14.02.2005 · Der Montag sei kein guter Tag für den Valentinstag gewesen, sagen die Leute von der Valentins GmbH. Manch einer habe den Tag der Liebespaare in diesem Jahr durch das vorhergehende Wochenende offenbar vergessen - darauf hätten zahlreiche Anfragen in letzter Minute gedeutet.
Der Montag sei kein guter Tag für den Valentinstag gewesen, sagen die Leute von der Valentins GmbH. Manch einer habe den Tag der Liebespaare in diesem Jahr durch das vorhergehende Wochenende offenbar vergessen - darauf hätten zahlreiche Anfragen in letzter Minute gedeutet. Trotzdem hatte das Frankfurter Unternehmen, das dem 14. Februar immerhin seinen Firmennamen verdankt, schon am Wochenende 17 Sattelschlepper mit Blumen losgeschickt, damit etliche tausend Sträuße gestern pünktlich ihren Zielort erreichten.
"Der Valentinstag bringt uns zusammen mit dem Muttertag den größten Umsatz im Jahr", sagt Valentins-Sprecher Rüdiger Barth. Danach erst folgten Weihnachten, Ostern, Nikolaus - sowie zunehmend auch der Weltfrauentag am 8. März, der im Osten ein traditioneller Blumentag gewesen sei und an dem verheiratete Männer, anders als am Valentinstag, nicht nur der Ehefrau Blumen schenken könnten, sondern auch der Mitarbeiterin oder Assistentin. Im vorigen Jahr hatte Valentins ungewöhnlicherweise auch am Vatertag gute Geschäfte gemacht; der Grund für diese Sonderkonjunktur war offenbar ein Spezialangebot, bei dem Väter nicht nur die von ihnen möglicherweise nicht ausreichend gewürdigten floristischen Grüße erhielten, sondern auch zwei Flaschen Jägermeister und einen passenden Hirsch.
Die Firma mit der Internetadresse www.valentins.de ist eines der wenigen Frankfurter Start-ups aus der New-Economy-Zeit, die überlebt haben. Während andere Dotcom-Firmen, die Menschen per Internet beispielsweise an den Geburtstag der Schwiegermutter erinnern oder zum Speisen in Online-Restaurants einladen wollten, irgendwann den Gang zum Amtsgericht antreten mußten, um ein Insolvenzverfahren zu beantragen, beschäftigt Valentins nach Unternehmensangaben heute 24 Mitarbeiter fest. In Spitzenzeiten, etwa vor dem Valentinstag, bestehe die Belegschaft sogar aus 60 bis 70 Männern und Frauen, die man zum Teil bei befreundeten Blumengeschäften ausleihe.
Von dem idealistischen Dreier-Gründerteam im Alter um die Dreißig, das zum Muttertag des Jahres 2000 mit dem provozierenden Werbeslogan "Bring Deine Mutter zum Weinen" angetreten war, unter jungen Leuten eine "Renaissance des Blumenschenkens" einzuleiten, ist heute nur noch eine Geschäftsführerin übrig, Tanja Karies. Geld bekam die junge Firma seinerzeit unter anderem vom Burda-Verlag, der das Geschäftsmodell offenbar für zukunftsweisend hielt. Es gab Hochs und Tiefs. Im Boom soll es sogar Leute gegeben haben, die sich von Valentins selbst Blumen ins Büro schicken ließen.
Zwischenzeitlich war es dann in der Internetbranche Mode geworden, daß Unternehmen auch außerhalb des Netzes aktiv wurden und Filialen eröffneten. Damit wollten sie abfangen, daß die Geschwindigkeit, mit der das Internet konventionelle Geschäftsmodelle ablöst, im Boom offenbar überschätzt worden war. Valentins, die ihre Zentrale an der Niddastraße im Frankfurter Bahnhofsviertel haben und die Blumen von einer Halle in Bergen-Enkheim in der Nähe des Hessen-Centers aus versenden, eröffnete damals Niederlassungen im Mannheimer Hauptbahnhof und in Mainz. Ende 2002 verkaufte man die Filialen wieder. Nur zwei Filialen zu betreiben habe sich nicht gelohnt, heißt es im Unternehmen. Entweder hätte man fünf oder sechs eröffnen oder sich wieder auf das Kerngeschäft, den Internethandel, konzentrieren müssen. Valentins entschied sich für letzteren Weg.
Ganz schwer sei das Jahr 2002 gewesen, berichten die Blumenversender. Privatleute, die sonst vor Weihnachten drei, vier Sträuße verschickt hätten, beschränkten sich auf einmal auf einen. Und auch Firmen, deren Aufträge 20 Prozent des Valentins-Geschäfts ausmachten, hätten sich damals sehr zurückgehalten. Seit Mitte 2004 aber ziehe das Geschäft wieder kräftig an. Genaue Umsatzzahlen möchte Anteilseigner Burda nicht veröffentlicht sehen. Bei Valentins spricht man aber davon, man liege in diesem Jahr um 50 Prozent über den Vorjahreszahlen, im vorigen Jahr immerhin schon um rund 40 Prozent. Bei der Firmengründung hatte man als Ziel formuliert, so bald wie möglich an die Umsätze der Nummer eins der Branche, des Blumenhändler-Zusammenschlusses Fleurop, heranzukommen. Das waren damals um gerechnet 1,3 Millionen Euro. So ganz scheint Valentins das nicht geschafft zu haben, der Marktanteil soll im einstelligen Prozentbereich liegen. "Wir wachsen aber ständig, während Fleurop stagniert oder Anteile verliert", ist Barth zuversichtlich.
Chancen für die Geschäftsentwicklung sieht Valentins in der Kombination von Blumen und Geschenken, wie sie im Grunde nur ein Direktversender, nicht aber der lokale Blumenhandel anbieten könne. "40 Prozent unserer Kunden kaufen Blumen mit einem weiteren Präsent", sagt Barth. "Das kann eine Flasche Champagner sein, Grappa, Pralinen - aber auch ein Kuschelteddy." christian siedenbiedel