16.06.2006 · Der Lebensmittel-Einzelhändler Edeka nimmt parallel zu der Expansion im Rhein-Main-Gebiet unter dem Motto „Unsere Heimat - echt & gut“ Produkte aus der Region in die Regale. Im August sollen die Verkäufe beginnen.
Von Thorsten WinterDer Lebensmittel-Einzelhändler Edeka nimmt parallel zu der Expansion im Rhein-Main-Gebiet unter dem Motto „Unsere Heimat - echt & gut“ Produkte aus der Region in die Regale. Das ist das Ergebnis mehrerer Gespräche zwischen Edeka Südwest, dem hessischen Landwirtschaftsministerium und Gutes aus Hessen, einer Marketingorganisation, die die Land- und Ernährungswirtschaft unterstützen will. Von August an sollen Wurstwaren sowie Obst und Gemüse aus Rhein-Main in die Geschäfte kommen, wie Wilfried Schäfer, Geschäftsführer von Gutes aus Hessen, dieser Zeitung sagte. Sieben Betriebe sind demnach bisher bei Edeka neu gelistet und werden den genossenschaftlichen Verbund beliefern.
Diese Erzeuger kommen nach seinen Worten aus dem Kreis der rund 200 landwirtschaftlichen Unternehmen, die das vor zweieinhalb Jahren eingeführte Gütesiegel „Geprüfte Qualität - Hessen“ führen dürfen. Diese Betrieben müßten nach Regeln produzieren, die den gesetzlichen Standard überschreiten. So müsse etwa ein Schweinemäster für die Tiere eine größere Liegefläche als vorgeschrieben vorhalten oder ein Getreidebauer eine dreijährige Fruchtfolge einhalten statt zum Beispiel zwei Jahre hintereinander Weizen auf demselben Acker anzubauen.
Verstärkte Regionalität als Ziel
Diese Betriebe würden regelmäßig von Instituten, die vom Land anerkannt seien, planmäßig und unangemeldet kontrolliert. Edeka brauche Partner, die Produkte verpackt anlieferten. Angesichts dessen habe Gutes aus Hessen gut 25 Betriebe gemeldet; gelistet worden seien bisher unter anderem die Hehrmühle in Schlitz, die Kelterei Heil in Laubus-Eschbach und die Obst- und Gemüsezentrale Griesheim.
Edeka Südwest selbst hält sich zu Einzelheiten zwar weitgehend bedeckt - sein Marketingleiter Duschan Gert hat jedoch gerade bei der Gesellschafterversammlung der Gutes aus Hessen GmbH eine verstärkte Regionalität als ein Ziel des genossenschaftlichen Verbunds bezeichnet. Außerdem sprach er sich für die Bildung von Erzeugergemeinschaften unter Landwirten im Rhein-Main-Gebiet aus. Solche Verbünde könnten einen Großeinkäufer wie Edeka eher mit den benötigten Mengen an Salat, Spargel oder Obst versorgen als die einzelnen Bauern. „Man muß miteinander den Anbau abstimmen“, meinte er. Edeka wisse, daß die Produkte aus dem heimischen Anbau teurer seien als Importware. Künftig verstärkt im Rhein-Main-Gebiet einzukaufen bedeute aber auch, hier Arbeitsplätze zu sichern.
„Bei regionalen Produkten greifen Verbraucher zu“
Außerdem gelte es, Werte wie Heimatgefühl, Verantwortung und Loyalität „für Verbraucher wieder erkennbar und erlebbar zu machen“. Gert nannte nicht zuletzt ein betriebswirtschaftliches Argument für die Strategie: „Wenn wie regionale Produkte ausloben, greifen viele Verbraucher zu.“ Dies zeigten die Erfahrungen aus dem Verkauf in anderen Gebieten.
Edeka Südwest deckt Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland sowie den südlichen Teil Hessens mit dem Raum Frankfurt ab; nördlich davon liegt das Gebiet von Edeka Melsungen. Der genossenschaftliche Verbund will nach den Worten von Gert im Rhein-Main-Gebiet in der näheren Zukunft 80 Standorte neu erschließen, darunter Bad Schwalbach, Frankfurt-Griesheim, Hattersheim, Hofheim und Nauheim. Auf diese Weise will Edeka seine als zu gering empfundene Präsenz und die Marktanteile ausbauen. Edeka kommt in der Region auf etwa 90 Geschäfte und eine Verkaufsfläche von 60.000 Quadratmetern, während Rewe mit 550 Filialen und einer Verkaufsfläche von weit mehr als 500.000 Quadratmetern vertreten ist.