Home
http://www.faz.net/-gzj-qh08
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Erneuerbare Energien Strom erzeugen ohne Schadstoffe

21.05.2007 ·  Der anhaltende Preisauftrieb bei Öl und Gas belebt weiter die Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Dazu gehören Brennstoffzellen, wie sie die BASF Fuel Cell GmbH im Industriepark Höchst entwickelt und produziert.

Artikel Lesermeinungen (0)

Der anhaltende Preisauftrieb bei Öl und Gas belebt weiter die Nachfrage nach erneuerbaren Energien, die auch durch die Diskussion über den Klimawandel befeuert wird. So sind Solar- und Windkraft auch an der Börse in Mode, an der die Zukunft gehandelt wird und die nun ein weiteres, mutmaßlich zukunftsträchtiges Geschäftsfeld für sich entdeckt hat: die Brennstoffzellen-Technik. Noch im Mai will die Smart Fuel Cell AG aus Brunnthal bei München in Frankfurt an die Börse gehen. Die Firma setzt auf die netzunabhängige Stromversorgung. Sie hat Wohnmobilfahrer und Besitzer von Yachten ebenso im Blick wie Armeeangehörige, Nutzer von Laptops und Betreiber von Mess-Stationen. In diesem Potpourri findet sich das eine oder andere wieder, das auch die BASF Fuel Cell GmbH im Industriepark Frankfurt-Höchst vor Augen hat.

Anders als Smart Fuel Cell will dieses Unternehmen das fürs Wachstum notwendige Kapital nicht bei Investoren einsammeln, die ein Herz für alternative Energien haben. Zwar hat sie, als sie noch unter Pemeas Fuel Cell Technologies GmbH firmierte, einen Börsengang ins Auge gefasst. Allerdings ist es dazu nicht gekommen, weil der Chemiekonzern BASF zugegriffen und die Anteile der bisherigen Eigentümer übernommen hat. Mittlerweile liegt das Geschäft ein halbes Jahr zurück, und die Pemeas ist eben in BASF Fuel Cell umbenannt worden. Der Integrationsprozess neigt sich seinem Ende zu, wie der alte und neue Geschäftsführer Horst-Tore Land sagt. Das heißt: Unter dem Dach dieser GmbH werden die bisherigen Tätigkeiten der Pemeas und die Brennstoffzellen-Forschung des Mutterkonzerns und die des von der BASF gekauften amerikanischen Unternehmens Engelhard geführt.

Nicht nur für tragbare elektronische Geräte

Aus dem Bestand der Pemeas kommt das Herzstück von Brennstoffzellen, die, fast geräuschlos und ohne schädliche Abgase auszustoßen, Strom und Wärme aus Wasserstoff und Luft erzeugen: eine Membran, an der sich jene elektrochemische Reaktion abspielt, bei der Energie entsteht. Ihr Produktportfolio hat die 55 Mitarbeiter zählende BASF Fuel Cell jüngst bei der Hannover-Messe vorgestellt. Nach den Worten von Land zielt die Firma zum einen auf den Markt für tragbare elektronische Geräte und zum anderen auf „Backup power divices“: Brennstoffzellen, die als Reserveenergiespender eingesetzt werden sollen und zum Beispiel Strom für Telekommunikationsmasten von Mobilfunkfirmen liefern können, die bei Stromausfall über Batterien versorgt werden. Dieser Markt ist auch und gerade in Schwellenländern und großflächigen Staaten interessant, wie Land sagt. Die BASF Fuel Cell arbeite mit Kunden an Lösungen mit Brennstoffzellen.

Allgemein hängen an Brennstoffzellen erhebliche Wachstumsphantasien. Nach Schätzungen der Industrie wird der weltweite Markt im Jahr 2010 eine Milliarde Dollar und zehn Jahre später 20 Milliarden Dollar umfassen. Dazu passt, dass das Unternehmen im Höchster Industriepark nach den Worten des Geschäftsführers eine steigende Nachfrage in beiden Geschäftsfeldern spürt. Die Kunden signalisierten für die nächsten zwölf bis 24 Monate eine weiter steigende Nachfrage. „Die Geschäfte laufen gut“, sagt Land. Zahlen nennt er allerdings nicht.

Ausbau der Produktion „ein offener Prozess“

Die Pemeas hatte in der Vergangenheit regelrechte Umsatzsprünge verzeichnet. Hatte die Firma 2004 weniger als 100.000 Euro umgesetzt, so stiegen die Erlöse im Jahr 2005 auf 1,4 Millionen Euro; für das Folgejahr waren vier Millionen Euro eingeplant.

Forschung und Produktion werden laut Land in Höchst bleiben. Allerdings wird BASF in diesem Jahrzehnt noch zu entscheiden haben, wo die Produktionskapazitäten ausgebaut werden sollen. Und das ist ein ganz offener Prozess, wie Land hervorhebt.

Quelle: F.A.Z., 22.05.2007, Nr. 117 / Seite 48
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr