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Einzelhandel Kyrillische Schrift für die russische Kundschaft

21.01.2009 ·  Der Kampf um internationale Kunden schlägt sich auch in mehrsprachigen Annoncen und Internet-Auftritten Frankfurter Einzelhändler nieder. Selbst kyrillische Schrift für die Gäste aus Russland gehört inzwischen dazu.

Von Jochen Remmert
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Jeder kennt die Geschichten vom reichen Russen, der mit dicken Euro- oder Dollarbündeln in der Hosentasche durch die Frankfurter Goethestraße zieht und im Einzelhandel Abertausende Euro Umsatz generiert. So stellt sich Lieschen Müller russische Oligarchen wie Roman Abramowitsch oder Oleg Deripaska auf ihrer Einkaufstour durch Deutschland vor. Tatsächlich gelten die Oligarchen zwar als dem Luxus zugewandt, beim Einkaufsbummel mit dicken Bargeldbündeln wird man sie dennoch kaum treffen. Deripaska beispielsweise, dessen Vermögen auf 40 bis 50 Milliarden amerikanische Dollar geschätzt wird, kauft zwar in letzter Zeit auch gerne in Deutschland ein, dabei geht es allerdings weniger um Luxusgüter. Zuletzt waren es vielmehr Anteile des deutschen Baukonzerns Hochtief.

Gleichwohl gibt es auch auf den Einkaufsstraßen der Region die liquide Kundschaft aus Russland, und die Nobelklasse des Frankfurter Einzelhandels hat sich auf sie längst eingestellt. Immerhin besuchen Jahr für Jahr knapp 30.000 Touristen aus Russland Frankfurt, wie die Wirtschaftsförderung ausweist, hinzu zu rechnen sind noch rund 2.500 Männer und Frauen aus der russischen Föderation, die in Frankfurt leben und arbeiten – viele davon in einem der 158 russischen Unternehmen in der Stadt.

„Luxusmeile“ Frankfurts

Und so annonciert beispielsweise das Frankfurter Pelzhaus Türpitz am Liebfrauenberg denn auch dreisprachig: deutsch, englisch und russisch. Auch der komplette Internetauftritt des Hauses ist wahlweise in russischer Sprache aufzurufen, in englischer oder natürlich in deutscher. Inhaber Thomas Türpitz denkt bei der Variante in kyrillischer Schrift zumindest nicht in erster Linie an superreiche Oligarchen, sondern an „ganz normale“ Kunden. Viele Russen wüssten aber schöne Pelze und das Kürschnerhandwerk bisweilen mehr zu schätzen als heute mancher Deutsche. Andere internationale Kunden, beispielsweise aus dem asiatischen Raum, beherrschten in der Regel die englische Sprache sehr gut, daher genüge ansonsten die englische Internetseite als erste Ansprache.

Christoph Friedrich und sein Bruder Stephan sind auf der Homepage wie auch in den Räumen ihres Juwelier-Geschäftes an der Goethestraße längst auf jede Art internationaler Kundschaft eingerichtet. Die kleine Straße ist schließlich nicht erst seit gestern in den Reiseführern der Welt als „Luxusmeile“ Frankfurts verzeichnet. Im Internetauftritt der Brüder Friedrich kann sich die französische Kundschaft ebenso in ihrer Muttersprache ansprechen lassen wie Italiener, Chinesen, Japaner, Briten oder eben auch Russen.

Feine Düfte

„Das gehört inzwischen längst dazu“, sagt Friedrich. Seiner Erfahrung nach sind die wirklich potenten Kunden ohnedies entweder selbst mehrsprachig oder in entsprechend geschulter Begleitung. Vor allem seien sie um ein dezentes Auftreten bemüht, während bei solchen Kunden, die mit großem Pomp und weithin sichtbaren Bodyguards aufträten eher Vorsicht geboten sei.

Genau zu beziffern sei es nicht, so viele Russen wie noch vor fünf Jahren seien heute aber ganz sicher nicht mehr unter den Kunden in Frankfurt, heißt es bei Alessa Dessous, ebenfalls an der Goethestraße. Wie eine Mitarbeiterin des Hauses weiter berichtet, sind zu den „wirklich reichen Russen“, denen es um eine bestimmte Marke geht, für die der Preis aber keine Rolle spielt, nun solche gekommen, die rüde zu feilschen versuchen. Wie auf einem Basar komme man sich gelegentlich vor, und besonders unverfroren träten dabei die Frauen auf, hebt die Beraterin hervor. Die russischen, wie auch die übrigen Männer seien dagegen schon zufrieden, wenn sie nur ein Stück der von der Gattin bevorzugten Marke gefunden hätten. Wenn Russen der Sinn nach feinen Düften steht, dann sorgt man auch bei Chanel an der Goethestraße für muttersprachliche Ansprache, wie es dort heißt. Das verstehe sich für ein Haus, das in aller Welt bekannt sei, von selbst.

Rund um die Uhr Autos kaufen

Selbstverständlich gilt das auch für die Vertu-Dependance an der Goethestraße, wie man dort auf Nachfrage versichert. Interessierte Kunden werden dort auf Wunsch in praktisch jeder lebenden Sprache der Welt über die Vorzüge der angebotenen Mobiltelefone informiert – vielleicht mit Hilfe eines rasch organisierten Übersetzers. Der überaus umfassende Service bei Vertu erklärt sich rasch, denn zumindest die Topmodelle der kleinen Telefone dieser Marke scheinen dann doch wieder eher für russische Oligarchen oder andere Menschen mit ähnlich ausgestatteten Bankkonten gedacht zu sein, denn sie schlagen mit bis zu 360.000 Euro zu Buche. Darin enthalten ist dann aber auch der „Concierge-Service“, mit dessen Hilfe der Kunde rund um die Uhr Autos kaufen oder Finanzgeschäfte tätigen kann, was ein echter Oligarch eben so an Service gewohnt ist.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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