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Existenzgründung Der Berater aus dem Ruhestand

03.11.2008 ·  Gerhardt Benner hat für die Existenzgründer, die das Tauchboot „Nemo“ entwickelt haben, einen Marketing- und Finanzierungsplan aufgestellt. Das war bereits der rund dreißigste ehrenamtliche Einsatz des Frankfurters für den Senioren-Experten-Service.

Von Jan Grossarth
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Gerhardt Benner sitzt in der Morgensonne draußen in seinem Lieblingscafé am Opernplatz. Der Mann mit den graumelierten Haaren und den blau-grün karierten Sakko blättert in dem bunten Prospekt, den er mitgebracht hat, und spricht begeistert über das neueste Projekt, an dem er mitwirkt: Mini-Tauchboote. Die Vehikel, hergestellt von einem jungen Unternehmen aus Frankfurt an der Oder, fassen ein bis zwei Personen, bieten aus einer kleinen Glaskuppel Ausblicke auf Korallen und Fischfauna und sollen bald an den Stränden der Welt zum Verleih stehen. Gerhardt Benner hat für die Existenzgründer, die das Tauchboot „Nemo“ entwickelt haben, einen Marketing- und Finanzierungsplan aufgestellt – das war bereits der rund dreißigste ehrenamtliche Einsatz des Frankfurters für den Senioren-Experten-Service.

Im Jahr 1992 war Benner als Marketing-Experte eines großes Chemiekonzerns in den Ruhestand gegangen, doch schon nach einen halben Jahr wurde ihm das Rentnerleben zu ruhig. Er las weiter Fachzeitschriften und stieß auf einen Bericht über den Service der in Bonn ansässigen Organisation, die Rentner mit wertvollem Fachwissen an Entwicklungshilfeprojekte oder deutsche Existenzgründer vermittelt. Mehr als 7.000 Fachleute haben sich beim Experten-Service registrieren lassen, der als Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit seit 25 Jahren besteht. In dieser Zeit vermittelten die Bonner bereits gut 20.000 Einsätze.

Freundschaft

Gerhardt Benner hinterließ sein Profil beim Service und bekam nach zwei Wochen den ersten Anruf – ein Hilfsgesuch einer Firma aus Sachsen-Anhalt. Im Zuge des Wandels in Russland und der Wiedervereinigung kämpfte das metallverarbeitende Unternehmen mit Absatzschwierigkeiten, zuvor sichere Abnehmerländer in Osteuropa waren als Märkte weggebrochen, und Benner reiste drei Jahre lang mehrmals im Monat nach Ostdeutschland. Er ordnete an, dass alle Mitarbeiter zu Sprachkursen nach England reisen müssten. Er organisierte einen Termin im Wirtschaftsministerium, der dem Unternehmen einen Förderkredit brachte. Der Betrieb überlebte und hat heute wieder so viele Mitarbeiter wie zu DDR-Zeiten.

Für Benner war es ein gutes Gefühl zu sehen, dass er sein Wissen sinnvoll hat einsetzen können. „Ich habe nicht nur gegeben, sondern auch genommen.“ Etwa das Gefühl, zum Erhalt von rund 200 Arbeitsplätzen beigetragen zu haben – oder eine enge Freundschaft mit dem Inhaber, die bis heute hält.

Frankfurter Nachtklub

Lehrer, Handwerker, Techniker sucht der Bonner Entwicklungshilfedienst für die weltweiten Auslandseinsätze. Im Inland sind vor allem Ehrenamtliche mit ökonomischer Expertise gefragt, so wie Gerhardt Benner. Nach seinem Ausstieg aus der Wirtschaft hat Benner insgesamt mehr als 30 Firmen beraten, manchmal sogar drei gleichzeitig, doch er nimmt nicht jedes Projekt an. „Ich muss das Gefühl haben, auch etwas beitragen zu können.“ So wie vor einigen Jahren in einem fränkischen Betrieb, der in Schwierigkeiten geraten war, weil er zwar wunderbare Museumsvitrinen produzierte, aber existenzbedrohende Absatzschwierigkeiten hatte. Benner reiste drei Jahre lang regelmäßig nach Franken, kannte jeden der rund 50 Mitarbeiter, nahm Kontakt zu Agenturen auf, die Designkonzepte für Museen entwickeln. Bei diesen stellte er die fränkischen Vitrinen vor, das Unternehmen stellte vom direkten auf indirekten Vertrieb über die Agenturen um und beliefert auf diese Weise heute Museen in der ganzen Welt.

Doch nicht immer kann Benner helfen. In Sachsen sollten seine Ideen zur Sanierung eines Handwerksbetriebes beitragen. Er las am ersten Einsatztag die Unternehmensbilanzen, und ihm wurde klar, dass der Betrieb total überschuldet war. „Konkursverschleppung“, dachte Benner. Er rief den Steuerberater des Unternehmens an, nahm seinen Mandanten mit – und die drei verfassten ein Schreiben an den Konkursanwalt. Der Einsatz war beendet. Im Fall eines Frankfurter Nachtklubs, der in finanzielle Schieflage geraten war, half dagegen eine einfache Umstellung von Vollzeit- auf Teilzeitangestellte.

Experten-Service

„Für mich ist es eine Stimulation, wenn man sich immer mit neuen Dingen auseinandersetzen kann“, sagt Benner, während er seinen Cappuccino umrührt. Durch das Internet seien die Marketingkonzepte aus seinen Berufsjahren überholt. Doch durch den Experten-Service bleibt Gerhardt Benner aktiv und am Puls der Zeit, und Menschen wie ihn muss Bundespräsident Horst Köhler gemeint haben, als er die ehrenamtlichen Experten als „Avantgarde im demographischen Wandel“ lobte. Auch, wenn er fachlich mal nicht weiter wüsste, sagt Benner, könne er manchen Existenzgründern helfen: „Oft muss man nur zuhören und die Leute ermutigen, ihre guten Ideen umzusetzen.“

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Jahrgang 1981, Redakteur in der Wirtschaft.

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