22.06.2008 · Enthaarungsstudios sind der neue Trend in der Kosmetikszene. In Frankfurt hat es etwas länger gedauert als anderswo, jetzt eröffnet der erste Waxing-Salon. Mit Honigmasse und Zuckerpaste werden lästige Härchen ausgerupft.
Von Petra KirchhoffWildwuchs war einmal. Mit Sprüchen wie „Sie hat Beine wie ein Reh – nicht so schlank, aber so haarig“ kann ein Mann bei anderen Männern keinen Punkt mehr machen. Vorbei die Zeiten, in denen sich die deutsche Frau mit Büscheln unter den Achseln zur sexuellen Befreiung bekannte. In hiesigen Badezimmern wird heute – nicht zuletzt angeheizt durch die amerikanische Kultserie „Sex and the City“ – rasiert und epiliert, was die Klingen und Pinzetten hergeben. Und die Männer zupfen munter mit.
Der Trend geht zur Intimfrisur
Schon ist die Rede von einer Anti-Pelz-Bewegung. Denn es geht längst nicht mehr nur um Achseln, Beine und Bikinizone. Stars und Sternchen sprechen davon, Tausende Namenlose tun es einfach: lassen sich die Haare am ganzen Körper entfernen, inklusive der Schamhaare. Alternativ dazu gibt es die Intimfrisur, bei der Muster wie Streifen, Herzen und Initialen eingearbeitet werden – eine neue Form des Körperschmucks. Nach einer Studie des Rasierklingenherstellers Wilkinson rasieren sich 60 Prozent der deutschen Frauen zwischen 20 und 29 Jahren den Genitalbereich, in Großstädten sind es sogar 81 Prozent. Das wäre vor wenigen Jahren in Deutschland noch undenkbar gewesen. Intimrasur – das war allenfalls etwas für Darsteller in Pornofilmen.
„Brazilian Waxing“ heißt die gängige Methode, bei der die Haare im Intimbereich mit Wachs entfernt werden. Der Vorteil: Die Haare wachsen deutlich später und weicher nach als bei der Nass- oder Trockenrasur. Wie sehr das Thema Anhänger der Kahlschlagkultur beschäftigt, kann man in Internetforen nachlesen. Dort tauschen sich Teilnehmer eifrig aus. Und die wichtigste Frage lautet stets: Kennt jemand ein „Wax“-Studio in der Nähe? Nach Frankfurt kommt jetzt eines. Die Senzera GmbH wird morgen ein erstes Studio mit vier Kabinen an der Ecke Schweizer/Gartenstraße eröffnen. Es ist in Deutschland die elfte Filiale der Franchise-Kette, die wie die Konkurrenz Wax in the City (sechs Studios) zu den namhaften Enthaarungsdienstleistern in der Branche zählt.
Epilieren in der Mittagspause
Der Andrang in einem ersten Senzera-Studio in Düsseldorf etwa war so groß, dass jetzt ein zweiter Salon eröffnet wurde. In Berlin und Köln ist Senzera ebenfalls doppelt vertreten. Auch in Frankfurt soll es bald zwei Salons geben. Wax in the City sucht noch nach einem passenden Standort am Main.
Bisher war die Haarentfernung auf Zeit vor allem Sache der Kosmetikstudios – anders als in Nord- und Südamerika oder Frankreich, wo Frauen wie selbstverständlich in der Mittagspause zur Depiladora gehen oder ins Espace d’Epilation. Das Problem: Die Kosmetikstudios kennen sich mit Wachs nicht immer gut aus. Außerdem trauen sich nur die wenigsten an die empfindlichen Intimzonen heran.
Dieses Manko erkannten vor drei Jahren die Marketing-Expertin Christine Margreiter und die Unternehmensberaterin Sibylle Stolberg, die Gründerinnen von Wax in the City. „Die Nachfrage war da, aber es gab kein Angebot“, sagt Margreiter. Also entwickelten sie ein Geschäftskonzept: ein Studio, in dem speziell zur Enthaarung ausgebildete Kräfte Frauen wie Männer schnell und relativ günstig mit Wachs von ihren Haaren befreien, und zwar ohne vorherige Terminvereinbarung. Walk-in-Service heißt das in der Marketingsprache, etwas lockerer ausgedrückt: „Wax to go“.
Ein ähnliches Konzept stellten zur gleichen Zeit die drei männlichen Gründer der Senzera GmbH auf die Beine. Allerdings arbeitet Senzera nur mit Terminen, und die Studios sind kein reiner Wachs-Betrieb. Außer Enthaarung werden Standardbehandlungen wie Maniküre und Gesichtsbehandlung angeboten. Hauptarbeit ist jedoch die Enthaarung. Gerupft und gezupft (Motto „Lass waxen statt wachsen“) wird in diesem Fall wie bei der Konkurrenz mit Honigwachs. Neu im Programm ist die Methode „Sugar“, bei der eine Paste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser angerührt wird. Mit dieser ließen sich Haare besonders gründlich und hautschonend entfernen, heißt es. Sie sei auch für Menschen mit Neurodermitis geeignet.
Frankfurt als Nachzügler beim Waxing
Was machen die „Waxing“-Ketten, die sich ganz selbstverständlich nach amerikanischer Art schreiben, anders als ein herkömmliches Kosmetikstudio? „Ein Kosmetikstudio macht vielleicht zweimal am Tag ein Waxing, wir machen es hundertmal“, sagt Monique Mooren, Assistentin der Geschäftsführung bei Senzera. Außerdem werde die Dienstleistung günstiger angeboten als anderswo. Nach der Senzera-Preisliste für Frankfurt kostet die komplette Enthaarung der Beine 25 Euro, die „Bikinizone klassisch“ zwölf, und vollkommen haarlos wird die Scham für etwas mehr als das Doppelte.
Dass „Sex and the City“ ins Fernsehen kam, ist schon ein paar Jahre her, und dass die Enthaarungsspezialisten die Rhein-Main-Region entdeckt haben mit ihren vielen jungen arbeitenden Frauen, die bereit sind, für schnelle und bequeme Schönheitsdienstleistung zu zahlen, erscheint auch nicht gerade früh. „Wir hatten viele Anfragen aus Frankfurt“, sagt die Senzera-Sprecherin. Allerdings sei es nicht einfach, in der Stadt der Hochhäuser und extrem hohen Innenstadt-Mieten den richtigen Standort zu finden.
Zentral, aber in der zweiten Reihe – so umschreibt „Wax in the City“-Geschäftsführerin Christine Margreiter die Standortsuche. Enthaarung solle einerseits nicht mehr im Hinterstübchen stattfinden, auf der anderen Seite gelte: „Es muss nicht jeder sehen.“ Insofern haben es die Ketten auf sogenannte 1-B-Lagen abgesehen: Schweizer Straße, Leipziger Straße, Berger Straße. Für Margreiter steht dabei auch fest: „Es ist ein urbanes Konzept. Auf dem Dorf wird es nicht funktionieren.“