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Fertighäuser Bien-Zenker setzt lieber auf Energiesparen als auf Ikea

28.04.2011 ·  Der Schlüchterner Fertighausbauer schreibt auch 2010 rote Zahlen. Aber die Auftragseingänge sind kräftig gestiegen. Inzwischen wird sogar wieder eingestellt. Boklok ist nur noch eine Randnotiz.

Von Tim Kanning, Schlüchtern
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Boklok widmet Günter Baum genau zwei Sätze in seiner Rede zur Jahresbilanz des Schlüchterner Fertighausbauers Bien-Zenker AG. Das Geschäft mit Ikea – die Schlüchterner bauen die Fertighäuser Boklok in Lizenz für die schwedische Möbelhauskette – sei nach dem kritischen Bericht der Stiftung Warentest „nur langsam“ angelaufen. Und: Anfang April war Baubeginn für das erste Reihenhaus-Projekt in Wiesbaden-Auringen. Erst auf Nachfrage wird der Vorstandsvorsitzende konkreter. In Wiesbaden seien erst vier der acht geplanten Häuser verkauft, für das zweite Projekt in Offenbach habe man noch nicht genug Interessenten gefunden, um mit dem Bau zu beginnen – will heißen, von den geplanten neun Reihen- und zwei Mehrfamilienhäusern wurden erst weniger als die Hälfte reserviert.

Die Kooperation mit Ikea habe nie ein größeres Thema für Bien-Zenker werden sollen, wiegelte Baum gestern auf der Pressekonferenz ab. Zumindest die Börse hatte da offenbar andere Vorstellungen. Nach Bekanntgabe des Abkommens hatte sich der Aktienkurs des Unternehmens nach längerer Durststrecke innerhalb weniger Wochen fast verdreifacht. Inzwischen dümpelt er wieder bei sechs Euro.

Harte Sanierung

Es ist ein schwieriger Markt, in dem sich der Fertighausbauer bewegt. Seit Jahren geht die Zahl der neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland zurück. Waren es um die Jahrtausendwende noch weit mehr als 200.000, sind es in den vergangenen Jahren jeweils um die 90.000 gewesen. Der Trend von der vierköpfigen Familie hin zum Single-Haushalt habe die Nachfrage nach dem Häuschen im Grünen sinken lassen. Die Kürzung und die anschließende Abschaffung der Eigenheimzulage hätten den Trend noch verschärft, sagte Baum. Hinzu kommen die steigenden Rohstoffpreise an den Weltmärkten. Innerhalb des vergangenen Jahres seien die Einkaufspreise für Bien-Zenkers wichtigstes Baumaterial Holz um bis zu 20 Prozent gestiegen, führte Baum weiter aus.

Seit Jahren versuchen er und seine Vorstandskollegen Gerhard Baumann und Wolfgang Fuchs sich in dem Umfeld zu behaupten und haben das Unternehmen zuletzt hart saniert. Der einstige Zenker-Standort in Michelstadt wurde vor einigen Jahren geschlossen, die Produktion in Schlüchtern konzentriert. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 770 im Jahr 2006 auf nun 542. Im Jahr 2010 hat man zudem die Preise für die Fertighäuser erhöht, was in diesem Jahr wohl noch einmal gemacht wird, wie Baum ankündigte.

Für 2011 gibt sich Baum optimistisch, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen

Trotz alledem hat Bien-Zenker auch 2010 noch rote Zahlen geschrieben. Zum vierten Mal in Folge steht vor dem Jahresergebnis ein Minus, wenngleich der Fehlbetrag mit 4,7 Millionen Euro deutlich geringer ausfiel als 2009 und 2008, als jeweils mehr als minus acht Millionen Euro unterm Strich standen.

Für 2011 gibt sich Baum allerdings optimistisch, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Spätestens 2012 will man den Aktionären – zu 89 Prozent gehört das Unternehmen der österreichischen Elk Fertighaus AG – dann auch nach mehreren Nullrunden wieder eine Dividende zahlen können. Denn schon im vergangenen Jahr sei der Auftragseingang kräftig angezogen. Der Bauboom, den die historisch niedrigen Bauzinsen ausgelöst haben, sei auch bei Bien-Zenker angekommen. Aufträge im Wert von 130,3 Millionen Euro seien 2010 eingegangen, was einem Plus von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Kerngeschäft mit Ein- und Zweifamilienhäusern hat das Auftragsvolumen sogar um knapp 25 Prozent zugelegt.

Und auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung wird weiter gut zu tun haben

Dass der Umsatz 2010 noch nicht entsprechend gestiegen ist, begründete Baum unter anderem mit dem langen Winter zu Beginn des vergangenen Jahres und der früh einsetzenden Kälte zum Herbst hin. Da der Großteil eines Fertighauses erst bei der Auslieferung und der Schlüsselübergabe gezahlt werde, könnten die Einnahmen zu den Aufträgen erst zeitversetzt verbucht werden. Im ersten Quartal 2011 habe sich die Nachfrage weiter positiv entwickelt.

In Schlüchtern, wo Bien-Zenker 380 Leute beschäftigt, hat das Unternehmen sogar schon wieder neue Mitarbeiter eingestellt. Doch gute Fachkräfte, vor allem Zimmerleute werden in den Werkshallen direkt an der Autobahn 66 benötigt, seien gar nicht so leicht zu finden, sagte Baum. Wenn vom 1. Mai an osteuropäische Arbeiter ohne größere Hürden in Deutschland arbeiten können, sieht Baum das deshalb durchaus positiv.

Und auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung wird weiter gut zu tun haben. Denn Bien-Zenker will mit dem Thema Energiesparen Kunden gewinnen. Schon heute sei das für viele Kaufinteressenten ein wichtiges Thema, sagte Baum. Dabei können sie zwischen mehreren Energiesparklassen wählen. Sogar Plus-Energie-Häuser sind im Sortiment, die über Photovoltaikanlagen so viel Strom produzieren sollen, dass sich damit dereinst noch das Elektrofahrzeug betanken lässt. Da zwischen den einzelnen Klassen jeweils etwa 10 000 Euro Preisunterschied liegen, kann man am Kaufverhalten der Kunden ganz gut erkennen, wie viel ihnen die Umweltfreundlichkeit tatsächlich wert ist. Die meisten entschieden sich laut Vertriebsvorstand Baumann für „Effizienzhaus 70“ – also eher die Einstiegsklasse zum Energiesparen.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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