26.07.2006 · Der Bund besteuert Biodiesel von August an, die Rapsernte leidet unter der Hitze - und die Nachfrage steigt. Die Folge: Der Kraftstoff vom Acker wird teurer. Obwohl die Produktionskapazitäten steigen, etwa im Industriepark Höchst.
Von Thorsten WinterAuf vielen Feldern röhrt und staubt es. Denn nun dreschen die Bauern wieder. Sie nutzen trockenes Wetter vor allem zur Ernte von Raps. Denn bei Gewittern mit Hagel würden unzählige Schoten zum Platzen gebracht und die Rapskörner auf den Boden fallen. Dergleichen kann sogar zum Totalverlust bei dieser Ölfrucht führen. Deshalb versichern Landwirte vier Fünftel der Rapsernte gegen Unwetterschäden, so die Vereinigte Hagel-Versicherung. Aber nicht nur die Erzeuger und die Bauern, die die Olfrucht als Viehfutter nutzen, haben ein Interesse an guten Ernten: Biodiesel-Hersteller benötigen ebenfalls Raps. Zu ihnen zählt das Unternehmen Cargill mit Sitz in den Vereinigten Staaten. Cargill betreibt in Mainz eine Ölmühle und läßt derzeit im Industriepark Frankfurt-Höchst eine große Biodieselanlage errichten.
25 Millionen Euro investiert der auf landwirtschaftliche Güter spezialisierte Konzern in diese Fabrik. Die Anlage soll spätestens in der ersten Septemberhälfte in Betrieb genommen werden und künftig bis zu 250 000 Tonnen Kraftstoff vor allem aus Raps ausstoßen, den Cargill vor allem aus der Region beziehen will. Zum Vergleich: Hierzulande werden etwa 2,4 Millionen Tonnen Biodiesel als Beimischung in mineralischem Diesel oder in Reinform im Jahr verbraucht. Wobei die Nachfrage steigt - und auch durch die von August an geltende Steuer von neun Cent je Liter Rapssprit nicht leiden wird, wie Stefan Schreiber, Cargill-Manager für Biodiesel in Deutschland, meint.
Nachfragemenge wird festgeschrieben
Diese neun Cent rügt der Hessische Bauernverband als zu hoch - gerade im Vergleich zur anhaltenden Steuerfreiheit bei Flugbenzin und angesichts der starken Abhängigkeit von Ölimporten. Sie stehen für die erste Stufe der Steuertreppe, mit der die Bundesregierung die Subventionen bei Biodiesel schrittweise abbaut. Noch erhebt der Staat gar keine Steuer auf Kraftstoffe aus nachwachsenden Ölrohstoffen, im Jahr 2012 sollen es 45 Cent je Liter sein.
Der Markt, auf dem sich auch Cargill tummelt, ist zweigeteilt. Ein Teil wird B5 genannt und umfaßt die Beimischungen von fünf Prozent Biosprit je Liter Diesel. Und diese Größe dürfte zementiert werden. Denn zum Januar nächsten Jahres will der Bund die Hersteller von Kraftstoffen verpflichten, nur noch Diesel mit einem Bio-Anteil von fünf Prozent abzugeben. Aus Sicht von Cargill ist nach den Worten von Schreiber für den B5-Markt gleich, ob Biodiesel wie bisher steuerfrei verkauft oder ob die Beimischung zur Pflicht wird. Die Kraftstoffhersteller hätten so oder so lediglich die Wahl, bei welchem Anbieter sie Biodiesel kaufen. „Das ist der normale Wettbewerb, und für den fühlen wir uns gut gerüstet“, sagt Schreiber. Unter dem Strich werde die Nachfragemenge durch den Staat festgeschrieben, weil bis Jahresende ohnehin alle deutschen Raffinerien Rapssprit beimischten.
Eine Frage des Preisvorteils
Der andere und größere Teil des Biodieselmarkts firmiert unter B100, was für den Verbrauch von reinem Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen vor allem durch Spediteure steht. B100 macht derzeit 60 Prozent des deutschen Biodieselmarkts aus und lebt auch und gerade vom Preisvorteil: Rapssprit ist etwa zehn Cent je Liter günstiger als üblicher Diesel. Das wird sich aber ändern. Denn 2008 schlägt der Staat weitere sechs Cent an Steuern auf. Schreiber geht aber nicht davon aus, daß von August an Biodiesel um neun Cent und übernächstes Jahr um sechs Cent teurer wird. Vielmehr rechnet er nur mit der Weitergabe eines Teil der Steuern an den Verbraucher; der andere Teil bleibe bei Erzeugern, Zwischenhändlern und Tankstellen hängen und schmälere die Gewinnspannen. „Überall wird ein bißchen was abgezwackt - wieviel es sein wird, muß der Markt erst herausfinden.“
Kritisch für den B100-Markt könnte es von 2009 an werden, wenn die Steuer weiter erhöht wird. Letztlich kommt es aber auf das Verhältnis der Preise von Raps und Mineralöl an, wie der Manager sagt. Wenn sich die Ölfrucht nicht so stark verteuere wie Mineralöl, dann wären weitere Steuererhöhungen für diesen Teil des Biodieselmarkts im Zweifelsfall verkraftbar - weil ein Preisvorteil bliebe. Mit sinkenden Kosten in der Biodieselproduktion rechnet er nicht. Rapssprit herzustellen, werde weiter teurer bleiben als die Produktion von normalem Diesel. Begründung: Die Nachfrage wird steigen, weil Belgien ebenso wie die Niederlande Biokraftstoffe vom nächsten Jahr an fördern wird; Belgien durch den Verzicht auf Steuern, die Niederlande durch eine Beimischungspflicht, die von 2008 an auch in Großbritannien gelten wird. Außerdem steigt in Asien, den Vereinigten Staaten und Südamerika der Bedarf an Biodiesel.
Keine Beihilfen für Raps-Bauern
Zwar hat in Europa, dem wichtigsten Rapserzeuger, der Anbau dieser Ölfrucht in den vergangenen Jahr stark zugelegt; so ist laut Bauernverband in Hessen rund ein Fünftel der Getreideanbauflächen mit Raps belegt, knapp zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Doch leidet die Rapsernte, die hierzulande von 2004 auf 2005 von vier auf fünf Millionen Tonnen geklettert war, diesmal unter der Hitze und dürfte laut Bauernverband kaum über Vorjahresniveau liegen. Da die Preise weltweit frei ermittelt werden, also auch Bauern in Europa für sogenannten Nonfood-Raps keine Beihilfen erhalten, seien weitere Steigerungen programmiert. Und dieser Aufwärtstrend könnte steiler ausfallen als bei herkömmlichem Diesel - zum Nachteil von Biosprit, wie Schreiber befürchtet.