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Dienstag, 18. Juni 2013
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Energie Mainova plant ein Kraftwerk in Höchst

 ·  In Hessen werden zwei neue Kraftwerke gebaut. Die Mainova plant den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Höchst. Außerdem soll zwischen Bebra und Bad Hersfeld eines der größten Kraftwerke Deutschlands entstehen.

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Die Pläne der Mainova AG, in größerem Umfang als bisher selbst Strom zu erzeugen, werden konkreter. Wie der Vorstandsvorsitzende Ewald Woste gestern auf Anfrage sagte, plant das Unternehmen, auf dem Gelände des früheren Hoechst-Stammwerks in Frankfurt ein großes Kraftwerk zu bauen. In dem heutigen Industriepark sei ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk geplant.

Die Leistung wollte Woste nicht nennen; zur Investitionssumme sagte er: „Da reden wir schnell über 300 Millionen Euro.“ Schon im vergangenen Jahr hatte die Mainova angekündigt, gemeinsam mit anderen Energieversorgern in einen Kraftwerksneubau in Bayern zu investieren. Woste hatte damals gesagt, seit die Preise stiegen, lohne es sich wieder, selbst Strom zu erzeugen.

Allerdings seien die Standorte dafür rar. Voraussetzung für den Bau eines Kraftwerks sei nicht zuletzt ein großer Abnehmer. Der Mainova-Chef bekräftigte gestern, das Unternehmen prüfe Standorte für weitere Investitionen dieser Art, auch im Rhein-Main-Gebiet.

1000 Megawatt Leistung

Es ist die zweite Ankündigung für den Bau eines Kraftwerks in Hessen binnen weniger Tage: Am Mittwoch war bekanntgeworden, daß zwischen Bad Hersfeld und Bebra eines der größten Kraftwerke Deutschlands entstehen soll - mehr als 1000 Megawatt sollen aus zwei Gas- und Dampfturbinenanlagen gewonnen werden.

Der Investor war bisher nicht bekannt; die Nachrichtenagentur Dow Jones meldete, es handele sich um den zweitgrößten spanischen Energieversorger Iberdrola SA. Auch in diesem Fall ist von einer Investitionssumme in Höhe von 300 Millionen Euro die Rede. Außerdem will die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG auf der Ingelheimer Aue in Mainz ein altes Gas- und Dampfkraftwerk durch ein Kohlekraftwerk ersetzen.

Unterdessen kommt in die ins Stocken geratene Diskussion um eine Neuordnung der Energieversorgung im Rhein-Main-Gebiet wieder Bewegung. Nachdem ein Zusammenrücken der Mainova mit der Energieversorgung Offenbach und der Mannheimer MVV Energie im Herbst gescheitert war, hat jetzt der Chef des Darmstädter Energieversorgers Heag Südhessische Energie AG ein Engagement der Landesregierung in der Frage einer Konsolidierung der Branche angemahnt.

Konsolidierung der Branche

Albert Filbert rief während einer Veranstaltung am Donnerstag abend den hessischen Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) auf, endlich eine Strukturpolitik in der Energiewirtschaft zu betreiben. Er verwies auf Baden-Württemberg und Bayern, wo in den vergangenen Jahren auf Druck der jeweiligen Regierungen schlagkräftige Energieversorger entstanden seien. Namentlich erwähnte Filbert die EnBW Energie Baden-Württemberg AG, die 1997 aus der Badenwerk AG und der Energie-Versorgung Schwaben AG hervorgegangen war; EnBW ist heute der drittgrößte deutsche Energieversorger.

Der Vorstoß Filberts wurde gestern von seinem Amtskollegen vom Mainova-Chef unterstützt. Woste sagte, es wäre schon spannend, „wenn sich das Land erklären würde, wie sich die Energieversorger-Landschaft in Hessen in den nächsten Jahren entwickeln soll“. Er erinnerte daran, daß sich die Landesregierung in einer anderen Branche, der Finanzwirtschaft, durchaus klar positioniert habe, wie ihre Sparkassenpolitik zeige.

Einig sind sich Filbert und Woste darin, daß eine Konsolidierung der Branche notwendig sei. Der Kostendruck werde zunehmen, schon durch die Regulierung der Entgelte, die die Unternehmen für die Durchleitung fremden Stroms verlangen dürften. Während der Veranstaltung in Darmstadt erinnerte der Energiewissenschaftler Dieter Schmitt, Emeritus der Universität Essen-Duisburg, daran, daß die Landschaft der Energieversorger im Rhein-Main-Gebiet stärker zersplittert ist als irgendwo sonst.

Gemeinsame Netzgesellschaft

Gerade in diesem Teil Deutschlands erschienen deshalb Zusammenschlüsse sinnvoll. Die Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet könnten damit „fast so etwas wie eine Gegenmacht“ zu den großen Energieversorgern in Deutschland werden. Fusionen könnten überdies zu beträchtlichen Einsparungen führen. Filbert sprach von einer „kritischen Größe“, bei der eine Kooperation sinnvoll sein könne, und nannte als Beispiel den Raum zwischen Mannheim und Frankfurt.

Unabhängig von der Diskussion, die Filbert jetzt angestoßen hat, schafft ein Unternehmen aus Baden-Württemberg in Hessen Tatsachen: Die Mannheimer MVV Energie hat sich nicht dadurch beirren lassen, daß es 2005 im Rhein-Main-Gebiet über die seit Jahren bestehende 48,9-Prozent-Beteiligung an der Energieversorgung Offenbach nicht hinausgekommen ist: MVV-Vorstandsvorsitzender Rudolf Schulten kündigte vor wenigen Tagen an, Mannheim und Offenbach würden eine gemeinsame Netzgesellschaft bilden.

Damit wird das Unternehmen der Frankfurter Nachbarstadt enger denn je an den expandierenden Konzern gebunden. Wie der Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Offenbach, Matthias Brückmann, gestern auf Anfrage erläuterte, ist das Vorhaben trotz der großen Entfernung beider Versorgungsgebiete wirtschaftlich sinnvoll; zwar blieben die Abteilungen für Bau und Unterhaltung der Netze getrennt, doch könnten die Leitwarten zumindest abends und am Wochenende zusammengeschaltet werden.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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