Seit 2006 hat sich die Zahl der Frauen und Männer fast verdoppelt, die in Hessen nach ihrer Schulzeit eine duale Hochschulausbildung begonnen haben. Im vergangenen Jahr waren es gut 2130, wie die Industrie- und Handelskammer Frankfurt, gestützt auf Zahlen des Statistischen Landesamtes, wissen lässt. Voraussetzung für eine solche zweigleisige Ausbildung ist mindestens die Fachhochschulreife.
Es gibt inzwischen kaum ein namhaftes Unternehmen, das nicht diese Möglichkeit nutzt, um sich die Chance auf hochqualifizierten Nachwuchs zu sichern, der am Ausbildungsende auch schon mit den besonderen Anforderungen des jeweiligen Hauses vertraut ist. Das ist beispielsweise der Grund, weshalb die Heraeus Holding GmbH auch auf das duale Studium setzt, wie ein Sprecher des Hanauer Edelmetall- und Technologieunternehmens sagt, das weltweit tätig ist. Das Haus hat beispielsweise mit der Fachhochschule Gießen-Friedberg und der Frankfurter Fachhochschule Vereinbarungen über duale Studiengänge getroffen.
Die besten dürfen ins Ausland
So ist es bei Heraeus beispielsweise möglich, eine Ausbildung zum Industriemechaniker zu absolvieren, die zweieinhalb Jahre dauert. Parallel dazu beginnen die jungen Leute den Studiengang zum Diplomingenieur Material- und Fertigungstechnik in Gießen-Friedberg. Bis zum Ingenieur-Diplom sind es knapp viereinhalb Jahre. „Wir beugen auf diese Weise dem Fachkräftemangel vor“, erläutert der Sprecher. Heutzutage müsse sich ein Unternehmen besonders intensiv darum kümmern, die Mitarbeiter rechtzeitig zu rekrutieren, die es in Zukunft brauche.
Die Hanauer zählen derzeit 300 Auszubildende, davon absolvieren 47 junge Frauen und Männer einen dualen Studiengang. Die Besten von ihnen dürfen bei Heraeus zudem eine Hospitanz an verschiedenen Auslandsstandorten des Unternehmens absolvieren. Reisekosten und Logis gehen dabei zu Lasten des Hauses. „Heraeus lässt sich diese Ausbildung also schon etwas kosten“, hebt der Sprecher hervor.
Auch in nichttechnischen Branchen
Gleichwohl habe das Unternehmen dabei auch den eigenen Nutzen im Blick. Als international aufgestelltes Haus sei man daran interessiert, Mitarbeiter an die Arbeit im internationalen Umfeld heranzuführen. Ein solcher Aufenthalt sei der ideale Weg dorthin. Und für die jungen Mitarbeiter biete sich die Chance, früh wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Duale Studiengänge sind beispielsweise auch bei der Adam Opel AG möglich, bei der Siemens AG, aber auch in nichttechnischen Branchen. So bietet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Möglichkeit, ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit einer Ausbildung zu verbinden. Banken bieten in Zusammenarbeit mit der Frankfurt School of Finance & Management ebenso eine entsprechende zweigleisige Ausbildung an.
Schon während des Studiums Geld verdienen
Sehr gute Erfahrungen hat auch der Frankfurter Fraport AG mit dem dualen Bildungsangebot gesammelt, wie Wolfgang Haas, Leiter der Berufsbildung des Flughafenbetreibers, berichtet. Das Haus arbeitet mit drei Hochschulen zusammen, mit der in Wiesbaden ansässigen Hochschule Rhein-Main, der Fachhochschule Frankfurt und mit der Mannheimer Dependance der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Auch Fraport bietet den Studierenden unter anderem ein Auslandspraktikum an, was bei einem Unternehmen, das beispielsweise in Peru, in Russland und in Saudi-Arabien vertreten ist, besonders attraktiv sein dürfte. Dafür spricht, dass die Frankfurter Flughafenmanager für zuletzt zwölf Plätze der Fachrichtung Luftverkehrsmanagement mehr als 1000 Bewerbungen erhalten haben, wie Haas weiter ausführt. Bei den Ingenieurdisziplinen sei die Bewerberzahl allerdings deutlich niedriger.
Fraport wendet für die Ausbildung der künftigen Fach- und Führungskräfte nicht eben geringe Beträge auf. Im Durchschnitt sind es 80.000 Euro, mit denen ein solcher dualer Studiengang alles in allem zu Buche schlägt, wie es heißt.
Maximilian Rassmann ist einer der Studenten bei Fraport. Der Mittzwanziger schreibt gerade an seiner Examensarbeit, mit der er das Studium des Luftverkehrsmanagements abschließen wird. Für seine Entscheidung war, neben der großen Anziehungskraft der Luftverkehrsbranche, die Möglichkeit ausschlaggebend, schon während des Studiums Geld verdienen und gleichzeitig Erfahrungen im Wunschberuf sammeln zu können. Zudem glaubt Rassmann, eine besonders zukunftsträchtige Branche gewählt zu haben: „Die Luftfahrt hat sich nach jeder Krise wieder schnell erholt, weil es ohne das Fliegen nicht geht. Irgendwann vielleicht nicht mehr mit Kerosin, sondern mit neuen Treibstoffen, aber geflogen wird immer“, ist sich Rassmann sicher.

