30.07.2004 · Hessens Minieralbrunnen klagen über einen Umstzrückgang. Allerdings hatte ihnen der heiße Sommer 2003 auch erhebliche Zuwächse beschert. Und es gibt auch positive Stimmen: Gegen den Trend schwimmt in diesem Jahr die Odenwaldquelle aus Heppenheim.
Nach Hitze-Absatzrekorden im vergangenen Jahr leiden die hessischen Mineralbrunnen in diesem Sommer unter dem schlechten Wetter. Die meisten Unternehmen müssen im Vergleich zum Vorjahr deutliche Einbußen hinnehmen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag ergab. Der hessischen Marktführer Hassia aus Bad Vilbel verlor nach eigenen Angaben nahezu die gesamten zweistelligen Zugewinne des vergangenen Jahres. „Wir gehen durch ein Tal der Tränen“, sagte der Chef der Selters Mineralquelle Löhnberg, Ingo Vialon.
Der wochenlange Hitzewelle im vergangenen Jahr hatte die Umsätze der hessischen Mineralquellen sprudeln lassen. Alle Unternehmen füllten Wasser bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten ab. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) tranken die Hessen im vergangenen Jahr rund 1,6 Milliarden Liter Mineralwasser und Erfrischungsgetränke - das waren 22,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein im Juni 2004 brach der Umsatz laut VDM dagegen um mehr als 20 Prozent ein.
Aktionen können fehlende Sonnentage nicht ausgleichen
Hassia habe im Sommer 2004 zwar nicht das gesamte Plus des Vorjahres wieder verloren, sagte Marketing-Geschäftsführer Ulrich Schweitzer. Aktionen und Werbung könnten die fehlenden Sonnentage jedoch nicht ausgleichen. Im vergangenen Jahr hatte Hassia täglich bis zu 3,4 Millionen Liter Wasser und Erfrischungsgetränke abgefüllt - normalerweise sind es nur zwei Millionen. Die Hassia & Luisen Mineralquellen sind mit ihren zahlreichen Marken wie Elisabethen, Rosbacher und Bad Vilbeler Ur-Quelle das fünfgrößte Mineralwasser- Unternehmen in Deutschland.
Die schwächere Absatz macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Das Unternehmen habe deutlich weniger Zeitarbeitskräfte eingestellt, sagte Schweitzer. Die Hassia-Gruppe beschäftigte im vergangenen Jahr 1040 Menschen und erzielte einen Umsatz von 225 Millionen Euro.
Bei Selters machen sich noch immer die Auswirkungen des Einwegpfandes bemerkbar. Das Unternehmen senkte seinen Einweganteil von 20 Prozent im vergangenen Jahr auf unter fünf Prozent. Der Verkauf von Mehrwegflaschen könne das nicht ausgleichen, sagte Geschäftsführer Vialon. Zudem schmälere das kühle Wetter den Absatz. „Die Mengen werden im Sommer gemacht“, sagte Vialon. „Selbst ein guter Herbst und Winter bringen uns nicht zurück ins Plus.“
Auch das Familienunternehmen RhönSprudel in Ebersburg bei Fulda rechnet mit einem unterdurchschnittlichen Jahr. Statt bis zu zwei Millionen Flaschen pro Tag füllen die Osthessen in diesem Sommer nur rund 1,5 Millionen Flaschen pro Tag ab. „Die restlichen Wochen des Sommers werden das Bild nicht ändern“, sagte Prokurist Albrecht Maier.
„Verbraucher greifen eher zu regionalen Produkten“
Ähnlich sieht die Situation bei Förstina-Sprudel aus Eichenzell in der Rhön aus. Der Umsatz sei im Vergleich zum Rekordjahr 2003 um rund 6 Prozent gesunken. „Wir liegen aber deutlich über dem Ergebnis von 2002 und sind mit dem Verlauf des Jahres dennoch zufrieden“, sagte Verkaufsleiter Peter Seufert. Er sieht Vorteile für Mineralbrunnen mit einem Absatzgebiet in der Nähe des Unternehmenssitzes. „Die Verbraucher greifen eher zu regionalen Produkten.“
Gegen den Trend schwimmt in diesem Jahr die Odenwaldquelle aus Heppenheim, die jährlich rund 84 Millionen Liter Mineralwasser verkauft. Sie konnte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um ein Viertel erhöhen. „Diese Marke wollen wir halten, auch wenn es in diesem Sommer nicht so heiß wird“, kündigte Geschäftsführer Achim Kalweit an. Die Zahlen für das erste Halbjahr wiesen bereits erneut ein Plus von knapp sechs Prozent aus.