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Finanzkrise Kaupthing-Kunden brauchen Nerven

15.10.2008 ·  Mit 20.800 Euro Tagesgeldanlage bei der isländischen Kaupthing-Bank glaubte sich Bastian B. auf der sicheren Seite. Jetzt zeigt sich womöglich, dass ein Einlagenfonds nicht hält, was er verspricht.

Von Petra Kirchhoff
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Bastian B. gehört zu den 30.400 Kunden in Deutschland, die seit einer Woche nicht mehr an ihr Erspartes bei der Kaupthing Edge kommen. „Ich habe die Notbremse zu spät gezogen“, ärgert sich der Student aus Offenbach. Vergangenen Mittwoch wurden die Online-Konten der Bank gesperrt, nachdem die isländische Finanzaufsicht die Kontrolle der in Schieflage geratenen Kaupthing übernommen hatte. Insgesamt geht es nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht (Bafin) um Einlagen in Höhe von 308 Millionen Euro.

20.887 Euro davon gehören Bastian B. Exakt diese Summe („und nicht einen Cent mehr“) hatte der Student im Sommer der deutschen Kaupthing-Edge-Tochter als Tagesgeld zum Spitzenzinssatz von 5,65 Prozent anvertraut – ermuntert durch großflächige Anzeigen in Zeitungen und Berichte darüber, dass exakt diese Summe durch den isländischen Einlagensicherungsfonds bei einer Pleite garantiert sei. Naiv und blauäugig sei er also keinesfalls vorgegangen, meint Bastian B.

Bundesregierung verhandelt mit Island

Das Geld war gedacht für „schlechte Zeiten“. Dass die Bank pleitegehen könnte, hatte der Student freilich nicht einkalkuliert. Und auch nicht, dass der gesamte Inselstaat durch die aggressive Zinspolitik seiner Banken – gleich drei mussten in der vergangenen Woche verstaatlicht werden, um sie vor dem Kollaps zu retten – ins Wanken geraten könnte.

Nun wartet Bastian B. wie alle anderen Anleger ohnmächtig darauf, wie es weitergeht. Noch unklar ist bisher, ob die Geschäfte der Bank weitergeführt werden oder ob die isländische Finanzaufsicht den sogenannten Entschädigungsfall feststellt, das heißt die Insolvenz der Bank. Dieser Schritt ist die Voraussetzung für ein Entschädigungsverfahren. Ungewiss ist weiter, ob in diesem Fall auch Ausländer den Fonds in Anspruch nehmen können und in welcher Höhe sie entschädigt werden. Sicher ist bisher nach Information aus der Finanzbranche nur eines: Dass die Summe der isländischen Einlagensicherung – sie soll sich auf 100 Millionen Euro belaufen – bei weitem nicht ausreicht, um jedem die garantierte Mindestsumme von 20.887 Euro auszuzahlen.

Um so neidischer blicken deutsche Kaupthing-Anleger auf Leidensgenossen in Großbritannien, den Niederlanden und Schweden, deren Regierungen den klammen Isländern finanzielle Hilfe in Form von Krediten zugesagt haben und sich damit offensichtlich eine Entschädigung ihrer Sparer erkaufen. Nun forderten nun auch Kaupthing-Kunden, die sich im Internet zu einem Hilfeforum zusammengeschlossen haben, ein Durchgreifen der Bundesregierung. Diese müsse einen Beitrag leisten, um eine Insolvenz des Geldinstituts abzuwenden, verlangte ein Sprecher des Forums (www. kaupthingedge.foren-city.de). Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums bestätigte auf Anfrage, es gebe bereits Gespräche auf politischer Ebene. Offenbar will die Bundesregierung erreichen, dass Anleger zumindest die vom isländischen Fonds garantierte Summe von 20.800 Euro erstattet bekommen.

ING Diba und ICICI gelten als vorbildlich

Solange die Bank offiziell nicht pleite ist, empfiehlt die Bafin Anlegern, erst einmal nichts zu unternehmen. Der Frankfurter Anlegeranwalt Klaus Nieding rät Kunden, sich in jedem Fall auf den Entschädigungsfall vorzubereiten und alle Unterlagen bereitzuhalten. „Aus der Erfahrung heraus muss man damit rechnen, dass es zu einem Wettrennen der Gläubiger kommt“, sagt Nieding. Die Frist für die Anmeldung von Forderungen betrage in der Regel nicht mehr als zwei Monate.

Die Verbraucherzentrale Hessen rät dagegen, bereits jetzt aktiv zu werden und Ansprüche anzumelden. Ein Formular steht auf Englisch im Internet unter www. tryggingarsjodur.is/payments. Anwaltliche Hilfe sei nicht erforderlich. Wer diese dennoch in Anspruch nehmen wolle, etwa auch, um sich bei der Übersetzung von und ins Englische unterstützen zu lassen, solle Leistung und Preis vorher klar vereinbaren. Der Preis müsse in einem angemessenen Verhältnis zu den zu erwartenden Geldern stehen. Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die „ersten Abzocker“ bereits unterwegs sind. Grundsätzlich raten sie Anlegern, vor der Entscheidung für eine Bank genau zu prüfen, welchem Einlagensicherungssystem diese angehöre und ob es darüber hinaus Staats- oder andere Garantien gebe.

Die Verbraucherzentrale verweist auf ausländische Banken, die sich dem deutschen Einlagensicherungssystem, das als besonders vorbildlich gilt, angeschlossen haben. Die Diba, deutsche Tochter der holländischen ING Groep, oder die indische Bank ICICI etwa gehören dem deutschen Einlagenfonds an und werden aus diesem Grund auch regelmäßig in der Tagesgeld-Zinstabelle in der F.A.Z. berücksichtigt. Bastian B. übt sich derweil in Geduld. „Was bleibt mir anderes übrig?“ Die Zinsen für seine Anlage hat er ohnehin bereits abgeschrieben.

Hilfe für geprellte Anleger

Das Geldtelefon der Verbraucherzentrale Hessen ist donnerstags von 10 bis 14 Uhr zu erreichen unter 0 90 01/97 20 11 (1,75 Euro/Minute). Wegen des Ansturms von Fragen soll das Telefon in Kürze montags bis donnerstags besetzt sein. Termine für eine tiefergehende Finanzberatung sind für dieses Jahr ausgebucht.

Das Verbrauchertelefon der Finanzaufsicht Bafin ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zu erreichen unter 0 18 05/12 23 46 (14 Cent/Minute).

Informationen zum Einlagensicherungsfonds gibt es unter www.bankenverband.de/einlagensicherung.

Einen Antrag auf Entschädigung finden Kunden im Falle einer Insolvenz unter www.tryggingarsjodur.is/payments.

Übersetzungshilfe gibt es im Internet unter www.leo.de.

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