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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fitnessangebote für Senioren Mit dem Gehstock zum Rudergerät

14.01.2010 ·  Ein Fitness-Studio in Steinbach setzt gezielt auf die Kundschaft über 60. So ist das Haus auch morgens und mittags voll. Ruheständler, die sich noch längst nicht zur Ruhe setzen wollen, sind für die Fitnessbranche eine zunehmend lohnende Zielgruppe.

Von Tim Kanning, Steinbach
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Auf den ersten Blick ist der Sport & Fitness Park in Steinbach ein Fitness-Studio wie so viele. Große Räume, vollgestellt mit unterschiedlichsten Geräten, Hantelbänken und Laufbändern, durch die Fensterfront kann man über die weiß verschneiten Felder des Vordertaunus blicken. Doch das Studio ist auffallend gut besucht für die Uhrzeit. Es ist elf Uhr vormittags, und fast jedes zweite Gerät ist besetzt. Ein grauhaariger Mann, der eben noch sitzend mit seinen Füßen Gewichte gestemmt hat, steht auf, nimmt seinen Gehstock und macht sich auf den Weg zum nächsten Gerät, jetzt ist der Oberkörper dran.

Die meisten der Sportler, die an diesem Vormittag in den Fitness-Park gekommen sind, haben graues, schütteres oder sichtbar gefärbtes Haar – und entsprechen damit der Zielgruppe des Betreibers Dieter Manthey. Der Inhaber und Geschäftsführer des Studios ist selbst 79 Jahre alt und wirbt in seinen Prospekten nicht mit jungen, gutgebauten Models, sondern mit einem alten Ehepaar. In den sechziger Jahren hatte Manthey sich ein EDV-Unternehmen mit zuletzt 120 Mitarbeitern aufgebaut. Vor 15 Jahren hat er seinen Betrieb verkauft und gemeinsam mit seinem Sohn in der einstigen Tennishalle von Steinbach das heutige Fitnessstudio aufgebaut. „Als wir damals sagten, wir wollten uns auf ältere Menschen konzentrieren, schüttelten alle den Kopf“, sagt Manthey.

Hälfte der Kunden älter als 60

Inzwischen zähle das Studio 2300 Mitglieder. Das ist vergleichbar mit den Einrichtungen der großen Ketten, dem Prunkstudio von Fitness First im Einkaufszentrum auf der Zeil etwa. Nur: Bei Manthey sind etwa die Hälfte der Kunden älter als 60. Und gerade die Kundenzahl in dieser Altersklasse wachse stetig. Den Umsatz kann Manthey nach eigenen Angaben jährlich um etwa zehn Prozent steigern.

Alles ist hier etwas gemütlicher. Aus den Lautsprechern dröhnt keine Musik. „Hip-Hop ist hier nicht so angesagt“, sagt Manthey. Und dadurch, dass alle es ein wenig ruhiger angehen lassen, wirkt das Studio gleich viel gelassener als herkömmliche Einrichtungen.

Einer der Trainer ist 75

„Ich hasse Muckibuden wie die Pest“, sagt der 65 Jahre alte Gerhard Maass, der gerade Dehnübungen an einem der Geräte macht. Früher sei er in ein anderes Studio in Eschborn gegangen. Doch die Leute dort seien zwar lieb und nett gewesen, aber vor allem auch jung, sagt Maass. Dass man in dem Steinbacher Studio hauptsächlich mit Sportlern der gleichen Altersgruppe trainiere, mache schon einen Unterschied.

Auch einer der Trainer im Fitness-Park ist 75 Jahre alt. „Er hat denselben Lebensweg hinter sich wie viele unserer Kunden“, sagt Manthey, „und ist dadurch für viele der perfekte Ansprechpartner.“

Der Trend sei in vielen Studios zu merken, dass die Trainer der jeweiligen Zielgruppe angepasst würden, sagt Niels Gronau, der bei der Unternehmenberatung Deloitte für den Fitnessmarkt zuständig ist. Es gebe vielen Kunden ein sichereres Gefühl, wenn sie nicht von 20 Jahre jüngeren Trainern betreut würden, deren Fitnessstand sie selbst nie erreichen könnten.

Gesundheitlicher Ansatz

Damit die älteren Fitnessfreunde sich nicht überlasten, gehört zur Anmeldung auch eine sportmedizinische Untersuchung. Anhand des achtseitigen Gutachtens erstellen die Trainer dann den Übungsplan. Hans Werner, der zehn Jahre lang die Klinik für Geriatrie in Darmstadt geleitet hat und seit kurzem selbst als Ruheständler in Oberursel wohnt, unterstreicht den gesundheitlichen Ansatz des Studios mit gelegentlichen Vorträgen für die Mitglieder. Zwischen den herkömmlichen Geräten im Fitness-Park steht der „Rüttler“.

Ein älterer Herr steht gerade halb kniend auf den vibrierenden Platten, sein ganzer Körper schüttelt sich. Mit steigendem Alter sende der Körper weniger Signale, erklärt Werner, so dass ältere Menschen, wenn sie hinfielen, nicht mal mehr die Hände vor sich streckten. Der Rüttler aktiviere die Sensibilität wieder, zudem stärke er die Muskulatur der Beine und biete so gleich doppelte Sturzvorbeugung. Auch die mit Knubbeln übersäte Bodenmatte soll den Kunden helfen, ihr Gleichgewicht zu verbessern, an einer kleinen Kletterwand kann die Körperstabilität trainiert werden. So gehe es den meisten Kunden hier nicht so sehr darum, ihre Körper zu stählen, sondern vielmehr die eigene Selbständigkeit und Selbstsicherheit im Alltag zu erhöhen, sagt Werner.

Hinzu kommt auch der soziale Aspekt. „Als ich mit 57 in den Vorruhestand ging, habe ich gedacht, ich falle in ein tiefes Loch“, erinnert sich der heute 65 Jahre alte Kunde Maass zurück. Einen Ausgleich habe er gebraucht. Inzwischen ist er sechs Tage in der Woche hier. Nur samstags habe er frei, sagt Maass, da gehe er schwimmen.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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