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Erstes Fortführungskonzept Woolworth-Betriebsrat weiß nichts von Investor

30.05.2009 ·  Nach einem ersten Plan des Insolvenzverwalter soll knapp die Hälfte der Filialen von Woolworth unter dieser Marke erhalten bleiben. Den Mitarbeitern drohen deutliche Lohneinbußen. Der Betriebsrat vermisst derweil Daten zur Lage der Kette.

Von Thorsten Winter
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Carsten Kruse klingt beladen. Liegt dem Woolworth-Gesamtbetriebsratschef doch ein schwerer Brocken im Magen. Seit kurzem kennt er das erste Konzept des vorläufigen Insolvenzverwalters Ottmar Hermann für den künftigen Auftritt der zahlungsunfähigen Billigkaufhauskette – und Kruse findet es „nicht so berauschend“. Begründung: „Dass man beim Personal sparen würde, war uns klar. Aber dass es so in den Keller gehen würde. . .“ Wie Kruse berichtet, sollen 143 der 311 Geschäfte des Frankfurter Unternehmens unter der Marke Woolworth erhalten bleiben. Mit der Zahl 143 kann sich der Betriebsrat auch aus einem Grund nicht anfreunden: „Das gibt keine Marge im Einkauf“, meint er und spielt auf das fortan geringere Gewicht an, das Woolworth in Preisverhandlungen mit Lieferanten auf die Waage brächte.

Außerdem soll die verbleibende Belegschaft geldwerte Beiträge zur Sanierung leisten. Im Konzept ist von Löhnen und Gehältern zwischen 6,50 Euro und 10,50 Euro in der Stunde die Rede, wie er sagt. Auf 6,50 Euro kämen demnach etwa Beschäftigte, die Regale auffüllen, oder an der Kasse sitzen, berichet Kruse. Eine Kassenaufsicht könnte mit mehr Geld rechnen. Bisher zahle Woolworth bis zu 14 Euro je Stunde. Hinzu kommt: Mehr als 109 Stunden sollten Beschäftigten im Monat nicht arbeiten. Mit den sich daraus ergebenden Bezügen „kann man keine Familie ernähren“, sagt Kruse.

Betriebsrat beklagt Salami-Taktik

Darüber hinaus bekräftigt er seine Klage, das Insolvenzverwalter-Büro versorge den Betriebsrat nur scheibchenweise mit Informationen. So wisse er nichts von Investoren. Auch fehlten wichtige Daten zur Lage des Unternehmens – gleichzeitig sollten sich die Arbeitnehmervertreter bald zur Frage äußern, ob die 9700 von der Insolvenz betroffenen Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft wechseln sollten, wie Hermann fordert. Dies lehnt der Betriebsrat ab, da die Kräfte die bei Woolworth erworbenen Rechte verlören, etwa die tarifliche Eingruppierung.

Ein Sprecher Hermanns verhehlt diese Folge nicht. Allerdings bleibe dem Insolvenzverwalter nicht viel mehr übrig, als die Eckdaten bei Woolworth für einen Investor attraktiv zu gestalten. „Da sitzt der Investor am längeren Hebel“, gab der Sprecher zu bedenken. Das von Hermanns Berater Stefan Rohrer vorgelegte Konzept markiere einen Ausgangspunkt, von dem aus ein Investor die neue Woolworth in eine wettbewerbsfähige Zukunft führen könne. Die Zahl 143 sei nicht in Stein gemeißelt. Das Konzept müsse sich in der Realität stellen. Es könnten mehr oder weniger Läden werden. Den 168 übrigen Filialen drohte nicht automatisch das Ende, falls der Plan verwirklicht würde. Es gebe Interessenten, die kleinere Zahlen von Filialen erwerben wollten.

Gerüchte um früheren Woolworth-Chef

Ob der in Medienberichten genannte Investor Gordon Brothers dazu gehört, steht dahin. Der frühere Woolworth-Chef Robert Brech, über den behauptet wurde, er mische wieder mit, wollte sich dazu nicht näher äußern. Er sagte lediglich, für Gordon Brothers und einen Berliner Investor bei Hermann sondiert zu haben – „wie so viele andere“.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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