22.03.2005 · Es könnte der größte Börsengang des Jahres werden. Die Immobilienbank Eurohypo rüstet sich für einen solchen Schritt im zweiten Halbjahr, wie Vorstandschef Bernd Knobloch gestern in Eschborn sagte.
Es könnte der größte Börsengang des Jahres werden. Die Immobilienbank Eurohypo rüstet sich für einen solchen Schritt im zweiten Halbjahr, wie Vorstandschef Bernd Knobloch gestern in Eschborn sagte. Entschließen müßten sich dazu die drei Großaktionäre, Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank, aus deren Hypothekentöchtern die Eurohypo entstanden war. Außerdem müsse der Markt günstig sein. "Wenn sogar ein Börsengang wie der von Premiere überzeichnet ist, sehe ich für die Eurohypo gute Chancen", meinte Knobloch. Die drei Großaktionäre halten zusammen 98 Prozent, zwei Prozent sind im Streubesitz. Die Großaktionäre erwägen, 40 bis 45 Prozent an die Börse zu bringen.
Das Ergebnis für 2004 war nach Knoblochs Angaben "gut, teilweise hervorragend". Das Vorsteuerergebnis stieg um 92,1 Prozent auf 611 Millionen Euro. Damit war die Eurohypo nach eigenen Angaben eine der ertragsstärksten Banken in Deutschland. "Wir sehen bis jetzt bei den privaten Banken nur die Deutsche Bank vor uns", sagte Knobloch. Der Jahresüberschuß stieg um 78,1 Prozent auf 431 Millionen Euro. Die Dividende soll auf 0,55 Euro angehoben werden, nachdem im vorigen Jahr nur die Streubesitz-Aktionäre überhaupt eine Dividende (0,45 Euro) erhalten hatten. 50 Millionen Euro sollen den Rücklagen zugeführt werden.
Zum letzten Mal griff der "Schutzschild", eine Besonderheit der Eurohypo: Bei der Gründung hatten die drei Großbanken gleichsam als Mitgift für die gemeinsame Tochter vereinbart, daß das neue Institut für die von ihnen übernommenen Kredite bei Ausfällen einen Teil überwälzen dürfe. Der Teil von Commerzbank und Dresdner Bank war schon 2003 aufgebraucht. Die Deutsche Bank gab zum letzten Mal 63 Millionen Euro dazu.
Die Zahl der Mitarbeiter der Eurohypo ging im abgelaufenen Geschäftsjahr um 59 auf 2734 zurück. Knobloch sagte, man habe noch einmal Berater im Haus - mit dem Ziel, die Geschäftsprozesse zu verschlanken: "Das könnte noch einmal eine Personalreduzierung bedeuten." Zahlen nenne man erst, wenn es soweit sei.
Durch den Umzug von Frankfurt nach Eschborn im vorigen Jahr hat die Eurohypo bislang offenbar noch keine Steuern gespart - weil sie nach Unternehmensangaben gar keine Gewerbesteuer gezahlt hat. "Wir hatten noch einen Verlustvortrag, der sich steuermindernd auswirkte", sagte eine Sprecherin. Laut Geschäftsbericht ging der theoretische Gesamtsteuersatz der Inlandsbank durch den Umzug von 41,42 Prozent (2003) über 38,96 Prozent (2004) auf voraussichtlich 37,62 Prozent (2005) zurück. CHRISTIAN SIEDENBIEDEL