27.09.2007 · Zigarettenverbot im Zug, bald auch in Kneipen und Behörden - die Luft für Raucher in Hessen wird dünner. Warum nicht aufhören? Mit psychologischer und medizinischer Unterstützung schafft gut ein Drittel dauerhaft den Ausstieg.
Von Petra KirchhoffDas ist bestimmt die letzte Zigarette – wie oft hat man es sich schon vorgenommen, alle angebrochenen Päckchen und Feuerzeuge in den Mülleimer geworfen und ist dann doch bei nächstbester Gelegenheit – da reicht schon ein Streit mit dem Partner oder ein Anranzer vom Chef – wieder rückfällig geworden. Die Zigarette – Freund und Tröster in der Not.
7,6 Millionen Menschen in Deutschland versuchen jährlich mit dem Rauchen aufzuhören. Gern zum Jahreswechsel, wenn man gute Vorsätze fasst. Anfang Januar, berichten Apotheker in Frankfurt, ist die Nachfrage nach Nikotinpflastern und -kaugummis besonders groß. Doch nur die wenigsten starken Raucher kommen aus eigener Kraft mit dem sogenannten kalten Entzug – so nennen Ärzte den spontanen Entschluss ohne lange Vorbereitung – von der Zigarette los.
Erfolgsquote von 30 Prozent
Wer richtig abhängig ist – und das ist nahezu jeder zweite Raucher –, braucht therapeutische Unterstützung, da er einen schwachen Willen hat. „Das liegt in der Natur des Suchtgefährdeten“, sagt Professor Thomas Wagner, Leiter der Lungenfachabteilung an der Universitätsklinik Frankfurt. „Wer einen starken Willen hat, ist in der Regel Nichtraucher.“
In wissenschaftlichen Studien wurde Wagner zufolge nachgewiesen, dass bei einem spontanen Ausstieg nur 20 bis 25 Prozent der Raucher tatsächlich länger als ein Jahr ohne Zigarette auskommen. Mit therapeutischer Begleitung steigt die Quote auf bis zu 40 Prozent. Mediziner empfehlen daher Raucherseminare mit verhaltenstherapeutischem Ansatz. Das sei die Basis für eine erfolgreiche Nikotinentwöhnung, betont Anil Batra, Leitender Oberarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik in Tübingen. Er leitet einen Arbeitskreis zur Raucherentwöhnung, an dem etwa 200 Patienten im Jahr teilnehmen mit einer Erfolgsquote von 30 Prozent. Erfolg heißt auch hier: wenigstens ein Jahr Abstinenz.
Allgemein durchgesetzt hat sich das Trainingsprogramm „Rauchfrei in zehn Schritten“, das die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bereits 1970 mit dem Max-Planck-Institut in München erarbeitet hat. Es ist das älteste Entwöhnungsprogramm für Raucher in Deutschland und wird heute vom Institut für Therapieforschung München betreut und weiterentwickelt. Inzwischen heißt es „Rauchfrei-Programm“. Nach einem neuen Konzept wird der Zigarettenkonsum nicht mehr nach und nach, also von Sitzung zu Sitzung, reduziert. Vielmehr hören die Teilnehmer nach der vierten Sitzung komplett mit dem Rauchen auf. Die 3000 Kursusleiter, mit denen das Institut bundesweit zusammenarbeitet, werden gerade nachgeschult.
Krankenkassen beteiligen sich an Seminarkosten
Beibehalten freilich wurde der verhaltenstherapeutische Grundgedanke, dass unerwünschtes Verhalten, in diesem Fall das Rauchen, durch das Erlernen neuen Verhaltens verändert und abgestellt werden kann. Sabine Gradl, verantwortliche Referentin für das Rauchfrei-Programm, nennt ein Beispiel für eine „Ministrategie“: Wer früher gern mit den Kollegen in der Raucherecke an der Zigarette gezogen hat, nimmt heute stattdessen einen Schluck aus der Wasserflasche.
Anlaufstellen für Raucher gibt es viele. Die Volkshochschulen bieten Entwöhnungskurse regelmäßig an. Auch die Krankenkassen veranstalten oder vermitteln Seminare, die auf dem verhaltenstherapeutischen Ansatz basieren. Darüber hinaus gibt es auf dem grauen Markt noch jede Menge Behandlungsmethoden wie etwa Akupunktur und Hypnose, für die es jedoch keine wissenschaftlich fundierten Studien gibt.
Da die Abhängigkeit von Nikotin nicht als Krankheit gilt und die Raucherentwöhnung im Sozialgesetzbuch als Präventionsmaßnahme geführt wird, liegt es im Ermessen der Krankenversicherung, ob sie Kosten für Kurse erstattet oder nicht. Die Barmer Ersatzkasse übernimmt bis zu 75 Euro, die AOK Hessen bis zu 98 Euro der Seminarkosten. Die zunehmende Diskriminierung der Raucher aufgrund neuer Gesetze spiegelt sich nach Angaben der Krankenkassen in den Teilnehmerzahlen bisher nicht wider. „Offensichtlich brauchen oder wollen die wenigsten dabei Unterstützung“, sagt eine Sprecherin der Barmer.
„Königsweg“ beim Entzug
Unterstützung holen sich viele Raucher dagegen in der Apotheke. Nikotinpflaster, -kaugummis und -spray helfen beim Ausstieg und erhöhen den Abstinenzanreiz vor allem dann, wenn sie mit einer Therapie kombiniert werden. „Nur in die Apotheke gehen, Pflaster kaufen und auf den Arm kleben, das hilft nicht“, sagt der Tübinger Mediziner Batra. Kollegin Grandl beschreibt die Kombination von Therapie und Nikotinersatzstoffen als den „Königsweg“ beim Entzug.
Was ein Raucher braucht, findet ein Arzt nach den Erfahrungen von Professor Wagner an der Uniklinik Frankfurt schnell im Gespräch mit dem Patienten heraus. Dem einen, der morgens aufwacht, weil er den dringenden Wunsch nach einer Zigarette hat, hilft womöglich die Zufuhr von Nikotinersatzstoffen über ein Pflaster. Der andere ist empfänglich für Antidepressiva wie Bupropion oder den recht neuen Wirkstoff Vareniclin.
Er blockt im Gehirn an demselben Rezeptor an, an den sich auch das Nikotin bindet. „Er verstellt im Kopf die Begehrlichkeiten“, beschreibt es Wagner. Die verschreibungspflichtigen Tabletten, für die eine Behandlungsdauer von drei bis sechs Monaten empfohlen wird, sind allerdings teuer. Sie kosten vier Euro am Tag – so viel wie ein Päckchen Zigaretten.
Hier gibt es Hilfe
Wege, um Nichtraucher zu werden, gibt es viele. Jeder muss für sich herausfinden, was er braucht. Stark abhängigen Rauchern empfehlen Mediziner ein Rauchfrei-Programm mit verhaltenstherapeutischem Ansatz.
Seminare vermitteln und bieten unter anderem Krankenkassen an und bezuschussen diese. Auch das Bürgerhospital in Frankfurt hat Seminare im Angebot (0 69/1 50 08 80). Bei der VHS Frankfurt beginnt am 16. Oktober ein Seminar „Rauchfrei in zehn Schritten“. Der Informationsabend dazu findet am 2. Oktober in der Sonnemannstraße statt. Infos gibt es unter der Nummer 0 69/21 27 15 01 oder im Internet: www.vhs.frankfurt.de.
Nikotinersatzmittel wie Pflaster und Kaugummi können die körperlichen Entzugserscheinungen verringern. Sie gibt es rezeptfrei in der Apotheke. 30 Kaugummis kosten knapp zehn Euro. Verschreibungspflichtig sind dagegen Wirkstoffe wie Vareniclin oder Bupropion.
Bücher haben Rauchern auch schon geholfen. Das bekannteste ist der Bestseller „Endlich Nichtraucher“ des inzwischen an Lungenkrebs verstorbenen Allen Carr.
Wer richtig abhängig ist, braucht therapeutische Unterstützung - Unsinn!
Michael Bernhard (michael1171)
- 27.09.2007, 20:09 Uhr
Pflichte bei - aufhören zu rauchen ist ganz einfach.
Ulrich Hinderer (eisbaer_78)
- 27.09.2007, 21:02 Uhr