20.12.2007 · Heizölhändler beklagen herbe Absatzeinbußen. Viele Hausbesitzer warten derweil auf bessere Preise. Doch bisher ist davon nichts zu sehen. Im Gegenteil.
Von Thorsten WinterSilke Weimer reibt sich die Hände. „Ich habe im August den Tank vollgemacht“, sagt die Chefin einer Kindertagesstätte in der Nähe von Butzbach. Zwar hatte so mancher Bekannter ihr geraten, noch kein Heizöl zu bestellen, da der Preis des Brennstoffs sich seinerzeit im Steigflug befand. Doch all jene, die auf niedrigere Preise gewartet haben, haben sich verkalkuliert: Seit August ist leichtes Heizöl teurer statt billiger geworden – anders als vor Jahresfrist, als nach einem Höhenflug im Spätherbst der Preis merklich einknickte (siehe Grafik).
Und es muss eine stattliche Zahl von Hauseigentümern sein, die vergebens auf günstigeres Heizöl gewartet haben, wie sich aus der neuesten Meldung des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte in Mannheim herauslesen lässt. Demnach ist der Absatz von Heizöl im zu Ende gehenden Jahr um rund 40 Prozent im Vergleich zu 2006 zurückgegangen. Der Verband, der außer Hessen auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen abdeckt, spricht angesichts dieser Zahl von einem drastischen Einbruch bei den Bestellungen.
„Viele haben noch genug im Tank“
„Die Nachfrage war ungewöhnlich verhalten. Erst im Oktober und November hatten wir steigende Zahlen bei den Bestellungen registriert“, sagt der Verbandsvorsitzende Rudolf Bellersheim. Brennstoffhändler im Rhein-Main-Gebiet bestätigen diese Aussagen. „Das ganze Jahr ist schlecht gelaufen“, heißt es etwa bei Pehlke Heizöl in Frankfurt. Als „sehr ruhig“ beschreibt AKR Brennstoffe in Friedrichsdorf den Geschäftsverlauf über weite Strecken des Jahres. „Viele haben nach dem letzten milden Winter noch genug im Tank“, heißt es bei Pehlke Heizöl zur Begründung.
Zudem habe sich das Bestellverhalten der Kunden verändert: „Früher haben sich die Leute eingedeckt, wenn die Heizperiode rum war.“ Mittlerweile tanke so mancher erst im Sommer – in der Hoffnung, weniger als im Frühjahr zahlen zu müssen. „Wir haben die Leute im Frühjahr angeschrieben, als der Liter Heizöl 40 bis 50 Cent gekostet hat – und sie haben nichts gekauft.“ Dafür häuften sich dann im Sommer die Bestellungen, als nicht nur die Nachfrage höher war, sondern auch das Preisniveau.
Dabei zeigt gerade der Heizölmarkt, dass nicht immer Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen müssen. „Der Heizölpreis ist sehr stark mit dem Preis für Rohöl korreliert“, sagt Dora Borbély, Rohstoff-Analystin der Dekabank in Frankfurt. „Beide Preise laufen sehr eng zusammen.“ Das heißt: Wenn Rohöl teurer wird, wie es seit Mitte Januar mit nur kurzen Rücksetzern der Fall gewesen ist, zieht Heizöl mit – auch wenn es deutlich weniger gefragt sein sollte als vor Jahresfrist. In dieser Zeit hat sich das Barrel Rohöl (159 Liter) an den Börsen, in der Handelswährung Dollar gerechnet, um 60 Prozent verteuert – in Euro ist sein Preis wegen des schwachen Dollar um 42 Prozent gestiegen.
„Überraschung nach oben“ beim Rohölpreis nicht ausgeschlossen
Nun sieht Borbély das derzeitige Preisniveau bei Rohöl für übertrieben an. Gemessen an Angebot und Nachfrage, wären aus ihrer Sicht rund 75 Dollar gerechtfertigt und nicht rund 90 Dollar, die derzeit zu Buche stehen. Für den Preisaufschlag sind nach ihren Analysen vor allem nichtkommerzielle Händler an den Börsen verantwortlich, die Rohöl als Spekulationsobjekt ansehen. „Viele sind derzeit ,long‘ positioniert, wetten also auf steigende Kurse“, erläutert die Analystin. Hinzu kämen auch die auf dem Ölmarkt üblichen Risikoprämien, die verlangt werden, weil Erdöl in einer Reihe politisch unsicherer Gebiete gefördert wird – obwohl es in diesen Wochen relativ ruhig zugehe.
Außerdem sind die amerikanischen Öllagerbestände „alles andere als beunruhigend“, wie die Analystin sagt. Die Amerikaner haben zwar zuletzt leicht geschrumpfte Vorräte gemeldet – die Zahlen fielen laut Borbély aber unspektakulär aus. Der Markt ist zwar relativ eng, aber in den 30 Ländern der OECD, zu denen unter anderen die Vereinigten Staaten von Amerika, Deutschland, Frankreich und Großbritannien zählen, liegen die Vorräte über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt, wie sie weiter erläuterte.
Ihre Schlussfolgerung: „Wenn die Wirtschaftsdaten zeigen, dass die Konjunktur in Amerika und Euro-Land abkühlt, dann sollte der Ölpreis nach unten gehen. Wir rechnen damit, dass es in den nächsten Wochen dazu kommt.“ Wer könne, sollte angesichts dessen lieber mit seiner Heizöl-Bestellung noch etwas warten, meint sie. Allerdings will sie das nicht als Tipp verstanden wissen. Denn: Beim Rohölpreis sei eine „Überraschung nach oben“ niemals ausgeschlossen – der Ölmarkt reagiere sensibel und mit anziehenden Preisen auf beunruhigende Nachrichten.
Kaufen oder Abwarten?
Vor diesem Hintergrund halten sich auch Verbraucherberater mit Empfehlungen zum Kaufen oder Abwarten zurück. „Man kann Verbrauchern aber raten, sich vom Ölpreis unabhängiger zu machen“, sagt Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Zu diesem Zweck gelte es, Gebäude zu sanieren, indem etwa die Wärmedämmung verbessert werde. Dabei gibt es nach seinen Worten erhebliches Sparpotential nach entsprechenden Investitionen: „Derzeit werden in Deutschland im Durchschnitt rund 20 Liter Heizöl je Quadratmeter und Jahr verbraucht, doch nach einer Studie der Unternehmensberatung von McKinsey könnte dieser Wert bis auf sieben Liter sinken.“