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Einzelhandel : Nach Edeka geht auch Rewe auf Expansionskurs

Aus Minimal wird Rewe Bild: Marcus Kaufhold

Der Handelsriese Rewe will 50 neue Geschäfte in Hessen eröffnen und den ebenfalls expandierenden Konkurrenten Edeka auf Abstand halten. Im Zuge dessen werden Minimal-Läden umbenannt.

          Nicht jeder an der Basis kann bei dem Tempo, das der Rewe-Vorstand seit einiger Zeit vorgibt, mithalten. Die letzten HL-Märkte der Unternehmensgruppe in Maintal und der Frankfurter Kuhwaldsiedlung sollen einer Sprecherin zufolge noch nicht einmal in Minimal-Geschäfte umbenannt worden sein - da verschwindet dieser erst vor wenigen Jahren eingeführte Name auch schon wieder. Aus HL wird Minimal wird Rewe: Mit allerhand Rummel hat der Kölner Handelsriese gestern die Ankündigung vom Januar verwirklicht, künftig sollten alle Geschäfte nur noch einen einzigen Namen haben - Rewe eben. Für die Inszenierung war sogar Vorstand Stephan Fanderl an den Main geeilt, um in dem einstigen Minimal-Vorzeigemarkt gegenüber des Polizeipräsidiums an der Eschersheimer Landstraße unter großem Hallo ein Tuch vom neuen Rewe-Logo herunterzuziehen.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Verwirklichung des einheitlichen Auftritts ist mit großen Ankündigungen verbunden. Nachdem Edeka vor Jahresfrist verlautbart hatte, im Rhein-Main-Gebiet an die 80 zusätzliche Geschäfte eröffnen zu wollen, teilte nun gestern Rewe mit, in Hessen seien etwa 50 weitere Geschäfte geplant. Denn während der gewöhnliche Konsument glauben mag, an Supermärkten herrsche landauf, landab doch kein Mangel, wird in den Unternehmen versichert, im Ballungsraum Frankfurt stecke noch Potential.

          Kooperation mit „Gutes aus Hessen“

          Und falls der Kuchen doch nicht größer werden sollte, könnte er ja zumindest anders verteilt werden. Im Handel herrscht angesichts stagnierender Umsätze ein beachtlicher Verdrängungswettbewerb, der nicht nur über Sonderangebote, sondern eben auch über Standorte ausgetragen wird. Stolz berichtete gestern der für die Rewe-Expansion zuständige Manager Bernd Föll, daß sich die Unternehmensgruppe Standorte in den drei wichtigsten Frankfurter Neubaugebieten Riedberg, Frankfurter Bogen und Frankfurter Berg gesichert habe, außerdem im früheren Bornheimer Straßenbahndepot an der Heidestraße.

          Rewe will mit seiner Expansionsstrategie den Konkurrenten Edeka offenkundig auf Abstand halten. Nach Angaben der Frankfurter Marktforscher von Trade-Dimensions betreibt Rewe im Rhein-Gebiet gut 350 Geschäfte mit zuletzt 1,76 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, während Edeka mit 90 Geschäften gerade einmal 274 Millionen Euro erziele. Gemeinsam ist Rewe und Edeka, daß sie durch Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ihre regionale Verbundenheit herausstreichen wollen. Beide arbeiten dazu mit der Organisation „Gutes aus Hessen“ zusammen. In dem bisherigen Minimal- und künftigen Rewe-Supermarkt an der Eschersheimer Landstraße bieten jetzt an die 20 hessische Landwirte ihre Produkte vom Apfelsaft bis zur Fleischwurst an. Wie es hieß, sollen in Zukunft an die 20 Supermärkte in Frankfurt und dem Vordertaunus um dieses Sortiment erweitert werden. Ähnlich geht Edeka in seinen Geschäften vor.

          Bei der gestrigen Enthüllung des neuen Logos hob denn auch Vorstand Fanderl hervor, daß Rewe auf eine Kundschaft setze, die wisse, daß man gute Lebensmittel nicht zum Spottpreis bekomme. Der Hieb gegen die Discounter gefiel dem Frankfurter Stadtrat Franz Zimmermann (FDP), der den versammelten Rewe-Managern zurief, sie sollten den Stadtrand den Discountern überlassen. „Sie selbst sind bei den Menschen besser aufgehoben.“ Mit Blick auf die Discounter an den Ausfallstraßen und die Marktanteile im Einzelhandel gab er dem Führungspersonal als Hausaufgabe mit auf den Weg: „Nehmen Sie den anderen etwas weg.“

          Mit Penny unter Discountern vertreten

          In der Rewe-Führung kann man sich derlei gelassen anhören, denn so einfach strukturiert, wie es gestern schien, ist die Welt des Kölner Konzerns natürlich nicht. Keineswegs tragen wirklich alle Geschäfte dieser Handelsgruppe fortan den Namen Rewe, denn die Toom-Märkte bleiben Toom-Märkte, und mit dem Discounter Penny, der auch nicht umfirmiert wird, ist Rewe an den von Zimmermann erwähnten Stadträndern durchaus gut vertreten. Dem Management kann also reichlich egal sein, ob die Kunden lieber in der Stadt oder an deren Rand einkaufen gehen - solange die Umsätze nur in der Familie bleiben.

          Doch die Diversifizierung von Rewe reicht noch weiter. Außer um die klassischen Supermärkte, die Riesenmärkte und die Discounter kümmert sich der Konzern auch noch um die kleineren Geschäfte in den Vororten, die als Nahkauf firmieren; sie werden von eigenständigen Einzelhändlern auf eigene Rechnung betrieben. Wie nah die verschiedenen Konzepte beieinander liegen, zeigt sich der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt: Ein Nahkauf-Markt findet sich nur einige hundert Meter von dem großen Geschäft gegenüber der Polizei entfernt, wo gestern groß gefeiert wurde. Im Nahkauf freilich war von dem „Big Bang“, der weiter stadteinwärts beschworen wurde, nichts zu hören und zu sehen.

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