04.12.2008 · Während die britische Kaufhauskette Woolworths Group insolvent ist, denkt das Management der davon völlig getrennten Woolworth Deutschland mit Sitz in Frankfurt an Expansion. Gleichwohl hat auch die deutsche Discount-Kette schwierige Zeiten hinter sich.
Von Jochen RemmertDass die Zukunftsängste in Deutschland dieser Tage einmal mehr groß sind, will die Discount-Kaufhauskette DWW Woolworth Deutschland GmbH zu ihrem Vorteil nutzen. Die Verbraucher schauten angesichts der Finanzkrise, dahinschmelzender Auftragspolster in der Industrie und düsterer Vorhersagen noch genauer als bislang schon auf die Preise. Das stärke die Chancen der Anbieter, die für billige Waren bekannt seien, ist sich ein Woolworth-Sprecher sicher. Deshalb denke sein Haus auch daran, den 322 Dependancen in Deutschland und Österreich noch weitere hinzuzufügen. Auch zu den zurzeit gut 11.000 Mitarbeitern könnten weitere hinzukommen.
Bei der Expansion fasst das Unternehmen nach eigenen Angaben auch das Rhein-Main-Gebiet ins Auge. Genaues über einzelne neue Standorte wollte der Sprecher aber noch nicht sagen. Zurzeit betreibt Woolworth Deutschland alleine in Frankfurt fünf Filialen, eine davon auf der Zeil. Prinzipiell sei sein Haus an Innenstadtlagen wie der an der Frankfurter Haupteinkaufsstraße interessiert, aber nicht weniger an Standorten in belebten Stadtteillagen. Gerade die Suche nach Standorten in Quartieren abseits der Innenstadt entspreche der Strategie des Hauses, sich als günstiger, möglichst zu Fuß erreichbarer Nahversorger zu positionieren – mit einem Spektrum, das von Socken über Zahncreme zu Discount-Preisen bis zu günstigem Spielzeug und Computerspielen reiche.
Woolworth Deutschland auf „Konsolidierungskurs“
Woolworth Deutschland hebt mit großem Nachdruck hervor, dass man mit der siechen britischen Gruppe, die sich leicht am „s“ am Ende des Namens von der deutschen Woolworth unterscheiden lasse, seit mehr als 25 Jahren nichts mehr gemein habe außer der frühen Firmengeschichte.
Tatsächlich spaltete sich die britische Gruppe schon 1982 von der amerikanischen Woolworth-Gruppe ab. Die deutschsprachigen Unternehmen haben sich dann 1998 im Zuge eines Management-Buy-outs von der amerikanischen Woolworth-Gesellschaft getrennt, die sozusagen die Urzelle aller Unternehmen dieses Namens ist. Inzwischen gehört Woolworth Deutschland dem britischen Investment- und Beratungsunternehmen Argyll Partners. Dieses hatte den Discounter vom Finanzinvestor Electra Flemming übernommen. Ungeachtet der Unterscheidung zwischen Woolworth Deutschland und der britischen Gruppe hatten auch die deutschsprachigen Namensvettern in den vergangenen Jahren schwierige Zeiten zu bestehen. Immerhin zählte Woolworth im Jahr 2005 nach eigenen Angaben noch 340 Filialen und mehr als 14 800 Mitarbeiter.
Ende vergangenen Jahres kam dann die Ankündigung, 1650 Stellen streichen zu wollen. Die Modernisierung von Filialen hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht, der Umsatz blieb weiter rückläufig, das Ergebnis negativ. Jedes vierte Geschäft schrieb noch Ende vergangenen Jahres rote Zahlen.
Zu Beginn dieses Jahres erhielten dann schließlich 911 Mitarbeiter ihre Kündigung, 380 Beschäftigte mussten von Voll- auf Teilzeitarbeitsplätze wechseln. Allein in Frankfurt fielen in der Zentrale 150 von 400 Stellen weg.
Inzwischen befindet sich Woolworth Deutschland nach eigenem Bekunden „weiter erfolgreich auf einem Konsolidierungskurs“. Der Start ins diesjährige Weihnachtsgeschäft sei positiv ausgefallen, genauere Angaben machte das Unternehmen hierzu nicht.
Alle Produkte für 50 Pfennige
Begonnen hat die Woolworth-Geschichte mit der Idee des Händlers Frank Winfield Woolworth aus dem amerikanischen Bundesstaat New York, alle Waren in seinem Laden zum Einheitspreis von fünf Cent anzubieten. Das war im Jahr 1879. Das Konzept funktionierte derart erfolgreich, dass Woolworth rasch expandierte und schon 1909 die erste Filiale in Großbritannien hatte. In Deutschland eröffnete das erste Kaufhaus im Jahr 1927, alle Artikel waren jeweils für 50 Pfennige zu erwerben. Der Erfolg sei damals auch deshalb groß gewesen, weil der Zeitgeist von der Wirtschaftskrise geprägt gewesen sei, ist in den Archiven nachzulesen.