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Fertighausbauer Boklok macht aus Bien-Zenker einen Börsenstar

10.03.2010 ·  Wenn die Börse recht hat, steht Bien-Zenker vor einem wahren Auftrags- und Umsatzschub. Die Aktie des Fertighausbauers mit Stammsitz in Schlüchtern kennt seit Februar nur eine Richtung: nach oben. Dank der Kooperation mit Ikea und der Boklok-Häuser.

Von Thorsten Winter
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Wenn die Börse recht hat, steht Bien-Zenker vor einem wahren Auftrags- und Umsatzschub. Die Aktie des Fertighausbauers mit Stammsitz in Schlüchtern kennt seit Anfang Februar nur eine Richtung: nach oben. Binnen sechs Wochen hat sich der Kurs auf dem Frankfurter Parkett verdoppelt. Der steile Kursanstieg steht klar im Zusammenhang mit dem Bau der ersten Idea-Holzhäuser durch Bien-Zenker. Mitte Januar gingen die Unternehmen mit dieser Nachricht an die deutsche Öffentlichkeit. Das Muster des Boklok genannten Wohnkonzepts stößt auf reges Interesse, wie bei Ikea in Hofheim-Wallau zu sehen ist. In einem ersten Schritt sollen 60 Reihenhäuser und 20 Wohnungen à la Boklok entstehen.

Einen Auftragsschub kann Bien-Zenker als Lizenznehmer von Ikea und des schwedischen Bauunternehmens Skanska gut gebrauchen. Denn seit dem Wegfall der Eigenheimzulage Ende 2005 kämpft das Unternehmen mit sinkenden Umsätzen und Erträgen. In den vergangenen beiden voll bilanzierten Geschäftsjahren machte der Fertighausbauer jeweils Verlust. 2008 stand ein Minus von acht Millionen Euro zu Buche nach bereits 5,4 Millionen Euro im Jahr zuvor. In den ersten drei Quartalen 2009 summierte sich der Verlust vor Zinsen und Steuern auf 6,7 Millionen Euro. Was aber fast schon einer guten Nachricht gleichkommt: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte sich das Betriebsergebnis noch auf minus 8,3 Millionen Euro belaufen. Zudem hat Bien-Zenker die Schulden um 2,5 Millionen Euro auf 10,1 Millionen Euro gesenkt. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 75 Millionen Euro. Wie das Gesamtjahr gelaufen ist, will das Unternehmen am 30. April darlegen – wegen Boklok dürfte die Bilanzpressekonferenz auf mehr Interesse stoßen als zuletzt.

Neues Passivhaus-Programm

Immerhin sah der Vorstand das Unternehmen zuletzt leicht im Aufwind. Außer auf „striktes Kostenmanagement“ verwies das Unternehmen auf sein neu auf den Markt gebrachtes Passivhaus-Programm sowie auf das Bestreben, neue Märkte im Ausland zu erschließen. All dies soll die Umsätze beflügeln. Dies passt wiederum zum Branchentrend. Wie ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau sagte, wird aus den Kreis der 43 Mitgliedsfirmen über eine sich bessernde Lage berichtet. 2009 hat die Fertighausbranche mit führenden Anbietern wie Deutsche Fertighaus-Holding, Schwörer, Weber-Haus und eben Bien-Zenker ein Geschäft auf Vorjahresniveau verzeichnet. Da sie von 2007 auf 2008 genau 4,5 Prozent weniger Häuser verkauft hatte, hatte die Branche nicht nur wegen der Insolvenz des Anbieters Kampa keinen Anlass zum Jubeln.

Vor diesem Hintergrund kommt Bien-Zenker die Fertighaus-Offensive von Ikea gerade recht, wie Vorstandsmitglied Günter Baum sagt. Außer an den heimischen Standorten Offenbach, wo Boklok-Häuser gebaut werden sollen, ist Bien-Zenker nach seinen Worten an einem Projekt in Nürnberg dran. Das Unternehmen, das das Werk Michelstadt vor zwei Jahren aufgab, wird die Boklok-Teile in Schlüchtern fertigen. Dort verfügt es über die nötigen Kapazitäten, wie Baum sagte. Am Stammsitz arbeiten derzeit 400 der insgesamt 580 Beschäftigten, die übrigen sind in Österreich tätig. „Bei Bedarf würden wir uns aber personell verstärken.“

Zwei-Milliarden-Euro-Markt

Der Fertighaus-Markt in Deutschland ist nicht exakt zu beziffern, denn der Herstellerverband verfügt laut Sprecher über keine entsprechenden Daten. Gemessen den Baugenehmigungen dürfte die Branche aber zuletzt 12.000 Häuser verkauft haben.

Zum Vergleich: Von Januar bis Ende September 2009 übergab Bien-Zenker 442 Häuser an seine Kunden, 40 weniger als vor Jahresfrist. In Deutschland kostet ein Fertighaus im Mittel etwa 150.000 Euro und 200.000 Euro, wie der Sprecher sagte. Daraus errechnet sich ein Marktvolumen von zwei Milliarden Euro – „im Zweifelsfall etwas weniger“, heißt es beim Verband.

Steigende Nachfrage, mageres Angebot

Was es heißt, wenn an der Börse eine steigende Nachfrage auf ein mageres Angebot trifft, lässt sich derzeit am Kursverlauf der Aktie der Bien-Zenker AG ablesen: Es geht steil aufwärts. Die Umsätze mit dem Papier sind dessen ungeachtet sehr gering: An den vergangenen fünf Handelstagen gingen auf dem Frankfurter Parkett im Durchschnitt nur Scheine im Volumen von 13.800 Euro um - gegenüber zum Beispiel 296 Millionen Euro im Fall der Deutschen Bank. Der Mittelwert der zurückliegenden 100 Handelstage beträgt bei Bien-Zenker sogar nur 1325 Euro - was beweist, wie sehr die Kooperation mit Ikea das Interesse an der Aktie beeinflusst. An den Börsen in Düsseldorf, München und Stuttgart wird das Papier indes fast nicht und auf Xetra kaum gehandelt.

Ein wesentlicher Grund für die sehr geringen Umsätze dürfte der Umstand sein, dass der Mehrheitsaktionär ELK Fertighaus über 87 Prozent aller Aktien verfügt. Und Kleinaktionäre werden sich angesichts des steilen Höhenflugs kaum zum Verkaufen bemüßigt fühlen - anders ist das mangelnde Angebot an Bien-Zenker-Aktien nicht zu erklären. (thwi.)

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