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Spar-App : Mit Trump-Tweets Geld zurücklegen

Viel zu tun: Savedroid-Gründer Yassin Hankir in seinem Büro. Bild: Etienne Lehnen

Das Frankfurter Fintech Savedroid hilft Kunden mit Algorithmen beim Sparen. Doch noch verdient das Unternehmen damit kein Geld.

          Es wird eng in dem Büro im Haus Sandweg 94. Im Fintech-Hub der Deutschen Börse sitzt in Gestalt von Savedroid eines jener jungen Finanztechnologie-Unternehmen, die sehr kurzfristig denken, weil sich die Dinge fast täglich ändern. Yassin Hankir grinst, als er über die Raumsituation des von ihm mitgegründeten Start-ups berichtet. Bei der Gründung im September 2015 war man zu dritt, inzwischen teilen sich 13 Personen das überschaubare Büro – „und zwei Bürohunde“. Es sei nicht einfach gewesen, die richtigen Leute für das Projekt zu finden, sagt Hankir. Das liegt auch daran, dass alles auf kleinem Raum zusammensitze, wie er hervorhebt. Doch Hankir und sein Team nehmen das in Kauf. Denn Savedroid tritt in die entscheidende Phase ein. Die Spar-App wurde bereits über 100.000 Mal heruntergeladen. Nutzern soll damit das Sparen erleichtert werden.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Kunden geben ein Sparziel ein, etwa einen Urlaub im Wert von 1000 Euro. Dann legen sie fest, wie sie Geld ansammeln wollen. Die App macht es etwa möglich, immer dann fünf Euro auf das Sparkonto zu überweisen, wenn der Nutzer mehr als 4000 Schritte an einem Tag zurückgelegt hat. Mit Geo-Daten lässt sich festlegen, dass etwa zwei Euro beim Besuch des Fitnessstudios gespart werden. Möglich ist auch, bei jedem eingehenden Betrag einen Teil auf das Sparkonto einzuzahlen. „Wir haben bisher mehr Downloads als erwartet“, sagt Hankir, im Sommer sollen es 200.000 sein. Wer die App nutzt, gibt automatisch seine Kontodaten frei.

          Sparen wenn Trump twittert

          Seit einigen Wochen hat Savedroid einen Spar-Algorithmus freigeschaltet, der mit Hilfe dieser Informationen Einnahmen und Ausgaben auf dem Girokonto des Nutzers analysiert und immer dann kleinere Beträge zum Sparen freigibt, wenn sich ein finanzieller Spielraum ergibt. „Der Algorithmus verbessert sich von Tag zu Tag“, sagt Hankir. Er passe sich individuell an den Bedarf der Kunden an. Natürlich könne die App nicht selbständig das Konto leer räumen, so dass Lastschriften zu platzen drohten, hebt er hervor – wohlwissend, dass die Savedroid-Kunden ein Grundvertrauen in die Technologie brauchen, um das Produkt zu nutzen. Derzeit konzentriert sich Savedroid auf Kundenwachstum. Doch schon bald will das Start-up auch Geld verdienen. Die Idee klingt verlockend: Die App analysiert dann, ob die Kunden bei Strom- oder Handyverträgen Geld sparen können, und schlägt automatisch einen Vertragswechsel vor, der dann im Hintergrund abgewickelt wird.

          Savedroid könnte so von Provisionen profitieren. Von April an soll die Idee mit Stromverträgen getestet werden, berichtet Hankir. Nach einer ersten Finanzierungsrunde, in der das Fintech im Juni eine Million Euro einsammelte, soll in diesem Jahr eine weitere, „weitaus größere“ folgen. Mit dem Geld soll das Produkt verbessert und beworben werden. Bis dahin können die Kunden fleißig Geld sparen, auch mit außergewöhnlichen Regeln. So können Nutzer auch von der Twitter-Leidenschaft des amerikanischen Präsidenten profitieren. Eine mögliche Sparregel nämlich lautet, immer dann einen Betrag auf das Sparkonto zu überweisen, wenn Donald Trump einen Tweet abschickt. Damit könnte sich relativ schnell ein Urlaub finanzieren lassen.

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