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Einzelhandel Bei Neckermann herrscht Angst vor Kündigungen

03.03.2006 ·  Im Zuge der Sanierung des defizitären Unternehmens Karstadt-Quelle, zu dem auch Neckermann gehört, sollen bis zu 400 Vollzeitstellen in Frankfurt gestrichen werden. Nun drohen Kündigungen.

Von Jochen Remmert
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Für die Beschäftigten bei Neckermann in Frankfurt ist die Frist abgelaufen, ihren Arbeitsplatz gegen eine erhöhte Abfindung aufzugeben. Im Zuge der Sanierung und Neustrukturierung des defizitären Universalversandhandels des Karstadt-Quelle-Konzerns, zu dem neben der Marke Quelle auch Neckermann gehört, hatte es bis Ende Februar ein solches Angebot gegeben.

Bis zu 400 Vollzeitstellen will der Konzern nach den bisherigen Planungen allein in Frankfurt streichen. Konzernweit soll die Universalversandsparte die Kosten um 20 Prozent senken und dafür unter anderem 1000 Vollzeitstellen einsparen. Erreicht ist diese Zielgröße nach Ablauf der Frist für ein einvernehmliches Ausscheiden nicht.

Dem Vernehmen nach müssen allein in Frankfurt nun noch zirka 200 Stellen wegfallen. Die etwa 90 Männer und Frauen, die die Möglichkeit genutzt haben, in eine Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln, sind dabei bereits berücksichtigt. Auch dieses Angebot besteht seit Ende des Monats nicht mehr. Nun drohen Kündigungen, sagt Thomas Schmidt, Betriebsratsvorsitzender in Frankfurt. Vom Konzern und bei Neckermann.de, wie sich der Versender seit kurzem nennt, war hierzu und zum Fortgang der Sanierungsbemühungen gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Stellenabbau

Zwar gibt es seit dem Jahr 2004 einen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geschlossenen Sanierungstarifvertrag für den gesamten Karstadt-Quelle-Konzern, der - als Gegenleistung für den sozialverträglichen Abbau von 1500 Stellen - betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Dieser gilt aber in Frankfurt nur noch für die Mitarbeiter von Neckermann.de. Denn organisatorisch ist vom alten Neckermann-Versand mit einmal 3400 Mitarbeitern in der Stadt nach der nun vollzogenen Umstrukturierung eben nur noch Neckermann.de übrig, mit derzeit noch gut 860 Beschäftigten. Abgesehen von diesen und denjenigen, die das jüngste Abfindungsangebot oder frühere Offerten angenommen haben, verdienen die ehemaligen Neckermann-Versand-Mitarbeiter ihr Geld bei drei neugegründete Gesellschaften.

Das sind die Quelle-Neckermann Logistik GmbH mit rund 1520 Mitarbeitern, die Quelle-Kontakt GmbH, in der zirka 330 Mitarbeiter den Kundenservice abwickeln, und die Quelle-Neckermann Management Service GmbH, wo 260 Frauen und Männer beispielsweise mit der Personalverwaltung und dem Rechnungswesen beschäftigt sind. Für alle, die in diesen neuen Gesellschaften arbeiten, wirkt zwar noch der Tarifabschluß für den Einzelhandel aus dem vergangenen Jahr nach, für eventuelle Neueinstellungen gilt dieser allerdings nicht mehr. Die Unternehmensleitung habe angekündigt, daß eventuelle Neueinstellungen zu „marktgerechten Preisen“ erfolgten, sagt Schmidt.

Sicher scheint auf jeden Fall zu sein, daß die Löhne und Gehälter dort niedriger ausfallen werden als im Neckermann-Versand. Dort verdiente ein Versandhelfer etwa 10,30 Euro. Bei einer 37,5-Stunden-Woche kommt er dabei auf 1680 Euro brutto im Monat. Zeitweilig beschäftigte Leiharbeiter erledigten dieselben Arbeiten allerdings schon jetzt für rund drei Euro weniger je Stunde, heißt es. Und das, so befürchten die Arbeitnehmervertreter, könnte für die Unternehmensleitung eine weitere Zielgröße sein.

„Angst um den Arbeitsplatz“

Der im Sanierungstarifvertrag ausgehandelte Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen bis 2008 gilt in den neuen Gesellschaften ohnedies nicht. Derzeit, so ist bei Neckermann weiter zu erfahren, würden dort vielmehr Listen erstellt, anhand derer eine Sozialauswahl für geplante betriebsbedingte Kündigungen vollzogen würde. Offenbar ist das auch längst unter dem Gros der Beschäftigten bekannt, jedenfalls berichtet der Betriebsrat von einer „durch Angst um den Arbeitsplatz“ bestimmten Atmosphäre im Unternehmen. Die weitere Personalplanung, so hatte der neue Chef von Neckermann, Bernd Oppenrieder, jüngst gesagt, hänge vor allem vom Geschäftsverlauf ab. Dieser allerdings, so schätzt die Unternehmensleitung, werde erst im nächsten oder übernächsten Jahr so sein, daß Neckermann wieder schwarze Zahlen schreiben könne.

Das Arbeitnehmergremium selbst hegt außerdem die Befürchtung, daß die Konzernleitung den Verkauf der einzelnen Gesellschaften ins Auge fassen könnte. Im Fall der Groß- und Stückgut-Sparte ist das tatsächlich schon geschehen: Diese veräußerte der Konzern an den Logistiker DHL.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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