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Die 100 größten Unternehmen in Hessen

 ·  Warum ist diese Tabelle interessant? Es ist mitnichten einfach eine Aufstellung der größten Unternehmen mit Sitz in Hessen. Die Deutsche Bank etwa beschäftigt weltweit ungefähr 65 000 Frauen und Männer.

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Warum ist diese Tabelle interessant? Es ist mitnichten einfach eine Aufstellung der größten Unternehmen mit Sitz in Hessen. Die Deutsche Bank etwa beschäftigt weltweit ungefähr 65 000 Frauen und Männer. In der Tabelle spielen hingegen nur jene Mitarbeiter eine Rolle, deren Arbeitsplatz in Hessen liegt - in diesem Fall knapp 10 000. Es ist auch keineswegs, zweitens, eine Tabelle, in der ausschließlich hessische Unternehmen aufgeführt sind. Die Karstadt-Quelle AG etwa hat ihren Sitz in Essen. Sie fand trotzdem Aufnahme, weil sie zu den größten Arbeitgebern in diesem Bundesland zählt.

Die Tabelle ist aber auch, drittens, nicht etwa eine Zusammenstellung der größten Arbeitgeber in diesem Bundesland, auch wenn das der Wahrheit noch am nächsten kommt. Da sich die Autoren der Landesbank Hessen-Thüringen und der Hessen Agentur eben auf Unternehmen beschränkt haben, fehlen alle Verwaltungen, aber auch die Wohlfahrtsverbände. Allein bei der Stadt Frankfurt zum Beispiel arbeiten 9700 Frauen und Männer, womit sie in der Tabelle auf Platz 13 läge. Nur etwas weniger Beschäftigte, 9300, zählt zum Beispiel die Caritas nur in dem Teil des Bistums Limburg, der zu Hessen zählt.

Warum also lohnt sich der Blick auf die Tabelle, die Unternehmen nach der Zahl ihrer Arbeitsplätze in Hessen ordnet? Zum ersten: Weil sie in manchem ein ungewohntes Bild von Hessen zeichnet. Die Großbanken etwa: Sie stehen wie sonst nichts und niemand für den Wirtschaftsstandort Frankfurt und Rhein-Main. Und doch findet sich keines dieser Kreditinstitute auf den ersten fünf Plätzen. Erstaunlich auch, wie viele Industrieunternehmen weit oben stehen. Siemens etwa, ein Unternehmen, das in Hessen selten von sich reden macht, und Continental. Auch wenn nicht alle Stellen in diesen Unternehmen tatsächlich noch Industriearbeitsplätze sind - bei Siemens etwa spielen Vertrieb und Wartung eine große Rolle -, so zeigen diese Angaben doch, wie richtig die Industrie- und Handelskammern lagen, als sie im vergangenen Jahr nachdrücklich eine Politik forderten, die gezielter als bisher auf die Sicherung der Arbeitsplätze in diesem Wirtschaftssektor ausgerichtet ist. Die Tabelle zeigt: Hessen hat viel zu verlieren, wenn daraus nichts wird.

Staunen mag man auch, wie groß der Staatseinfluß in der Wirtschaft ist, obwohl doch die Meinung vorherrscht, die Bundesrepublik sei eine Marktwirtschaft. Allein unter den ersten zehn Unternehmen finden sich nicht weniger als fünf, an denen die öffentliche Hand mehr oder weniger große Anteile hält. Generell zeigt die Zusammenstellung, daß Hessen vielleicht mehr als noch andere Bundesländer von Großunternehmen geprägt ist. Das ist nicht per se gut oder schlecht. Fehlentscheidungen des Managements, wie man sie im zurückliegenden Jahrzehnt etwa bei Opel erlebte, haben bei großen Firmen freilich ganz andere Folgen.

Zweitens lohnt der Blick auf die Tabelle, weil sie Schlaglichter auf Verborgenes wirft. So tauchen auf respektablen Plätzen Unternehmen auf, die nur am jeweiligen Ort und in Fachkreisen einen Namen haben, obwohl sie große Beschäftigtenzahlen aufweisen. Jeder kennt Nestle, aber wem sagt die EDS Operations Services GmbH in Rüsselsheim etwas? Und freudig nimmt man schließlich zur Kenntnis, daß unter den 100 größten Unternehmen auch einige sind, die wirklich hessischen Ursprungs sind, so etwa die Wisag des Frankfurter Unternehmers Claus Wisser, Tegut und Braun, dessen Anfänge einst im Frankfurter Gallusviertel lagen.

Einiges ist zu beachten. Die Dresdner Bank ist nicht aufgeführt, weil sie zum Allianz-Konzern zählt. Die Wella-Zahlen sind in denen von Procter & Gamble enthalten, die des Kaufhofs bei der Metro und die von Neckermann bei Karstadt.

Manches läßt sich gegen die Zusammenstellung einwenden. So fehlt eine Reihe von Unternehmen schlichtweg. Von den großen Einzelhandelsketten beispielsweise sind es Aldi und Lidl. McDonald's ist drin, Burger King nicht. Peek & Cloppenburg fehlt, obwohl das Düsseldorfer Unternehmen mit der Vielzahl seiner Filialen sicherlich auch auf mehr als 1350 Beschäftigte käme, was für Platz 104 gereicht hat. Die Autoren der Studie litten in diesen Fällen darunter, daß viele Firmen wenig auskunftsfreudig sind. Bei der Bahn, der Post und den Großbanken sind Zahlen genannt, aber man muß hoffen, daß sich die Zentralen wirklich die Mühe gemacht haben nachzuzählen. Denn die Abteilungen solcher Unternehmen orientieren sich nicht an den Grenzen von Bundesländern. Einwenden läßt sich ferner, daß bei den meisten Unternehmen zwar die Zahl der Mitarbeiter genannt wird, nicht aber die der Vollzeitstellen. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen freiwillig und unfreiwillig halbtags arbeiten, kann dies das Bild verzerren. Schließlich ist es schade, daß zahlreiche Zahlen für 2004 fehlen, obwohl sie wenigstens in einigen Fällen ohne weiteres zu ergänzen gewesen wären. Das alles schmälert die Aussagekraft der Tabelle zwar, aber interessant bleibt sie dennoch. Zu hoffen ist auf eine Neuauflage in zwei, drei Jahren - dann auch mit den Gewinnern und Verlierern im jetzt eröffneten Wettbewerb der 100 größten Unternehmen in Hessen. MANFRED KÖHLER

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