10.09.2010 · Die Deutsche Börse feiert lustlos den 425. Jahrestag der ersten offiziellen Kursfestlegung in Frankfurt. Das heikle Thema des Umzugs nach Eschborn bleibt außen vor.
Von Manfred Köhler, FrankfurtBei Aktiengeschäften zählt jede Sekunde. Wie also geht es zu, wenn die Deutsche Börse AG Jubiläum feiert? Schnell. Mit einem Tag Verspätung erinnerte der Konzern am Freitag an die erste offizielle Feststellung eines Wechselkurses in Frankfurt am 9. September 1585, was mangels eines besseren Datums als Beginn der Börsengeschichte dieser Stadt genommen wird. Um 8.31 Uhr begann der Festakt auf dem Parkett mit der ersten Rede, um 8.51 Uhr war die dritte schon beendet.
Unter pari, denn eigentlich hätte Reto Francioni bis 9 Uhr sprechen können, da sollte der Festakt mit dem Einläuten des Börsenhandels enden. Francioni hatte aber nicht recht Lust, viel zur Geschichte der Börse zu sagen – dazu gebe es eine Broschüre –, und mochte auch auf die Gegenwart nicht recht eingehen. „Die Börse ist nicht seit 425 Jahren ein Teil des Problems, sondern ein Teil der Lösung“, verkündete der Konzernchef immerhin, die Finanzkrise habe gezeigt, wie wichtig regulierte Märkte wie eben die Börse seien.
Kein Wort zum Umzug nach Eschborn
Auf den Umzug nach Eschborn kam Francioni ebenso wenig zu sprechen wie der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Er bescheinigte dem Konzern eine erstklassige digitale Infrastruktur, stellte die mit Blick auf Paris etwas kühne Behauptung auf, als Finanzplatz lasse sich Frankfurt in Europa nur von London übertreffen, und hob hervor, was in der Stadt bisher kaum Beachtung gefunden hat: dass nach dem Willen der EU nun aus dem Kern einer europäischen Versicherungsaufsicht in Frankfurt, dem Büro namens Ceiops, eine richtige Versicherungsaufsicht mit echten Kompetenzen wird.
Die für den Festakt hervorgeholte Glocke durfte dann nach verlegenen Minuten Frankfurts Ehrenbürger Friedrich von Metzler läuten, was er mit so großer Freude tat, dass er kaum aufhören wollte. So laut ist es auf dem Parkett sonst selten; die Umsätze werden längst vornehmlich per Computer gemacht.
Etwa 100 Arbeitsplätze werden abgebaut
Die Gewerkschaft Verdi verzichtete gestern auf jede Art von Gratulation, beklagte aber in einer geharnischten Pressemitteilung noch einmal den Plan, Arbeitsplätze nach Prag zu verlagern – nur wegen eines kurzfristigen Unterschieds bei den Gehältern. Nach Auskunft der Pressestelle sollen, wie von Francioni zu Jahresbeginn verkündet, von Luxemburg und Frankfurt ungefähr 250 Stellen nach Prag verlegt werden, etwa 100 Arbeitsplätze werden abgebaut. Bei dieser Gelegenheit ließ ein Sprecher auch wissen, dass in der vergangenen Woche die ersten 250 Mitarbeiter in den Neubau der Deutschen Börse an der Mergenthalerallee in Eschborn eingezogen sind und jetzt im Wochenrhythmus weitere Abteilungen folgen; bis Mitte Oktober soll der Umzug der 2000 Mitarbeiter beendet sein, wird die Verwaltung also Frankfurt-Hausen verlassen haben. Frankfurt bleibt aber offizieller Sitz des Konzerns. Es hätte also gestern durchaus Stoff für spannende Reden gegeben. Man hätte halt nur wollen müssen.