28.05.2008 · Vor einem Jahr wechselte der erste Apotheker in der Region Frankfurt zu Doc Morris. Andere folgten ihm. Alle berichten von mehr Kunden und merklich höherem Umsatz, seitdem sie unter dem grünen Kreuz auftreten.
Von Thorsten WinterAndrea Martini hat sich gerade von ihrer Mosel-Apotheke an der Münchener Straße in Frankfurt getrennt. Fortan wirtschaftet die Apothekerin nur noch unter dem grünen Kreuz, das sie als Partnerin des Arzneimittel-Versenders Doc Morris ausweist. Vor einem halben Jahr tauschte Martini bei ihrer anderen Apotheke an der Kaiserstraße das klassische rote „A“ mit Giftschale und Aeskulapnatter gegen das Doc-Morris-Logo aus. Seitdem erscheint das Ladenlokal auch innen ganz in Grün. Und seitdem wächst nach ihren Angaben die Zahl der Kunden ebenso wie der Umsatz.
Gut 2.000 neue Kundenkarten hat Andrea Martini in den vergangenen sechs Monaten ausgegeben, wie sie sagt. Etwa 4.500 waren es zuvor gewesen. Mithin führt sie nun gut 40 Prozent mehr Kunden in der Kartei als zuvor – die Laufkundschaft, die nur gelegentlich bei ihr einkauft, nicht mitgezählt. „Die alten Kunden sind uns erhalten geblieben“, berichtet die Apothekerin, die seit gut 20 Jahren im Geschäft ist und schon länger „sehr preisaktiv“ gewesen ist, wie sie es formuliert. Die Filiale an der Münchener Straße hat sie verkauft, weil sie für die Mosel-Apotheke bei den Sonderaktionen stets andere Preise ausweisen musste als für die Doc-Morris-Apotheke, und „das wurde mir zuviel“. Davon abgesehen hebt sie hervor: „Wir leben Doc Morris, stehen voll hinter der Marke.“
Das grüne Kreuz über dem Eingang reicht als Werbung nicht aus
Diese Haltung dürfte der seit dem Spätherbst erzielte Umsatzanstieg wesentlich befördert haben. Auf „deutlich mehr als 20 Prozent“ beziffert Martini den Zuwachs bei den Erlösen. Das Plus komme aber nicht von selbst. Das grüne Kreuz über den Eingang zu montieren und das Ladenlokal in Grün zu kleiden – „das reicht nicht aus“. Vielmehr schätze die Kundschaft ausführliche Beratung, die sich zu den im Branchenvergleich vielfach niedrigen Preisen geselle. Doc Morris verspricht bei nicht rezeptpflichtigen Medikamenten Preisabschläge von bis zu 30 Prozent. Deshalb müssen Doc-Morris-Apotheken auch den Umsatz erheblich steigern, wenn sie auch den Betriebsgewinn erhöhen wollen. Zumal sie nicht nur vor der Eröffnung kräftig ins Ladenlokal investieren müssen – im Falle Martinis um die 50.000 Euro –, sondern auch jeden Monat eine Lizenzgebühr von 1.500 Euro zu entrichten haben.
Diese Summe überweist auch Jörg Sommer jeden Monat an die Tochtergesellschaft des börsennotierten Pharma-Großhändlers Celesio AG. Sommer arbeitet ein Vierteljahr länger mit Doc Morris zusammen als Martini und führt an der Plockstraße in Gießen seine Apotheke mit dem grünen Kreuz. Zuvor hatte seine Familie im Nebengebäude lange Jahre die Central-Apotheke betrieben. Der Markenwechsel stellt Sommer bisher zufrieden. Was nicht verwundert, schließlich hat er die Zahl der Kunden um 90 Prozent und den Umsatz um gut 60 Prozent gesteigert, wie er berichtet. Das Betriebsergebnis liege ebenfalls über Vorjahresniveau, wenn auch nicht in gleichem Maße wie der Umsatz. Dies liegt nicht nur an der allgemein geringeren Marge, die der Niedrigpreispolitik von Doc Morris geschuldet ist: In Gießen herrscht ein harter Preiswettbewerb, weshalb Sommer bei vielen Produkten die Listenpreise der Versandapotheke noch unterbietet, wie er sagt. Wie Martini gibt sich Sommer nicht damit zufrieden, das grüne Kreuz über dem Eingang und im Ladenlokal zu haben. Vielmehr wirbt er mit Flugblattaktionen für seine Apotheke und hat in der Innenstadt von Gießen außerdem zwei Schaufenster angemietet, um potenzielle Kunden auf seine Angebote aufmerksam zu machen.
Weitere Doc-Morris-Apotheken im Großraum Frankfurt angekündigt
„Ich würde es wieder machen“, sagt Volker Buffleb auf die Frage, ob sich der Wechsel zu Doc Morris, den er vor einem Jahr in Weiterstadt als Erster im Rhein-Main-Gebiet vollzogen hat, auszahlt. Sowohl der Umsatz als auch die Zahl der Kunden ist um gut die Hälfte gestiegen, die Kundenfrequenz nach seinen Worten sogar noch etwas stärker. Eine Sonderstellung unter den Doc-Morris-Partnern in der Region nimmt Tina Beitz in Mainz ein. Die Apothekerin hat im vergangenen Oktober anders als Martini und Sommer ihre Apotheke nicht umetikettiert, sondern neu eröffnet. Deshalb kann sie ihre Zwischenbilanz auch nicht auf einen Vergleich stützen. Dessen ungeachtet ist sie „mehr als zufrieden“, wie sie sagt. Die Marke mit dem grünen Kreuz ziehe – „bei mir läuft es super“, hebt Beitz hervor, die rund 100.000 Euro in ihr Ladenlokal investiert hat. Ihre in der Innenstadt gelegene Doc-Morris-Apotheke laufe besser als die beiden anderen Apotheken in Mainz, die sie betreibt. „Das ist gar kein Vergleich“, sagt Beitz, deren Mutter im Mai als erste in der Stadt als Partnerin des Arzneimittelversenders auftrat und auch zufrieden ist, wie die Tochter sagt.
Derweil kündigt Doc-Morris-Vorstand Thomas Schiffer weitere Apotheken im Großraum Frankfurt an. Unter anderem werde eine solche im Taunus eröffnen – wann genau, behält Schiffer für sich.