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Hygiene-Skandal bei Burger King : Dramen vom Grill

Blasser König: Auch im Burger King an der Mainzer Landstraße ist dieser Tage kaum etwas los. Bild: Röth, Frank

Burger King will künftig vieles anders machen. Die Fast-Food-Kette hat viel Arbeit vor sich. Angestellte aus Frankfurter Filialen erzählen haarsträubende Geschichten.

          19 Uhr. Abendessenszeit in Frankfurt. Auch der Burger King an der Mainzer Landstraße hat normalerweise Hochbetrieb um diese Uhrzeit. Nicht so an diesem Montag. Eine Bedienung steht allein hinter der Kasse, die Köche hinter den Regalen plaudern miteinander, zwei Burger und eine einsame Salatschale warten auf Abnehmer. Die Gäste verlieren sich in dem großen Restaurant.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es sind keine normalen Zeiten bei Burger King. Seit ein Fernsehbericht teils ekelerregende Zustände in einigen Küchen der Imbisskette offenbarte, machen die Kunden einen Bogen um die Schnellrestaurants. Deutschlandchef Andreas Bork hat schon Umsatzeinbußen beklagt. Mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen wirbt der amerikanische Konzern wieder um das Vertrauen in „Qualität und Frische“.

          In Küchenkleidung die Toiletten putzen

          Als Werbefiguren treten Franchise-Nehmer wie Udo Hausner auf, der sieben Burger Kings in Hessen betreibt, unter anderen jene in Oberursel, Eschborn, Karben und Rosbach. Von Franchise-Nehmer Ergün Yildiz, in dessen Restaurants die Hygieneverstöße festgestellt wurden, wollen sich die anderen Lizenznehmer und die Dachgesellschaft so weit wie möglich distanzieren. Yildiz’ Yi-Ko-Holding betreibt seit gut einem Jahr 91 der knapp 700 Burger-King-Filialen in ganz Deutschland, außer dem Restaurant an der Mainzer Landstraße noch acht weitere in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz.

          Die Praktiken, die der Fernsehbericht offenlegte, bestätigen auch drei Mitarbeiter aus zwei Frankfurter Filialen. Der Kostendruck sei hart gewesen. Die strengen Vorschriften, dass nur 0,2 Prozent der nicht verarbeiteten Lebensmittel und 0,4 Prozent der fertigen Burger weggeworfen werden durften, hätten auch dort dazu geführt, dass Lebensmittel über das Haltbarkeitsdatum hinaus verwendet wurden. Aus einer Filiale belegen Fotos, dass Aufbewahrungsbehälter verrostet und stark verdreckt weiterverwendet wurden. Der Restaurantchef habe sie nicht austauschen dürfen. Wenn zu wenig Personal da war, mussten Mitarbeiter schon einmal in der Küchenkleidung die Toiletten putzen, wie ein Mitarbeiter erzählt.

          Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen bei der Kette

          Das Frankfurter Ordnungsamt hat die sieben Burger-King-Filialen in der Stadt nach eigenen Angaben, wie berichtet, in den Jahren 2013 und 2014 bisher siebzehnmal kontrolliert. Dabei sei nur einmal wegen hygienischer Mängel ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Allerdings gibt ein Sprecher zu, dass etwa das Umetikettieren eigentlich abgelaufener Lebensmittel kaum festzustellen sei. Auch würden Proben für Laboruntersuchungen nur in Ausnahmefällen mitgenommen, schon wegen der Kosten.

          Doch nicht nur von Hygienemängeln berichten die Mitarbeiter, auch die Arbeitsbedingungen hätten unter Yildiz schwer gelitten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) lag mit dem Unternehmer von Anfang an über Kreuz. Seit er vor einem Jahr die 91 Filialen übernahm, hat die NGG nach eigenen Angaben mehr als 320 arbeitsrechtliche Verfahren gegen die Yi-Ko-Holding geführt. Es ging unter anderem um zu spät oder gar nicht gezahlte Löhne und ausgebliebene Gehaltszahlungen in Krankheitsfällen. Vor allem Betriebsräte seien immer wieder unter Druck gesetzt, besonders streng kontrolliert und dann entlassen worden, wie die Frankfurter Gewerkschaftssekretärin Sylvia Artzen berichtet. Teilweise seien die Sicherheitskameras in den Restaurant dazu genutzt worden, um Mitarbeitern einen angeblichen Griff in die Kasse nachzuweisen. Neuen Mitarbeitern seien keine Tarifverträge angeboten worden, Weihnachts- und Urlaubsgeld hätten viele nicht bekommen.

          Neue Restaurantleiterin will einiges anders machen

          Dass Yildiz die Bildung von Betriebsräten in seinen Restaurants unterbinde und die Arbeit bestehender Arbeitnehmervertretungen behindere, hatte die NGG schon lange angeprangert. Dabei sollen sie nicht zuletzt dafür sorgen, dass die Dienstpläne für alle verträglich gestaltet werden. Viele der Mitarbeiter, die als Einsteiger selbst nach Tarifvertrag nur 7,55 Euro die Stunde verdienen, haben schließlich noch andere Jobs, für die sie eine gewisse Planungssicherheit brauchen.

          Die Dachgesellschaft von Burger King will mit all diesen Geschichten nun möglichst schnell aufräumen, wie es heißt. Deutschland-Chef Bork hat schon Gespräche mit der NGG geführt und will, dass die Yi-Ko-Holding möglichst bald wieder nach Tarif zahlt. Die Einhaltung der Hygienevorschriften soll künftig regelmäßig von einem externen Gutachter geprüft werden. Bislang hatte die Dachgesellschaft nach eigenen Angaben selbst zweimal im Jahr unangekündigt bei ihren Franchise-Nehmern kontrolliert.

          In der Mainzer Landstraße hat Nicole Gottschalk, die vom Konzern entsandte Krisenmanagerin in der Yi-Ko-Holding, schon einmal einen Antrittsbesuch gemacht und sich nach den Sorgen der Mitarbeiter erkundigt. Außerdem hat sie sich mit den Restaurantleitern getroffen. Erstes Ziel: „die hohen Qualitäts- und Hygiene-Vorgaben von Burger King wieder in Kraft setzen“, wie es die Dachgesellschaft ausdrückt. Die Wegwerfquoten von 0,2 Prozent wurden aufgehoben.

          Die Frankfurter Mitarbeiter und die Gewerkschaft sind noch skeptisch. Schließlich hat Yildiz zwar vorerst die Geschäftsführung abgetreten, die Restaurants gehören aber weiterhin seiner Holding. Außerdem sind die Regionalleiter und Restaurantmanager dieselben wie vorher.

          Quelle: F.A.Z.

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