21.08.2010 · Sein stark wasserspeicherndes Granulat ist mehrfach preisgekrönt. Ein Jahr nach dem Einstieg der Milliardärin Klatten expandiert das junge Frankfurter Unternehmen Geohumus im deutschen Handel und im Ausland. Profitabel ist es aber noch nicht.
Von Thorsten WinterÜber einen Mangel an vorteilhafter Aufmerksamkeit kann sich Wulf Bentlage nicht beschweren. Seitdem er mit seinem Granulat Geohumus an die Öffentlichkeit gegangen ist, wird der Frankfurter Unternehmen mit Preisen überhäuft. Seit September 2006 ziert der Deutsche Gründerpreis seine Geohumus International GmbH, die zuvor schon mit dem Frankfurter Gründerpreis geehrt worden. Den Großen Preis des Mittelstandes nicht zu vergessen. Auch darf sich sein Unternehmen mit Sitz über dem Cocoon-Club in Fechenheim mit dem Titel „Ort im Land der Ideen“ schmücken. Erst Anfang Juli brachte der ARD-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar das Granulat dem Fernsehpublikum näher – zur besten Sendezeit am Samstagabend in der „Großen Show der Naturwunder“. Nicht zuletzt arbeitet Bentlage seit Jahren mit der Universität Gießen zusammen, derzeit unter anderem für ein Projekt in der Loewe-Exzellenzinitiative des Landes.
Für einen Paukenschlag sorgte vor gut einem Jahr die Nachricht vom Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Skion bei Geohumus International. Hinter Skion aus Bad Homburg steht die Milliardärin Susanne Klatten, die namhafte Anteile an BMW, dem Windradbauer Nordex oder dem Spezialwerkstoffe-Hersteller SGL Carbon in Wiesbaden hält. Skion sieht in dem Granulat wichtige Lösungsansätze bei der Bewältigung von Konflikten, die durch wachsende Weltbevölkerung und Wasserknappheit vorgezeichnet sind.
„Geldkanal deutlich geöffnet“
Für Geohumus bedeutet Klattens Einstieg einerseits größeren finanziellen Spielraum. „Wir haben unseren Geldkanal deutlich geöffnet“, sagt Bentlage und zeigt zur Illustration mit beiden Händen die Form einer Vuvuzela. Zum zweiten öffnet die Quandt-Erbin dem Frankfurter Unternehmen auch Türen, die ihm ohne sie verschlossen blieben. So hat sie ihm einen Kontakt zum Gründer des Cirque du Soleil, Guy Laliberté, vermittelt, der auf der ehedem forstreichen Karibikinsel Haiti neue Wälder anlegen will – unter Einsatz des Frankfurter Granulats. Auch in Äthiopien beteiligt sich Geohumus an der Wiederaufforstung, als Partner der Organisation Menschen helfen Menschen. Nicht zuletzt beliefert Bentlages Firma seit neuestem für eine ähnliche Mission die Isaf-Aufbauhelfer in Afghanistan.
In solch trockenen Gegenden eignet sich das Granulat besonders. Geohumus besteht aus Superabsorber, wie er auch für Windeln verwendet wird, und ultrafeingemahlenem Lavagesteinsmehl. Erst diese Mischung erlaubt es Geohumus, nicht nur das Fünfzigfache seines Eigengewichtes an Wasser aufzunehmen, sondern die Feuchtigkeit an Pflanzenwurzeln auch wieder abzugeben. Denn der Spezialkunststoff Superabsorber alleine hält Flüssigkeit nur fest, so wie es von Windeln erwartet wird. Diese Eigenschaft hat auch Grundbesitzer in Saudi-Arabien überzeugt. Sie kaufen das Granulat regelmäßig für ihre Farmen und Gärten, wie Bentlage sagt, nach dessen Worten dieses Land auch sein größter Markt bisher ist.
Produktion längst nicht ausgelastet
Die Hälfte der Produktion, die auf dem Allessa-Gelände in Fechenheim erfolgt, exportiert Geohumus International nach Saudi-Arabien; an zweiter Stelle folgen Deutschland und die Vereinigten Staaten, wo das Unternehmen dank eines dort seit langem tätigen Mitarbeiters sein Produkt binnen kurzer Zeit in 500 Gartencentern plaziert hat, wie Bentlage berichtet. In Australien greife unter anderem der Fast-Food-Konzern McDonald’s zum Anbau seines Salats auf Geohumus zurück. Doch dessen ungeachtet habe er den Aufwand zum Aufbau von Auslandsmärkten unterschätzt, gibt der Chef zu. Das wiederum liegt nicht an mangelnder Mobilität – Bentlage fliegt ständig geschäftlich ins Ausland. Vielmehr bedeuteten andere Sprachen und Mentalitäten auch Hürden.
Vor diesem Hintergrund läuft seine Produktion längst noch nicht auf vollen Touren. 25 000 Tonnen Geohumus-Granulat könnte die Anlage im Jahr ausspucken – der Ausstoß liegt aber noch bei weniger als einem Zehntel, wobei große Brocken hergestellt werden, die dann kleingemahlen werden müssen. Und Gewinne macht Geohumus noch nicht. Das 25 Kräfte zählende Unternehmen könnte schon schwarze Zahlen liefern, wenn es sich auf den Status Quo beschränkte, doch wolle es weiterkommen, so der Chef.
Forscher: Ökologisch hochinteressant
Hans-Georg Frede billigt dem Granulat entsprechendes Potential zu. Vor allem in trockenen und sandigen Gebieten der Welt sei es ökologisch hochinteressant, sagt der Gießener Professor, der das Produkt zum Beispiel auf Mangoplantagen in Ägypten getestet hat. In Europa könnte es mittelfristig Torfprodukte ersetzen, denn Torf werde hierzulande knapp und werde aus dem Baltikum importiert. Die Transporte wiederum belasteten die Umwelt durch Kohlendioxid-Ausstoß.
Ungeachtet solcher Überlegungen nutzt die Blumen-Zwingel GmbH in Frankfurt das Granulat aus Fechenheim schon zur Grabpflege auf dem Hauptfriedhof. Geschäftsführer Gert Schirmer findet es „mehr als empfehlenswert“, wie er sagt. Er begründet dies mit dem Hinweis, der Boden sei mit Geohumus lockerer als ohne und nehme Wasser besser auf. Seitdem er das Granulat verwendet, müsse er die Pflanzen nicht mehr jeden dritten Tag gießen, sondern nur noch jeden fünften – spare also Wasser. Vor allem aber hätten die Pflanzen weniger Stress durch Mangel an Flüssigkeit. Empfindliche Gewächse wie Begonien blieben länger knackig-grün und bildeten kaum noch Samen aus, sonst eine typische Reaktion auf fortschreitende Trockenheit. Dies sei erfreulich, da die Pflanze keine Blüten mehr ausbilde, wenn Samen wüchsen.
Geohumus expandiert schon jetzt in Deutschland. 250 Baumärkte und Gartencenter, darunter bundesweit Obi und Sunflower in Frankfurt, beliefert das Unternehmen schon. Im nächsten Jahr sollen es 2500 Märkte sein. Die Verträge sind, wie Bentlage sagt, schon abgeschlossen.