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Drogerien Schlecker will wie DM und Rossmann sein

Der Drogeriemarktführer Schlecker versucht den Imagewechsel. Kleine enge Filialen weichen großen und schönen. Am schlechten Ruf als unfairer Arbeitgeber hat sich aber noch nichts geändert.

© Frank Röth Vergrößern Schöne neue Schlecker-Welt: Mit Filialen wie dieser in Hattersheim will der Marktführer sein schlechtes Image loswerden.

Anton Schleckers alte Strategie funktioniert nicht mehr. Zwar gilt das Drogerie-Imperium des schwäbischen Metzgermeisters, was den Umsatz und die Zahl der Filialen betrifft, nach wie vor als die Nummer eins der Branche in Deutschland, vor DM und Rossmann. Doch Schleckers Ehrgeiz, an fast jeder Straßenecke vertreten zu sein, hat ihm zwar den Spitzenplatz eingebracht, aber auch ein enormes Kostenproblem.

Jochen Remmert Folgen:  

Das versucht der Marktführer nun seit einem Jahr mit der Schlecker-XL-Idee zu ändern. Darunter sind Filialen mit einer für Schlecker bislang untypisch großen Fläche von 400 Quadratmetern und mehr zu verstehen. In Hattersheim ist gerade eine solche Filiale des neuen Typs eröffnet worden, in Niedernhausen tritt ein solcher Markt an die Stelle einer Filiale des insolventen Billigkaufhauses Woolworth.

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Strategiewechsel

Kosten sparen die Schwaben allerdings nur dann, wenn sie parallel zur Neueröffnung auch kleine, unrentable Märkte schließen. Ein Unternehmenssprecher wollte auf Nachfrage allerdings nicht bestätigen, dass die XL-Märkte systematisch solche Filialen ersetzen sollen. Es könne sein, dass sich das im Einzelfall ergebe, grundsätzlich agiere aber die Schlecker XL GmbH unabhängig vom Haupthaus.

Gleichwohl bezweifelt niemand in der Branche, dass Schlecker an einem Strategiewechsel arbeitet. Dessen ist sich auch Verdi-Gewerkschaftssekretär Horst Gobrecht aus Darmstadt sicher. Als Gewerkschafter interessiert ihn allerdings noch mehr als der Wechsel von kleinen zu größeren Filialen, dass Schlecker dabei offenbar versucht, auch die Personalkosten drastisch zu senken – durch Stellenabbau, Stundenreduzierung der Beschäftigten und dadurch, dass neue Mitarbeiter für die XL-Märkte nicht mehr nach dem Einzelhandelstarifvertrag bezahlt werden. So sei Schlecker auch in Hochheim verfahren, wo einer von vier Schlecker-Märkten zum XL-Laden umgewidmet worden sei.

Wirkt billig, ist es aber nicht

Achim Neumann, Einzelhandelsexperte der Verdi-Bundeszentrale, berichtet davon, dass Schlecker inzwischen für die neuen Märkte eigens eine Zeitarbeitsfirma in Zwickau gegründet habe. Dort gelte dann ein mit einer Christlichen Gewerkschaft geschlossener Tarifvertrag für Leiharbeiter, der deutlich niedrigere Löhne festlege als der Einzelhandelstarifvertrag, nach dem Schlecker in seinen bisherigen Filialen zahle. Eine Verkäuferin mit voller Stelle verdient Verdi zufolge so nur rund 1600 statt 2100 Euro brutto. Der Schlecker-Sprecher widerspricht dem Vorwurf des Lohndumping. „Die Arbeitsbedingungen bei der Schlecker XL GmbH bewegen sich vollkommen im Rahmen des allgemein Üblichen und entsprechen darüber hinaus in jedem Fall den geltenden Bestimmungen.“

Die XL-Filialen sollen nicht einfach nur ein größeres Sortiment bieten, sondern das Unternehmen auch vom schlechten Image der kleinen, engen und bis unter die Decke mit Ware vollgepfropften Stützpunkte befreien, die billig wirken, es aber tatsächlich im Vergleich zur Konkurrenz oft nicht sind, wie Marktforscher sagen.

Im Vergleich schwächer

Und Schlecker hat allen Grund, die erfolgreichen Ladenkonzepte der Konkurrenz zu kopieren. DM hat 2008 in Deutschland einen Umsatz von 3,36 Milliarden Euro erzielt, was einem Plus von 11,4 Prozent entspricht. Die Nummer drei der Drogerieketten, Rossmann, hat den nationalen Umsatz im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent auf 2,9 Milliarden erhöhen können. Schlecker hat 2008 einen Umsatz von 5,12 Milliarden erwirtschaftet – nach Schätzungen der Frankfurter Marktforscher von Trade Dimensions ein Minus von gut fünf Prozent.

Dabei ist noch etwas von besonderer Bedeutung: DM hat das gute Ergebnis mit rund 1000 Filialen geschafft, Rossmann mit 1500. Schlecker dagegen hat rund 10.000 und damit zehn Mal so viele Filialen wie DM bewirtschaften müssen, um auf die etwas mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz zu kommen. Das bedeutet, der Aufwand für Mietzins, Logistik und Personal ist sehr viel höher, selbst wenn man berücksichtigt, dass Schlecker praktisch nie sehr gute Lagen belegt.

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