konkurrenz abwandern würden. So könnte sich die Zweiteilung des Markts in schlechten Zeiten noch beschleunigen.
Platzhirsch am unteren Ende des Preissegments ist Anbieter McFit, der für 16,90 Euro im Monat Fitnessgeräte mit wenig Drumherum anbieten. Lag die Mitgliederzahl im Dezember noch bei 700.000 (siehe Grafik), so ist sie bis Ende März laut Gronau um 50 000 gestiegen. Aber auch viele kleine, regionale Anbieter setzten auf das Billig-Konzept. In Frankfurt etwa bietet Pure Training ein Studio an der Zeil und eines am Westbahnhof. Der Mitgliedsbeitrag liegt hier bei 4,99 Euro in der Woche.
Fitness First versucht indes, sich die Marktspaltung zunutze zu machen – indem es sich weiter in Richtung Premiumsegment absetzt. Das neue Fitnessstudio an der Zeil kombiniert die beiden obersten Preisklassen Platinum und Black Label und ist somit eines der edelsten der Kette. Zwei weitere Luxusclubs betreibt Fitness First im Hilton an der Hochstraße und in der Welle am Reuterweg. Nur noch eines der acht Frankfurter Studios liegt in der günstigsten Preisklasse.
Der eher einfacher gestaltete und dadurch günstigere Club gegenüber des neuen Einkaufszentrums an der Zeil ist im Gegenzug für das Edel-Flaggschiff gegenüber geschlossen worden. Auch die Studios in Fulda und Hanau, die in der untersten Preisklasse lagen, hat die Kette im vergangenen Jahr dichtgemacht. So ist die Zahl der Studios in Deutschland zwar gesunken, von einst 108 auf aktuell 101, die Mitgliederzahl sei aber – um die Flächenverkleinerungen bereinigt – auf 280.000 gestiegen, sagt der Sprecher. Und das obwohl Fitness First im vergangenen Jahr die Mitgliedsbeiträge angehoben habe. Hatten die Preise vorher im Durchschnitt bei 45 bis 50 Euro im Monat gelegen, müssen die Kunden nun 55 bis 60 Euro zahlen. „Wir wollen den gestiegenen Ansprüchen der Kunden entgegenkommen“, sagt der Sprecher.
Warten auf die Zahlen im Herbst
Anfang des Jahres waren die alten Fitness-Company-Schilder durch jene der international bekannten Mutter Fitness First ersetzt worden. Einen höheren sechsstelligen Betrag sei glechezeitig in die Erneuerung der Studios geflossen. Auch sauberer soll nun alles sein. Im Herbst will Fitness First noch ein Studio in Frankfurt eröffnen, in der dann eröffnenden neuen Deutschland-Zentrale in der Hanauer Landstraße. Nach Krisenbefürchtungen klingt das nicht.
Bei allem Optimismus glauben sowohl Deloitte-Mann Gronau als auch der Fitness-First-Sprecher, dass auch die Premium-Trainierer in der Krise zumindest bei den Zusatzangeboten wie Personal Trainer sparen. In Frankfurt, wo sich Fitness First mit solchen Angeboten vor allem an gut bezahlte Banker richte, sei das schon zu beobachten, sagt der Sprecher. Zudem sind die Sommermonate ohnehin nicht gerade die Hochzeit der Fitnessstudios. So bleibt der Sprecher vorsichtig: „Wie stark wir von der Krise tatsächlich betroffen sind, wird sich wohl erst im September und Oktober zeigen.“