20.10.2009 · In die Ordnung der Fast-Food-Ketten kommt Bewegung. Kentucky Fried Chicken zählt Rhein-Main zu den wichtigsten Regionen bei seinem neuen Expansionskurs. Die jüngste Filiale wurde in „Loop 5“ eröffnet.
Von Manfred KöhlerIn China scheinen sie vieles richtig gemacht zu haben bei Kentucky Fried Chicken. Jeden Tag werde dort irgendwo ein Imbiss dieser Kette eröffnet, heißt es stolz. Im vergangenen Jahr wurde für die Studie einer Investmentbank nachgezählt: Damals kamen die Chicken-Wings-Frittierer im Reich der Mitte auf 2650 Filialen, McDonald’s gerade auf 900. Doch in Deutschland kann Kentucky Fried Chicken von solchen Verhältnissen nur träumen. Bei der alljährlich von der Fachzeitschrift „Food Service“ veröffentlichten Liste der 100 umsatzstärksten Gastronomen in Deutschland kam die Kette 2008 lediglich auf Platz 13 – und auch das nur zusammen mit Pizza Hut, die beide zu dem amerikanischen Konzern Yum! Brands zählen, der tatsächlich mit einem Ausrufezeichen firmiert. Platz 1 in der Bundesrepublik natürlich: McDonald’s.
Doch das Management von Kentucky Fried Chicken will wenigstens die Verfolgung aufnehmen. In neun Jahren solle es in Deutschland 500 Filialen geben, heißt es in der Münchener Zentrale. Bisher sind es gerade 63. Zu einem der Wachstumsgebiete hat die Kette Rhein-Main erklärt. Vor wenigen Tagen wurde eine Filiale im neuen Einkaufszentrum „Loop 5“ in Weiterstadt eröffnet, für das künftige Postcarré in Hanau ist eine weitere geplant. Im Internet findet sich eine Liste von Gegenden, wo die Kette gerne auch noch vertreten wäre. Allein für Frankfurt sind acht Orte genannt, darunter der Flughafen, der Hauptbahnhof und die Konstablerwache. Doch auch im Umland werden Liegenschaften gesucht, etwa in Bad Homburg, Hofheim und Neu-Isenburg. In ganz Hessen sollen in den nächsten fünf Jahren nach Angaben der Zentrale 25 bis 30 weitere Filialen öffnen. Eine andere Strategie als das Wachsen bleibt Kentucky Fried Chicken auch gar nicht übrig. Das Management hat wissen lassen, 2008 habe die Kette zum ersten Mal in Deutschland Geld verdient. Vertreten ist sie in der Bundesrepublik seit Ende der Sechziger.
Subway wächst schneller als alle anderen
Doch die Konkurrenz ist hart. Der Markt der Fast-Food-Ketten ist dicht besetzt. Das gilt auch für Hessen: Auf die gegenwärtig gerade acht Filialen von Kentucky Fried Chicken dürften weit mehr als 100 von McDonald’s kommen, 63 hat Burger King. Im Jahr 2000 war die zuletzt genannte Kette, die es im Umsatz-Vergleich der erwähnten Fachzeitschrift bis auf Platz zwei geschafft hat, gerade einmal an 14 Standorten vertreten gewesen. Die jüngsten Eröffnungen von Filialen, die bei Burger King wie auch bei der Konkurrenz stets etwas hochtrabend Restaurants genannt werden, gab es in Offenbach und Pfungstadt.
Als vierte Fast-Food-Kette wäre noch Subway zu nennen, wo die Produkte allerdings weder gegrillt noch in heißes Fett geworfen werden. Subway ist mit seinem Angebot an aufwendig belegten Broten zuletzt schneller gewachsen als alle anderen. 2006 waren in Hessen gerade 18 Standorte gezählt worden, derzeit sind es 53. Zuletzt wurde eine Filiale nahe der Frankfurter Fachhochschule und eine weitere im Wiesbadener Hauptbahnhof eröffnet. Bis Jahresende sollen noch zwei bis drei in Hessen hinzukommen, heißt es in der Pressestelle. In der Liste von „Food Service“ wurde Subway von seinem Wachstum bis auf Platz sieben getragen.
Jetzt auch mit Café
Die Ketten versuchen sich zunehmend voneinander abzusetzen, was freilich nicht einfach ist. McDonald’s und Burger King hatten schon in der letzten Wirtschaftskrise die Preise für einige Produkte wie Hamburger und Cheeseburger auf einen Euro gesenkt und dies auch beibehalten. Bei den beiden anderen Ketten fehlt es bisher an solchen Angeboten. Kentucky Fried Chicken hat allerdings zuletzt ebenso wie McDonald’s großzügig Gutscheine verteilt, mit denen die sogenannten Menüs billiger zu bekommen sind.
Der Branchenprimus hat sich mit dem Aufbau einer eigenen Cafékette am meisten gewandelt. Eine solche Ausweitung des Angebots gilt auch anderswo als Königsweg. Subway will künftig auch Frühstück anbieten. Burger King meldet eine Vereinfachung der Preisstruktur und einen Relaunch der Marke unter dem Motto „Geschmack ist King“. Ob es eines Tages nach dem Vorbild von McDonald’s auch Cafés geben wird, wollte der Chef des Konzerns, John Chidsey, in einem Interview mit der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ im Juni hingegen nicht sagen.
Klein China in Weiterstadt
Genauso wie Kentucky Fried Chicken und Subway hat auch Burger King angekündigt, zügig weiter wachsen zu wollen. Wie die Fast-Food-Ketten durch die Krise kommen, lässt sich hingegen schwer sagen. Die Pressestellen halten sich, was 2009 angeht, bedeckt. 2008 hatten alle vier erwähnten Ketten ihren Umsatz in Deutschland trotz der Rezession noch steigern können, wie „Food Service“ schreibt, McDonald’s um fünf Prozent, Burger King um acht, Kentucky Fried Chicken um 13, Subway gar um 45 Prozent.
Alle Ketten werden ganz oder überwiegend als Franchise-Systeme betrieben. Die Kooperation von Pizza Hut und Kentucky Fried Chicken liegt wegen des gemeinsamen Eigentümers auf der Hand, doch wird in der Pressestelle hervorgehoben, dass dies in „Loop 5“ nur eine Ausnahme sei. Die beiden Marken würden von unterschiedlichen Zentralen gesteuert. Zufrieden hat man allerdings bei Kentucky Fried Chicken registriert, dass die Kooperation in Weiterstadt einen großen Vorteil bietet. Selbstbewusst heißt es in der Pressestelle in München, das gemeinsame Geschäft liege beim Umsatz deutlich vor der örtlichen McDonald’s-Filiale. Klein China in Weiterstadt.