01.09.2008 · Immer wieder ist von Bankchefs zu hören, sie suchten Personal. Das gilt besonders für erfahrene Kräfte, denen die betuchte Kundschaft Anlageempfehlungen auch abnimmt. Massenentlassungen könnte aber auch der Finanzplatz Frankfurt nicht sofort wieder aufsaugen.
Von Manfred KöhlerWird jemand, der in Frankfurt Opfer des Personalabbaus nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank wird, einen neuen Arbeitsplatz finden? Immer wieder war in den vergangenen Jahren von Bankchefs im Rhein-Main-Gebiet zu hören, sie suchten Personal. Das gilt besonders für erfahrene Kräfte. Seitdem alle Kreditinstitute den Privatkunden mehr denn je zu umwerben vorgeben, werden seriöse Berater gesucht, denen die Kundschaft, im Rhein-Main-Gebiet gut gebildet und oftmals gutbetucht, Anlageempfehlungen auch abnimmt.
Doch ist natürlich keineswegs jeder, der seinen Arbeitsplatz verliert, ein Vertriebsmann – und auch die freien Stellen für Anlageberater sind endlich. Allerdings sind auch immer wieder andere Stellen in Banken zu besetzen. Beim Zeitarbeitsunternehmen Randstad in Eschborn wird von einer vergleichsweise hohen Nachfrage aus Kreditinstituten berichtet – höher als vor zwei oder drei Jahren.
So oder so ein Wegfall von Stellen
Eine Welle von Massenentlassungen könnte selbst ein Finanzplatz wie Frankfurt allerdings kaum sofort wieder aufsaugen. Doch nach den Ankündigungen der Manager ist daran auch nicht gedacht. Vielmehr heißt es, betriebsbedingte Kündigungen seien jedenfalls bis 2011 ausgeschlossen, der Stellenabbau solle vorwiegend durch behutsamere Steuerungsinstrumente wie das Nichtbesetzen freiwerdender Stellen und Vorruhestand erreicht werden.
Das würde dem einzelnen Beschäftigten helfen, für den Finanzplatz bedeutete es gleichwohl einen Wegfall von Arbeitsplätzen. Über die Frage, wie viele Bankkaufleute im Ballungsraum überhaupt Arbeit haben, grassieren allerdings, nachdem vor einigen Jahren so viel vom Stellenabbau in den Großbanken die Rede war, zum Teil irrige Vorstellungen. Tatsächlich war die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Bankfachleute in Hessen Ende 2007 mit 84.385 lediglich um 1067 niedriger als viereinhalb Jahre zuvor. Allein im zweiten Halbjahr 2007 erhöhte sich die Zahl um 1539. Es kann also keine Rede davon sein, dass der Finanzplatz nach dem Aderlass zu Beginn des Jahrzehnts immer weiter schrumpft.
Nicht jeder entlassene Banker meldet sich arbeitslos
Selbst in den Krisenjahren war die Zahl arbeitslos gemeldeter Banker keineswegs übermäßig hoch. Im vergangenen Monat betrug sie in Hessen noch 588, wie es beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem Forschungszweig der Bundesagentur für Arbeit, heißt. Allerdings wird sich nicht jeder arbeitslose Banker tatsächlich arbeitslos melden. Viele sollen sich selbständig gemacht haben, wie bei der Wirtschaftsförderung Frankfurt berichtet wird. Wer sich als freiberuflicher Anlageberater etabliert, ist dann in der Statistik schwer einzuordnen – doch arbeitslos sind er nicht.