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Einzelhandel : Ein neues Citymanagement für Frankfurt

Ein richtiges Citymanagement soll her: Eine lange vom Frankfurter Einzelhandel erhobene Forderung könnte bald erfüllt werden. Bild: Junker, Patrick

Was alle bisherigen Einzelhandels-Initiativen nicht geschafft haben, soll jetzt ein städtisches Citymanagement richten: Interessen bündeln und die Attraktivität der Stadt steigern.

          Es darf als kleine Revolution verbucht werden, was Tarkan Akman, der Leiter des neu geschaffenen Amtes für Kommunikation und Stadtmarketing, am Dienstagabend in einer Diskussion zum Thema Stadtmarketing in der Frankfurter Industrie- und Handelskammer ankündigte. „Ein Citymanagement muss aufgebaut werden, und wir werden eine Stelle dafür schaffen“, sagte Akman, ohne konkreter auf die Finanzierung einzugehen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Genau das, ein koordiniertes Stadtmarketing, eine Klammer für alle Akteure fordern die Einzelhändler seit vielen Jahren von der Stadt. Doch bisher hatte es immer nur geheißen: „Brauchen wir nicht. Wir haben doch schon alles.“ Dass mit Akman ein Weggefährte von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) an der Spitze des neuen Amtes steht, das Abteilungen wie die Öffentlichkeitsarbeit, das Bürgerbüro und das Referat für internationale Beziehungen unter seinem Dach vereint, dürfte die Angelegenheit mit begünstigt haben. Feldmann selbst hatte im Januar angekündigt, das Stadtmarketing solle insgesamt schlagkräftiger werden, dies auch, um das „Heimatgefühl“ der Menschen in der Stadt zu stärken.

          Alle Ideen sind willkommen

          Der Einzelhandel selbst hatte sich in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Der Verein Cityforum pro Frankfurt, 2003 aus der Taufe gehoben, um den Handel zu fördern, musste vor einem Jahr Insolvenz anmelden, nachdem die Kündigung des früheren Geschäftsführers Heinz Schmitz für ungültig erklärt und der Verein zur Nachzahlung ausstehender Löhne in sechsstelliger Höhe verpflichtet worden war. Der Rechtsstreit läuft noch. Von einer weiteren Initiative, Neue Zeil, ist auch nichts mehr zu hören, er scheint sich nur um die Weihnachtsbeleuchtung zu kümmern.

          Dabei gibt es Bedarf. Zwar wächst die Stadt jedes Jahr im Schnitt um 15000 Einwohner. Doch zum einen kommen viele nicht gern her und werden oft bedauert, wie Marcus Schwartz, Center-Manager im ECE-Einkaufszentrum My Zeil, aus eigener Erfahrung weiß. „Oh Gott, du musst nach Frankfurt!“ Zum anderen kaufen längst nicht mehr alle Frankfurter in der Stadt ein. Schwartz wohnt im Dornbusch. „Sechzig Prozent der Einwohner von dort fahren zum Einkaufen ins Main-Taunus-Zentrum“, stellt er fest.

          Dem jungen Center-Manager sind alle Ideen recht, die mehr Menschen und damit auch mehr Geld in die Stadt bringen: Weihnachts-Paraden im Advent und Flächen für Eisläufer in der Stadt zum Beispiel – Vorschläge, bei denen städtischen Mitarbeiter schon einmal der Atem stockt, wie er selbst zugibt. „Aber warum nicht? Andere Städte schaffen das“, sagt Schwartz. Er vermisst eine Willkommenskultur in Frankfurt, etwa auch einen Slogan oder einen Platz, eine Symbolfigur für das Selfie vom Main.

          Wie Schwartz sieht auch Joachim Stoll, Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der IHK Frankfurt, die Notwendigkeit einer Klammer aller Initiativen durch ein Citymanagement. Die Online-Konkurrenz – Stoll betreibt neben seinem Koffer-Geschäft selbst einen Online-Shop – schnürt den stationären Händlern immer mehr die Luft ab, mit überraschenden Entwicklungen. Vor fünf Jahren habe keiner daran geglaubt, dass Schuhe und Möbel im Internet gekauft würden, sagte Stoll. Inzwischen gebe es auch leere Flächen an der Zeil.

          „Macht uns eine abgedrehte Kampagne, rockt Frankfurt“

          Andere Städte kümmern sich längst. Die Stadt Hanau hat schon 2004 erkannt, dass sie etwas tun muss, und die Hanau Marketing GmbH gegründet, die etwa Veranstaltungsreihen auf den Weg brachte und mit den Brüdern Grimm eine Marke für die Stadt. Der örtliche Unternehmerverband ist mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter, 49 Prozent liegen bei der Stadt, die knapp zwei Drittel des Gesamtbudgets von rund einer Million Euro einbringt. Die Zahl der Mitarbeiter beziffert Geschäftsführer Martin Bieberle, der im Hauptberuf die städtische Stadtentwicklung leitet, mit vier bis fünf.

          Wie gut es dem Einzelhandel geht, hängt laut Bieberle auch davon ab, „wie und zu welchen Preisen Immobilien funktionieren“. Die Stadt Hanau versuche inzwischen selbst, Immobilien zu kaufen, um einem Sterben der Innenstadt vorzubeugen. Dieses sei in vielen Kleinstädten längst Realität. Als Beispiel nannte er Langenselbold.

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          Stadt- und Standortmarketing gehören laut Bieberle eng zusammen. Er gab zu, dass die Situation Frankfurts mit 730000 Einwohnern ungleich komplexer sei als die eines Oberzentrums wie Hanau mit 100000 Einwohnern. Frankfurt habe jedoch den Vorteil vieler Kreativabteilungen in den Bürotürmen. Die würde Bieberle „mit verhaften“, nach dem Motto: „Macht uns eine abgedrehte Kampagne, rockt Frankfurt.“

          Der Marketing-Chef stellte auch klar, dass ein Citymanagement kein Zuckerschlecken ist. Auf gemeinsame Öffnungszeiten etwa konnten sich die Hanauer bisher nicht einigen. „So etwas ist ein zähes Ringen, in dem es auch Trittbrettfahrer gibt, aber es entsteht eine Lobby.“ Um zu erfahren, wo es hakt, setzt sich Bieberle alle zwei Monaten mit Vertretern aller Sparten zusammen. „Diese Runden sind wertvoller als jede Studie“, sagte er.

          Akman gefiel die Idee so gut, dass er am Ende der Diskussionsrunde spontan ankündigte, eine AG Handel zu gründen, um zu erfahren, „was fehlt“. Er selbst sehe sein Amt in der Funktion des Kümmerers. Ideen müssten jedoch alle Beteiligten gemeinsam entwickeln.

          Quelle: F.A.Z.

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