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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

„Finanzielle Bildung“ Schüler sollen mehr über Banken erfahren

 ·  Frankfurter Banker möchten, dass das Wirtschaftsleben, vor allem das in den Kreditinstituten, in den Schulen eine größere Rolle spielt. Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) findet das gut.

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Mit den Lehren von Karl Marx kommen Banker auch nicht alle Tage in Berührung. Aber jetzt ist es dem einen oder anderen doch passiert. Denn knapp ein Dutzend Führungskräfte war auf Betreiben des Vereins Frankfurt Main Finance in Frankfurter Schulen gegangen, um sich dort eine Stunde lang den Fragen der Mädchen und Jungen zu stellen, und in denen spielten nicht nur die Theorien Adam Smiths eine Rolle, sondern auch die Weltanschauung von Marx. Es gebe einen deutlichen Bedarf der Schüler an Stimmen aus der Praxis, resümierte Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance, nach den Unterrichtsbesuchen.

Für den Verein war es eine zunächst einmalige Aktion, mit der er die Aufmerksamkeit auf ein Thesenpapier lenken wollte, mit dem er mehr „finanzielle Bildung“ an den Schulen fordert. Der Kernsatz lautet, „Funktionsweise und Nutzen von Kapitalmärkten müssen im Unterricht praktisch, konkret und nutzenorientiert aufgezeigt werden“ – als Ergänzung zur Behandlung volkswirtschaftlicher Themen. Gerade jetzt, da die Finanzkrise aufgearbeitet werde, sei ein solcher „Dialog“ notwendig.

Seit 2002 das Fach „Politik und Wirtschaft“

Die Berichte der Manager über ihre Schulbesuche hörte sich auch die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) an, bekundete allgemeine Sympathie für derlei Bemühungen, versprach aber doch nicht mehr, als bei der Überarbeitung der Lehrpläne einen Dialog auch mit dieser Vereinigung zu führen. Sie wies darauf hin, dass die Zusammenarbeit der Schulen mit der Wirtschaft ohnedies immer enger werde und erwähnte als Beleg die Initiativen der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und die Kooperationen verschiedener Schulen mit den Sparkassen und neuerdings mit der Deutschen Bahn.

Es sei erfreulich, dass das Misstrauen, das zwischen Schulen und Wirtschaft einst bestanden habe, inzwischen weitgehend abgebaut sei. Henzler wies darauf hin, dass seit 2002 das Fach „Politik und Wirtschaft“ an Hessens Schulen unterrichtet werde, dass aber die dafür zuständigen Lehrer in der Regel nicht etwa Wirtschaft, sondern Politik studiert hätten. Es fehle halt an einem speziellen Lehrstuhl für das neue Fach, erläuterte die Ministerin und deutete an, dass sie nichts dagegen hätte, wenn sich Unternehmen an der Finanzierung eines solchen Lehrstuhls beteiligten.

Schulen bei Angebot zurückhaltend

Letztlich sei es Sache der einzelnen Schulen, ob sie jemanden in den Unterricht einladen würden, sagte Henzler weiter. Das gelte auch für Verbraucherschützer, meinte sie auf den Hinweis, dass Banker schließlich nicht nur die Volkswirtschaft im Blick hätten, sondern durchaus auch Eigeninteresse verfolgten. Am Rande der Veranstaltung in Frankfurt verlautete, dass das Angebot des Besuchs eines Bank-Mitarbeiters Bankers in einer Schule nur von wenigen der angeschriebenen Einrichtungen angenommen worden sei.

Das Fach „Politik und Wirtschaft“ wird unter anderem an Gymnasien unterrichtet, dort ist es von der siebten bis zur elften Klasse mit zwei oder drei Stunden in der Woche Pflicht. Nach dem vom Ministerium veröffentlichten Lehrplan steht in der siebten Klasse „Wirtschaften im privaten Haushalt“ auf der Tagesordnung, ein Jahr später geht es um den Markt, also etwa Angebot, Nachfrage und die Preisbildung, und in der neunten Klasse um „Ökonomie und Arbeitswelt“, um „Sozialstaat und Ökonomie“ und um „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ – allerdings nicht allein, sondern stets im Wechsel mit politischen Themen.

„Von konkreten Produkten lösen“

Henzler äußerte, in den Lehrpläne fehlten Abschnitte über Unternehmen, speziell über den Mittelstand und Existenzgründer, während Gewerkschaften durchaus vorkämen. „Da werden wir deutlich nachbessern müssen.“ Generell vermisse sie eine Ermutigung, sich selbständig zu machen.

Selbstkritisch merkte Raettig an, das von Wirtschaftsverbänden oder Unternehmen bereitgestellte Unterrichtsmaterial müsse sich noch mehr von konkreten Produkten lösen und besser auf die Lehrpläne abgestimmt werden. Die Frankfurter Finanzbranche wolle dazu beitragen, das Wissen über die Finanzmärkte und ihre Rolle im Alltag jedes Einzelnen zu vermitteln. „Wie erfolgreich und verantwortungsvoll die jungen Menschen einmal mit ihrer Rolle als Marktteilnehmer umgehen werden, darüber entscheidet die finanzielle Bildung in den Schulen maßgeblich mit.“ Der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (CDU), der die Stadt im Präsidium von Frankfurt Main Finance vertritt, meinte, als führender Finanzplatz Deutschlands wollte die Mainmetropole auch bei der finanziellen Bildung eine führende Rolle einnehmen.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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