10.12.2008 · So hoch wie jetzt waren die Erdgaspreise noch nie. Mit Preissenkungen der regionalen Energieversorger im Rhein-Main-Gebiet ist zu rechnen – allerdings erst im Frühjahr, nach Ende der Heizperiode. Wer rasch sparen will, muss Tarife vergleichen.
Von Manfred KöhlerIm Moment sind die Stadtwerke Dreieich am teuersten. 1.805 Euro zahlt dort ein Durchschnittskunde für Erdgas binnen eines Jahres – 600 Euro mehr als beim gleichen Verbrauch in Friedberg. Das zeigt ein Preisvergleich, der von der Redaktion des Internetportals www.verivox.de für diese Zeitung angefertigt wurde. Doch von Schuldbewusstsein ist in Dreieich nichts zu spüren. Mal liege man oben, mal unten bei derartigen Vergleichen, sagt ein Sprecher – und kündigt an, dass die Preise zum 1. April gesenkt würden.
Den Kunden nutzt das allerdings wenig. Denn im April ist die Heizperiode vorbei, Erdgas wird dann allenfalls noch für das Erhitzen von Wasser benötigt. Doch die Stadtwerke Dreieich liegen mit ihrer Datierung der Preissenkung im Trend. Auch bei der Frankfurter Mainova, die ihre Tarife im Herbst gleich zweimal erhöht hatte, heißt es, im April könnten die Preise wieder zurückgehen, bei der GGEW aus Bensheim ist vage von Frühsommer die Rede.
Steigende Beschaffungskosten
Die hohen Erdgaspreise gerade im Winter werden von den Energieversorgern freilich nicht mit der hohen Nachfrage begründet, sondern mit der althergebrachten Ölpreisbindung – die Erdgaspreise folgen danach den Ölpreisen aufgrund vertraglicher Regelungen stets mit ungefähr einem halben Jahr Verzögerung. Und der Rohölpreis war eben im Sommer besonders hoch. Dass für das Fass inzwischen weniger als ein Drittel verlangt wird, sollte allerdings nicht zu der Hoffnung verleiten, auch die Erdgaspreise würden im gleichen Ausmaß sinken. Denn in den zurückliegenden Jahren waren die Erdgaspreise auch weitaus weniger stark gestiegen als die des Rohöls. Das zeigt ein Vergleich von 2005 an – bis dahin hatten sich die Preise des schwarzen Goldes noch einigermaßen in Grenzen gehalten. Für Erdgas zahlt ein Durchschnittskunde der Stadtwerke Dreieich derzeit 73 Prozent mehr als im Frühjahr 2005, doch der Preis für das Fass Rohöl erhöhte sich in dieser Zeit von 43 bis auf 147 Dollar. Auch die Umrechnung in Euro ändert nichts daran, dass die Erhöhung weitaus größer ausfiel als beim Erdgas.
Wie stark aber wird der Erdgaspreis im Frühjahr sinken? Der Rohölpreis hat inzwischen wieder das Niveau von 2005 erreicht – gestern kostete das Fass 44 Dollar. Dass auch Erdgaskunden demnächst wieder so wenig zahlen wie vor vier Jahren, glaubt allerdings niemand, schon weil auch andere Kosten für die Energieversorger gestiegen sind. Auch 2005 wurde außerdem bereits von den Unternehmen das Argument bemüht, nur ein Teil der steigenden Beschaffungskosten sei an die Kunden weitergegeben worden. Das erste Unternehmen der Region, das sich vorgewagt hat, war vor wenigen Tagen die Süwag, die im Rheingau Erdgaskunden hat. Sie sollen von Februar an 7,5 Prozent weniger zahlen. Wenn man bedenkt, dass die Beteiligungsgesellschaft des RWE-Konzerns die Tarife von 2005 bis heute um 58 Prozent erhöht hat, ist dies nicht eben ein großzügiger Nachlass. Ebenfalls im Februar will Eon Mitte, deren Vertriebsgebiet bis in den Main-Kinzig-Kreis reicht, seine Gaspreise um 4,2 Prozent senken – nach einer Erhöhung um 12 Prozent zum 1. Dezember.
Hohe Wechselbereitschaft
So bleibt den Kunden nur die Möglichkeit, nach einem günstigeren Tarif Ausschau zu halten. Immerhin hat die Mainova erst zu Monatsbeginn ihre Preise heraufgesetzt, die Entega, die Darmstadt und Mainz beliefert, sowie die GGEW aus Bensheim folgen zum Jahreswechsel. Oft reicht es für eine kleine Ersparnis, beim herkömmlichen Energieversorger in einen günstigeren Tarif zu wechseln. So kann man für einen Erdgasverbrauch von umgerechnet 20.000 Kilowattstunden bei der Mainova 1.285 Euro zahlen, aber auch 1.594 Euro. Wahrscheinlich zahlen sogar die meisten den höheren Betrag, weil dies der Preis nach dem Standardtarif ist. Um in den günstigeren zu wechseln, muss man eine Einzugsermächtigung erteilen und sich darauf einstellen, dass die Kommunikation mit dem Versorger fortan nur noch via Internet möglich ist. Mit diesem Angebot schlägt die Mainova dann sogar das Unternehmen E wie Einfach, das zwar verkündet, den örtlichen Versorger stets zu unterbieten, allerdings lediglich den jeweiligen Standardtarif, nicht die an vielen Orten als Reaktion darauf eingeführten Online-Tarife. Die Wettbewerbssituation ist allerdings von Ort zu Ort unterschiedlich, und auf jeden Fall sollten auch nach einem Tarif- oder Anbieterwechsel die Preise im Auge behalten werden.
Als ernsthafter Konkurrent hat sich im Rhein-Main-Gebiet die Maingau Energie aus Obertshausen etabliert. Wie so oft steckt hinter einem unverdächtig klingenden Namen ein großer Anbieter; während es bei E wie Einfach der Düsseldorfer Eon-Konzern ist, ist an der Maingau Energie mit 49,9 Prozent die Rhenag Rheinische Energie aus Köln beteiligt, die ihrerseits zur Essener RWE-Gruppe zählt, Hauptkonkurrent von Eon. Auch hinter Eprimo, einem Versorger aus Neu-Isenburg, verbirgt sich RWE. Dem Kunden können derartige Verflechtungen egal sein, solange der Preis stimmt. Und in gewisser Weise hat er selbst in der Hand, wie sie sich weiterentwickeln: Erst bei hoher Wechselbereitschaft werden sich die Versorger bei Preiserhöhungen zügeln. Noch ist es nicht so weit.