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Einzelhandel Nicht jeder Luxuskonzern wird an der Goethestraße fündig

30.09.2004 ·  Längst halten auch Besserverdienende das Portemonnaie fest verschlossen. Das spürt auch mancher Geschäftsinhaber an der Goethestraße in Frankfurt. Und dennoch: Wo Cartier, Gucci, Louis Vuitton und Tiffany ...

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Längst halten auch Besserverdienende das Portemonnaie fest verschlossen. Das spürt auch mancher Geschäftsinhaber an der Goethestraße in Frankfurt. Und dennoch: Wo Cartier, Gucci, Louis Vuitton und Tiffany in ihren Flagshipstores Feines funkeln und changieren lassen, würden nur zu gerne auch andere internationale Marken der Luxusklasse Flagge zeigen, wie bei den Immobilienmaklern des Hauses Jones Lang Lasalle zu erfahren ist. "Es besteht immer Nachfrage nach guten Ladenlokalen in der Goethestraße", heißt es dort. Hat das Unternehmen wirklich einmal ein attraktives Geschäft zu offerieren, sprechen in der Regel rasch zwischen sechs und zehn Interessenten vor - meist aus dem Ausland, wie es heißt. Quadratmeterpreise von 160 bis 180 Euro im Monat seien für attraktive Räume zu erzielen.

An solch großen Geschäften fehlt es freilich gerade an der feinen kleinen Straße, deren gesamte Länge weniger mißt als das 400-Meter-Oval eines Sportplatzes: "Attraktiv heißt für die internationalen Topfirmen, daß sie ihre gesamte Produktpalette unbeengt anbieten können, in einem großzügigen Ambiente mit vier Meter hohen Räumen und auf mehreren hundert Quadratmetern. So etwas hat die Goethestraße aber kaum zu bieten", ist aus einem anderen Immobilienunternehmen zu hören, das auch mit Gewerberäumen an der Goethestraße Geschäfte macht. Räume, wie man sie beispielsweise an der mondänen Wilhelmstraße in Wiesbaden in großzügigen Altbauten finde, würden von solchen Kunden gesucht. Und selbst ein Geschäft wie das jüngst von der Firma Rene Lezard an der Fressgass' eröffnete, ist an der Goethestraße so kaum vorstellbar.

Neben dem ein oder anderen leerstehenden Laden spricht nun auch der Zuzug des Sonderpostenanbieters "More for Less" dafür, daß längst nicht alle Räume, die die Goethestraße zu bieten hat, dem genügen, was Unternehmen aus der Champions League der wunderbaren Warenwelt zur Präsentation ihres Sortiments wünschen.

In keiner anderen Frankfurter Straße habe man im vergangenen Jahr eine so rasche Folge von "Neuvermietungen, Wechsel und Leerstand" zu verzeichnen gehabt, heißt es bei einem Immobilienmakler weiter. Neu ist das freilich nicht. So zog Prada ein, wo Jil Sander zuvor logiert hatte, und Wempe folgte mit Uhren und Schmuck auf Schuhe der Schweizer Firma Bally.

Eine Ursache für rasche Wechsel dieser Art sieht ein Immobilienexperte darin, daß manches internationale Nobelhaus - um überhaupt an der Goethestraße vertreten zu sein - auch ein Ladenlokal miete, das seinen Anforderungen an Größe und Lage eigentlich nicht entspreche, dann aber recht bald wieder umdisponiere.

Die Schwierigkeit zu umgehen, indem man etwa auf den Rathenau- oder den Goetheplatz ausweicht, ist für das Gros der internationalen Interessenten offenbar auch keine Lösung. Die Firmen mit den glanzvollen Namen, die mancher gerne als Indiz dafür nimmt, daß er sich in einer Weltstadt aufhält, wollen, so heißt es bei Jones Lang Lasalle, partout die Goethestraße als Adresse. Knapp daneben reicht also nicht. In New York wollten schließlich auch alle an der 5th Avenue und nicht etwa an einer Seitenstraße vertreten sein. Ausländische Besucher, als Kundschaft besonders wichtig, würden mit dem Einkauf am Anfang der Goethestraße beginnen und am Ende der kleinen Straße wieder aufhören.

Solch anspruchsvolle Vergleiche mit New York dürften vor allem die Hausbesitzer an der Goethestraße freuen, legen sie doch ähnlich anspruchsvolle Mietzinsvorstellungen nahe. Das allerdings ärgert manche Inhaber von Familienbetrieben, die ihre Geschäftslokale gemietet haben - zumal in Zeiten der Kaufzurückhaltung: "Der Mietspiegel in der Goethestraße ist zu hoch", sagt Brigitte Schaar. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie das Modehaus Möller&Schaar, das mit Pfüller und Riffel in die Reihe der gediegenen Frankfurter Traditionshäuser der Bekleidungsbranche gehört. Mondän anmutende Flagshipstores von Weltmarken in der Nachbarschaft zu haben, stört die Geschäftsfrau nicht, die selbst Kleidung zahlreicher Topmarken wie Kiton anbietet. Allzu hohe Mietpreise ärgern sie indes schon. Es sei besonders in Zeiten ärgerlich, in denen man "totalen Einsatz" zeigen müsse. "Noch mehr Service und noch mehr individuelle und persönliche Beratung der Kunden" ist ihr Rezept, um Erträge zu erwirtschaften. Das 1930 gegründete Bekleidungsgeschäft habe viele Stammkunden, sagt die Chefin.

Den eigenen Namen zur Marke gemacht hat auch Rainer Brenner, der ein Fachgeschäft für Augenoptik an der Goethestraße führt. Wie Möller&Schaar setzt er auf umfassenden Service und eine große Auswahl an Brillen sämtlicher namhafter Marken. Brenner kennt die Goethestraße noch aus Kindertagen und weiß: "Das war schon immer die andere Einkaufsstraße." Nicht schon immer so luxuriös wie heutzutage freilich. Das Besondere sähe er gerne erhalten. Aber auch ihm ist nicht entgangen, daß manche internationale Marken keine ihren Vorstellungen entsprechenden Ladenräume an der Goethestraße finden. Anders als mancher Immobilienmakler hält es Brenner daher für möglich, daß sich die Goethestraße gleichsam nach und nach ausdehnt.

Für Frank Albrecht, Präsident des Hessischen Einzelhandelsverbandes, ist dies in gewisser Weise schon geschehen: Die "Marke Goethestraße" müsse man längst immer in Verbindung mit der Fressgass' und ihrer Umgebung sehen, vor allem, weil es auf der "Super-Luxus-Meile" - abgesehen von wenigen Ausnahmen wie dem Kaffeehaus Wiener's - vergleichsweise wenig Gelegenheit für eine Einkaufspause gebe. Voller Freude blickt Albrecht, der seit mehr als 20 Jahren mit Parfümerie und Schönheitsinstitut an der Straße vertreten ist, auf den Goetheplatz. Mit der im Bau befindlichen Tiefgarage, in der demnächst 480 Autos Platz finden sollen, sei die Zukunft der Goethestraße und ihrer Umgebung gesichert.

Die Aussicht auf die neuen Parkmöglichkeiten kann Stephan Friedrich, der zusammen mit seinem Bruder Christoph das gleichnamige Juweliergeschäft an der Goethestraße betreibt, zur Zeit nicht über den Ärger mit den Bauarbeiten hinwegtrösten. Er beklagt einen "furchtbar unkoordinierten" Ablauf der Arbeiten. Die daraus resultierenden Behinderungen sind nicht förderlich für das Geschäft - zumal auch Friedrich die Kaufzurückhaltung der Deutschen bemerkt, wie er sagt.

Von sinkenden Umsätzen berichtet auch Marion Catacchio, die zwei Schuhgeschäfte namens "Linda" an der Goethestraße und eines an der Kaiserstraße betreibt. "2003 war ein sehr, sehr schlechtes Jahr", sagt sie. "Wenn man Pech hat, bringt man da noch Geld von zu Hause mit." In diesem Jahr seien die Umsätze hingegen wieder "ganz gut". In ihrer Branche ist eine gute Käuferfrequenz besonders wichtig. Die Umsätze sind nicht so rasch erzielt wie beispielsweise mit dem Verkauf von Pretiosen und Modellkleidern eines Edelschneiders - zumal Catacchio von "günstig bis teuer" anbietet, um eine breitere Kundschaft anzusprechen. Frequenz aber, so sagt sie, brächten vor allem Geschäfte wie die ihren in die Goethestraße. Auf die internationalen Luxuskonzerne, die es sich durchaus auch einmal leisten, ein gemietetes Geschäft über längere Zeit leerstehen zu lassen, ist sie nicht gut zu sprechen: "Das ist sehr schlecht für das Image der ganzen Straße." Gleichwohl zählt auch sie weniger auf die internationalen "Eintagsfliegen" unter der Kundschaft, die vielleicht nur einmal im Leben in Frankfurt sind und nur einmal in der Goethestraße einkaufen. Um ein solches Geschäft auf Dauer erfolgreich zu betreiben, "brauchen sie Stammkunden", sagt Catacchio, und die habe sie glücklicherweise.Jochen Remmert

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